Amstetten , Aschbach-Markt , Viehdorf , Behamberg , St. Georgen am Reith

Erstellt am 13. Februar 2018, 05:46

von Stephanie Turner und Hermann Knapp

Bevölkerungs-Wachstum bremst sich wieder ein. Seit 2014 sind die Einwohnerzahlen stark gestiegen. 2017 ist das Bevölkerungswachstum jedoch wieder zurückgegangen.

St. Georgen/Reiths Bürgermeister Helmut Schagerl macht sich wegen dem höchsten prozentuellen Rückgang keine Sorgen.  |  NOEN

Im Bezirk Amstetten leben derzeit 115.674 Menschen. Das ergeben die Zahlen der Statistik Austria mit Stichtag 1. Jänner 2018. Damit ist die Bevölkerung im Bezirk im Jahr 2017 um 0,28 Prozent (319 Einwohner) gewachsen. Vergleicht man dieses Ergebnis mit den letzten zehn Jahren, so liegt 2017 mit 0,28 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt (0,34 Prozent).

Als Miniaturabbild des Bezirks zeigt sich da die Bezirkshauptstadt Amstetten: Auch sie hat ein prozentuelles Wachstum von 0,28 Prozent bei 23.664 Einwohnern.

„Die Umlandgemeinden wachsen. Dafür verzeichnet die Stadt Amstetten ein schwächeres Wachstum.“Amstettens Vizebürgermeister Dieter Funke

Im 2016 präsentierten Entwicklungskonzept rechnet man noch bis zum Jahr 2030 mit 30.000 Einwohnern. Bei dem derzeitigen Wachstum würde es allerdings noch mehr als 100 Jahre dauern, bis diese Einwohnerzahl erreicht wird.

Diese Problematik sieht auch Vizebürgermeister Dieter Funke: „Derzeit würde sich das Ziel des Entwicklungskonzeptes nicht ausgehen. Die Stadt braucht ein dynamisches Wachstum. Die Südhänge sind zum Großteil schon verbaut, also müssen die Verkehrsanbindung und der Arbeitsmarkt alternativ gestärkt werden. Da müssen wir in Amstetten noch Hausaufgaben machen. Man sollte aber bei solchen Bevölkerungsstatistiken nicht nur die einzelnen Gemeinden miteinander vergleichen, sondern größer fassen und Regionen vergleichen. Der Bezirk ist dynamisch.“

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Dennoch gibt es Gemeinden, die sich über ein überdurchschnittliches Wachstum freuen können. Gleich drei Gemeinden im Bezirk haben dabei sogar mehr Einwohner hinzugewonnen als Amstetten (absolutes Wachstum: 43 Personen): Mit einem absoluten Wachstum von 58 Personen liegt die 3.386-Seelen-Gemeinde Behamberg an erster Stelle im Bezirk.

Behambergs Bürgermeister Karl Josef Stegh freut sich über das größte absolute Bevölkerungswachstum.  |  NOEN, Archiv

„Als Zuzugsgemeinde kommen viele Einwohner aus Nachbarregionen zu uns. Wir haben neue Baugründe geschaffen und die Geburtenraten sind gestiegen. Im Moment wollen wir aber keine neuen Grundstücke umwidmen. Ich freue mich natürlich darüber, dass so viele junge Leute hergezogen sind. Jetzt muss aber erst einmal das Gemeinschaftsleben ausgebaut werden. Die Leute sollen sich wohlfühlen in Behamberg“, erklärt Bürgermeister Karl Josef Stegh.

In der Gemeinde St. Georgen/Ybbsfelde kann man sich das größte prozentuelle Wachstum im Bezirk von 1,84 Prozent bei 2.885 Einwohnern nicht erklären. Laut Amtsleiter Georg Hahn könnte es an der Fertigstellung der Reihenhausanlage im Jänner 2017 liegen. Aktuell seien gerade die Aufschließung und Parzellierung einer Siedlung in Planung.

Wirtschaftsräume als enscheidender Grund

Auch in Aschbach-Markt ist die Bevölkerungszahl verhältnismäßig stark gestiegen. Mit 3.386 Einwohnern und einem Wachstum von 1,25 Prozent. „Es gibt keinen eindeutigen Grund für das Wachstum, aber die Zahlen sprechen für sich. Seit zehn Jahren wächst die Gemeinde stetig. Sie ist von Wirtschaftsräumen umgeben und hat eine gute Verkehrsanbindung und auch Infrastruktur. Wir sind auf einem guten Weg, den wir behutsam weiterführen wollen“, sagt Bürgermeister Martin Schlöglhofer.

Es gibt aber auch Gemeinden im Bezirk, deren Bevölkerungsstand gesunken ist. Die Gemeinde Viehdorf hat zwar das größte 10-Jahres-Wachstum im Bezirk mit rund 18 Prozent, im Jahr 2017 gab es allerdings bei 1.372 Einwohnern einen Bevölkerungsrückgang von 1,93 Prozent. In den letzten zehn Jahren wurden in der Gemeinde viele Wohnbauprojekte umgesetzt Darunter das Betreute Wohnen, das Platz für 60 Personen geschaffen hat. Zusätzlich haben in der Zeit der Flüchtlingskrise Asylwerber kurzfristig zu einem starken Bevölkerungswachstum beigetragen.

„Momentan fehlen uns die Baugründe und die Zahl der Asylwerber in der Gemeinde ist gesunken. Das erklärt womöglich den Rückgang. Die Gemeinde muss attraktiv bleiben und soll kontinuierlich wachsen. Die Einwohnerzahl muss aber nicht mit einem Schlag steigen“, sagt Bürgermeister Franz Zehethofer.

Auch in Oed-Öhling gibt es ein starkes 10-Jahres-Wachstum (16,77 Prozent), obwohl 2017 ein Minus (0,63 Prozent) zu verzeichnen ist. Das geringe Minus hängt mit dem Flüchtlingsquartier in Oed zusammen. Da hat sich die Zahl der Asylwerber stark reduziert.

Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer ist sehr zuversichtlich, dass die Bevölkerungszahl in der Gemeinde Oed-Öhling in den kommenden Jahren wieder steigen wird: „In Öhling stehen ja in der Obstgartensiedlung 6,7 Hektar Bauland zur Verfügung. In Oed steht heuer die Erschließung der Krautäcker am Programm. Die Genossenschaft NBG wird dort fünf Doppelhäuser errichten.“

Das größte Minus

In der kleinsten Gemeinde des Bezirks gibt es dieses Mal auch das größte Minus. 578 Personen leben derzeit in St. Georgen/Reith. Hier ist die Bevölkerung um rund drei Prozent zurückgegangen. Wie bei den zwei letztgenannten Gemeinden wird auch hier der zahlenmäßige Rückgang an Asylwerbern als Grund genannt.

„Von den anfangs rund 50 Flüchtlingen im Flüchtlingsheim sind jetzt nur noch 20 da. Außerdem leben viele ältere Menschen in der Gemeinde. Allgemein bin ich aber zufrieden mit der Entwicklung und sehe das Ergebnis nicht so problematisch“, so Bürgermeister Helmut Schagerl.