Gresten

Erstellt am 09. Januar 2018, 04:30

von Christian Eplinger

Spitalsärzte sollen freie Praxen besetzen. Freie Kassenstellen wie jene in Gresten sollen durch Allgemeinmediziner aus Landeskliniken besetzt werden. Zustimmung von ÖVP und FPÖ, Skepsis und Kritik von SPÖ.

Symbolbild  |  Shutterstock, Chinnapong

Von 770 Kassenstellen im niedergelassenen Bereich in Niederösterreich sind derzeit fünf nicht besetzt, darunter auch die freie Arztstelle in Gresten. Für die seit April 2016 leer stehende Landarzt-Praxis hat sich bis jetzt noch kein Bewerber gefunden, obwohl sie bereits 24 Mal ausgeschrieben wurde. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gab in der Vorwoche nun eine „Landarzt-Garantie“ ab und versprach gemeinsam mit LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf „Soforthilfe“.

Mediziner und Geld für Ordination bereitstellen

Demnach werde die Landeskliniken-Holding für Praxen wie in Gresten, für die sich länger als ein Jahr kein Landarzt fand und für die die Kassenstelle mehrmals ausgeschrieben wurde, Allgemeinmediziner bereitstellen. Zudem stellt das Land für jene, die als Landarzt einspringen, 5.000 bis 50.000 Euro Einstiegsprämie zur Modernisierung der Ordination zur Verfügung. „Wir müssen jungen Ärzten den Übergang in die Selbstständigkeit schmackhaft machen“, sagt Pernkopf.

Als einen von mehreren wichtigen Schritten zur flächendeckenden ärztlichen Versorgung sieht ÖVP-Spitzenkandidat Anton Erber diese Initiative: „Gerade in unserem Bezirk stehen einige praktische Ärzte knapp vorm Ruhestand. Da werden wir Unterstützung durch das Klinikum benötigen, um den Übergang zu bewältigen. Auf lange Sicht müssen aber mehr Ärzte ausgebildet und auch Gemeinschaftspraxen forciert werden“, sagt Erber.

„Lebenswelten haben sich verändert. Den Landarzt, der rund um die Uhr da ist und für alles zuständig ist, gibt es nicht mehr.“Reinhard Teufel, FPÖ

Ähnlich sieht dies FPÖ-Spitzenkandidat Reinhard Teufel. „Die Gesellschaft hat sich verändert. Den Landarzt alten Stils, der rund um die Uhr verfügbar war und der sich für alle zuständig fühlte, gibt es so nicht mehr. Daher ist eine Attraktivierung der Gesundheitsberufe – von der Ausbildung bis hin zur Berufsausübung – anzustreben. Hausärzteverbände, die von geschultem Pflegepersonal unterstützt werden, sind ebenso sicherzustellen wie die Einführung von Landarztstipendien, die Studierende mit Wohnsitz im jeweiligen Bundesland bevorzugen“, ist Teufel überzeugt.

Skeptisch gegenüber der Initiative Landarzt äußert sich SPÖ-Spitzenkandidatin Renate Gruber. Sie sieht zwar absoluten Handlungsbedarf, glaubt aber nicht, dass die Holding genug Ärzte bereitstellen kann, um die freien Kassenstellen abzudecken. „Die ländlichen Kliniken leiden ja meist selbst unter Ärztemangel“, sagt Gruber.

Sie bezweifelt auch, dass eine finanzielle Unterstützung zielführend ist. „In Gresten wären beide Gemeinden bereit, einem Arzt bei der Adaptierung der Räumlichkeiten unter die Arme zu greifen. Dennoch ist die Stelle nach wie vor unbesetzt. Also dürfte es daran nicht liegen“, vermutet Gruber. Sie sieht vor allem den Bund gefordert, die Ausbildung und Aufnahme für Medizinstudenten zu evaluieren und in zeitgemäße Bahnen zu lenken.

Krauter: Ärztezentren Chance für Versorgung

Im Landesklinikum Scheibbs zeigt man grundsätzlich Bereitschaft, die „Initiative Landarzt“ bestmöglich zu unterstützen. „Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten des Klinikums und den Praktikern der Region ist jetzt schon sehr gut, wird aber in Zukunft sicher noch intensiver werden müssen, weil in den nächsten 15 Jahren auch die Bevölkerung immer älter und daher der Bedarf an medizinischer Versorgung immer höher wird“, weiß Holding-Regionalmanager Andreas Krauter. Ärztezentren wären da durchaus eine Chance, die medizinische Basisversorgung im ländlichen Raum aufrecht zu erhalten.

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