Scheibbs

Erstellt am 15. November 2017, 05:00

von Christian Eplinger

Nach Outing: „Ich fühle mich als Frau sehr wohl“ . 14 Monate nach ihrem Outing spricht Klaudia Watzinger über ihr neues Leben als Frau und Regelung für ein drittes Geschlecht.

Klaudia Watzinger ist seit November 2016 offiziell mittels Bescheid eine Frau und ist darüber sehr glücklich. Derzeit befindet sie sich im Rahmen ihres Sabbaticals gerade auf Auslandsreise in Kambodscha.  |  privat

Es war das große Outing des Vorjahres. Im September 2016 bekannte sich Klaus Watzinger, kaufmännischer Direktor des Landesklinikums Scheibbs, öffentlich zu seiner Transidentität. Seit November des Vorjahres lebt Klaudia Watzinger mittlerweile ganz offiziell als Frau. Im Zuge der Diskussion um ein drittes Geschlecht bat die NÖN Klaudia Watzinger erneut zu einem Interview und erreichte sie, die sich seit September in ihrem einjährigen Sabbatical (Freijahr) befindet, in Kambodscha.

NÖN: Frau Watzinger, Sie haben sich vor etwas mehr als einem Jahr geoutet, offen über Ihre Transidentität gesprochen und leben nun als Frau. Wie stehen Sie zur derzeit viel diskutierten Regelung für ein drittes Geschlecht?

Klaudia Watzinger: Für mich persönlich hat ein neutrales Geschlecht keine Bedeutung. Ich will ja als Frau leben, was ich seit mittlerweile mehr als einem Jahr mache. Für Intersexuelle ist es aber meist sehr wichtig, da sie sich oft keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen.

Geben Sie bei Fragen nach dem Geschlecht ein Geschlecht an?

Watzinger: Natürlich. Ich bin mit Bescheid November 2016 eine Frau und gebe das so an. Alle meine Dokumente lauten seither auf Frau Klaudia Watzinger.

Wie ist es Ihnen im letzten Jahr seit dem Outing ergangen?

Watzinger: Mir ist es sehr gut gegangen. Unabhängig von meiner Veränderung habe ich vor einigen Jahren um ein Sabbatical angesucht und dieses im September angetreten. Seit Mitte September bin ich im Ausland unterwegs. Nach Australien kamen Myanmar, Vietnam und jetzt Kambodscha. Ich genieße es sehr, andere Länder, Kulturen und Leute kennenzulernen, auch wenn ich Familie, Freunde, Arbeitskollegen und auch schon den Schnee vermisse.

Hat sich im Verhalten der Mitmenschen Ihnen gegenüber im letzten Jahr etwas verändert?

Watzinger: Wenn meine Vergangenheit nicht bekannt ist, wie hier im Ausland, werde ich als Frau erkannt. Das wollte ich und ich bin sehr glücklich darüber.

Sie fühlen sich jetzt wohler – frei von unterdrückten Zwängen?

Watzinger: Ja, ich fühle mich sehr wohl und bin sehr glücklich.

Haben Sie Ihr Outing in den letzten zwölf Monaten jemals bereut?

Watzinger: Nur selten. Das letzte Mal am Flughafen in Kuala Lumpur in der langen Warteschlange vor der Damentoilette.