Randegg

Erstellt am 13. Februar 2018, 05:00

von Christian Eplinger

Grünes Licht für Breitband-Ausbau. Die Gemeinde Randegg errichtet um 2,5 Millionen Euro moderne Infrastruktur. Baustart ist für Sommer 2018 geplant.

Freuen sich über den Erfolg des Breitband-Projektes in Randegg, von links: Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger, Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger, Projektleiter Matthias Repper und Vizebürgermeister Josef Tatzreither.  |  Christian Eplinger

Eigentlich könnte man das Ergebnis fast an den strahlenden Gesichtern von Matthias Repper und Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger (ÖVP) ablesen. Die Marktgemeinde Randegg hat es geschafft und gibt grünes Licht für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur ab Sommer 2018.

355 der 635 Haushalte im gesamten Gemeindegebiet (55 Prozent) haben einen aktiven Antrag auf einen Breitbandausbau abgegeben. Weitere 72 Haushalte (11 Prozent) wollen zumindest die Breitbandinfrastruktur bis zur ihrer Grundgrenze gelegt bekommen.

„Das war wie im Casino. Wenn dich das Spielfeuer einmal gepackt hat, dann kannst du nur noch schwer loslassen.“Matthias Repper

„Wir wollten Vorreiter sein, auch wenn wir nicht zu den vom Land geförderten Pilotregionen gehören. Aber der Breitbandausbau ist schon seit einigen Jahren ein großes Ziel für uns in der Gemeinde – quer über alle Parteigrenzen hinweg. Denn alle notwendigen Beschlüsse erfolgten einstimmig. Jetzt sind wir stolz, dass wir alle gemeinsam dieses Ziel erreicht haben“, freut sich Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger und hebt dabei einen ganz besonders hervor: den 26-jährigen geschäftsführenden Gemeinderat Matthias Repper (ÖVP).

Der Student der Montanuniversität Leoben war der Initiator und die Triebfeder des Projekts und ist mittlerweile zum absoluten Breitband-Spezialisten geworden. „Dabei hat sich das eigentlich zufällig ergeben. Jugendliche haben mich erstmals 2013 in meiner Funktion als Jugendgemeinderat auf dieses Thema angesprochen. Das hat mich dann seitdem nicht mehr losgelassen. Es ist ein wenig wie eine Spielsucht im Casino gewesen. Je mehr ich darüber erfuhr und je mehr Steine uns in den Weg gelegt wurden, desto mehr wollte ich wissen und das Projekt unbedingt realisieren“, schildert Repper.

Und Steine gab es einige. Denn erste Versuche, den Breitbandausbau in Randegg mit bestehenden Infrastruktur- oder Telekommunikationsunternehmen zu forcieren oder in die Pilotregion Ybbstal, an die man mit einem Drittel der Gemeindegrenze angrenzt (Waidhofen/Ybbs, Ybbsitz), eingebunden zu werden, sind kläglich gescheitert.

„Früheste Ausbaumöglichkeit 2020 hieß es seitens der Landesgesellschaft nöGIG. Das war uns aber zu spät. Bestärkt haben uns auch unsere führenden Unternehmen wie Mosser oder Steinecker, die mit den derzeitigen Datenleitungen an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen sind. Daher haben wir als Gemeinde begonnen, den Selbstausbau vorzubereiten.“, erklärt Fuchsluger.

Und das für alle Haushalte im 52 Quadratkilometer umfassenden Gemeindegebiet. „Die Randegger Bevölkerung lebt je zur Hälfte im Siedlungsgebiet und in Streulagen. Wir wollten nicht die eine Hälfte im Regen stehen lassen. Daher war für uns von Beginn an klar: Wenn, dann müssen alle die Möglichkeit haben, vom schnellen Internet zu profitieren“, betont Repper.

„Der Vollausbau macht Randegg zum Pionier“

Dass dies das Projekt entsprechend verteuert hat und daher für Privatunternehmer nie in Frage kam, versteht sich. Denn während die Anschlussinfrastruktur im Siedlungsgebiet rund 1.000 Euro kostet, liegt man in den Streulagen bei 20 bis 30 Mal so hohen Kosten.

„Genau dieser vollflächige Ausbau, den die Gemeinde Randegg macht, hat Pioniercharakter für ganz Österreich und ist ein politisches Statement für den ländlichen Raum als modernen Lebensraum. Der Breitbandausbau gehört zur Infrastruktur so wie das Wasser-, Kanal-, Strom- oder Telefonnetz oder die Güterwege“, unterstreicht ÖVP-Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger, der als Eisenstraße-Obmann das Projekt von der Geburtsstunde an begleitet hat.

Nachdem die nötige Anzahl der Anträge in den letzten beiden Monaten gesammelt worden ist – alle Gemeinderäte haben dabei die Randegger Haushalte persönlich besucht –, geht es nun an die endgültige Unterzeichnung des Vertrages mit Netzbetreiber „Via Europe“ und der Ausschreibung der Bautätigkeiten.

Breitband Randegg; Foto: kirill_makarov/shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Die Netzinfrastruktur, sprich das gesamte Glasfaserleitungsnetz im Gemeindegebiet Randegg, gehört der Gemeinde. Diese vermietet es an einen neutralen Netzbetreiber – in diesem Fall „Via Europe“ – weiter und erhält dafür entsprechende Mieteinnahmen.

Die Endkunden wiederum können dann selbst unter den verschiedensten Providern wählen. Die Provider zahlen ihrerseits Gebühren an den Netzbetreiber. „Wer jetzt einen aktiven Antrag abgegeben hat, zahlt 200 Euro Anschlussgebühr. Später kostet diese 600 Euro“, erklärt Repper.

Die Herstellung der gesamten Breitband-Infrastruktur lässt sich die Marktgemeinde 2,5 Millionen Euro kosten, wobei ein Teil (rund 1 Million Euro) durch die vom Bund zugesicherte Breitbandmilliarde gefördert werden sollte. Den Restbetrag wird die Gemeinde über ein Darlehen finanzieren. „Wir rechnen mit einer Amortisationszeit von 30 Jahren bei einem Vollausbau“, weiß Repper.

Im Frühjahr 2019 die ersten 100 Anschlüsse

Im Sommer soll mit dem Breitbandausbau im ersten von 31 Baulosen im Gemeindegebiet begonnen werden. Das wird voraussichtlich im Marktzentrum Randegg passieren. „Hier haben wir bei der Erneuerung der Landesstraße schon eine Leerverrohrung mitverlegt, sodass es schnell gehen könnte und wir dann sternförmig von Randegg aus die weiteren Baulose in Angriff nehmen können. Die ersten 100 Anschlüsse sollten im Frühjahr 2019 ans Breitbandnetz gehen. Der Vollausbau wird bis 2022 oder 2023 dauern“, rechnet Repper vor.

Beim weiteren Ausbau will man natürlich auch Synergieeffekte bei diversen Grabungsarbeiten nutzen. So gibt es auch das Interesse von einzelnen Landwirten ans öffentliche Wasserleitungsnetz angeschlossen zu werden. „Hier sind wir bedacht, dass sich in Streulagen eigene Wassergenossenschaften bilden und wir dann sinnvolle gemeinsame Projekte erstellen können“, sagt Vizebürgermeister Josef Tatzreither (ÖVP).

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