Erstellt am 16. April 2018, 14:59

von Thomas Schindler

Erdgas: Grüne fürchten Fracking im Bezirk Gänserndorf. Öko-Partei glaubt, dass jüngste seismische Messungen zur umstrittenen Schiefergasgewinnung führen. Die OMV beruhigt.

Die Vibrationseinheit ist auf geländegängigen, allradgetriebenen Fahrzeugen montiert. Es werden Schwingungen der Reaktionsmasse über eine absenkbare Platte auf die Erdoberfläche übertragen.   |  OMV

Die Gänserndorfer Grünen schlagen Alarm. Grund: Sie befürchten, dass die jüngsten seismischen Messungen der OMV im Bezirk etwas mit der umstrittenen Schiefergasförderung (Fracking) zu tun haben könnten. Die OMV wiederum beruhigt: Man suche natürlich nicht nach Schiefergas, sondern nach gewöhnlichen Lagerstätten, wie man sie schon seit Jahrzehnten findet und fördert.

Grünen-Bezirkssprecherin Kainz: „Fracking ist krebserregend, erbgutschädigend und giftig.“  |  NOEN, Schindler

Der Reihe nach: Wie die NÖN berichtete, führte die OMV zuletzt großflächige seismische Messungen in der Region durch. „Das Bild der weißen Fahrzeuge, die in einer Reihe stehen, um Druck- und Schallwellen zu erzeugen, sind ja nichts Neues bei uns“, erklärt Grünen-Bezirkssprecherin Beate Kainz. „Genauso hat es auch vor ein paar Jahren ausgesehen. Etwas später folgte dann die bekanntlich sehr emotional geführte Schiefergas-Diskussion.“

Zur Erklärung: Um Schiefergas zu fördern, müssen unter anderem auch Chemikalien in den Boden eingebracht werden. Umweltschützer lehnen diese Art der Gasgewinnung, die Fracking genannt wird, natürlich kategorisch ab. Kainz: „Die bei dieser Methode eingesetzten Chemikalien werden von Umweltorganisationen als krebserregend, erbgutschädigend und giftig eingestuft.“

Grünen: „Die Anrainer sind natürlich besorgt“

Die Grüne weiter: „Besorgte Anrainer wollten jetzt von uns wissen, ob die neu entdeckten Erdgaslager mittels Fracking erschlossen werden sollen. Wir haben daher eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz an Bund und Land gestellt.“ Dass es sich bei den aktuellen Messungen tatsächlich um eine Suche nach Schiefergas handelt, wäre für die Öko-Partei nicht aus der Luft gegriffen: „Nachdem die OMV seit Jahrzehnten in dem jetzt wieder vermessenen Gebiet Erdöl und Erdgas gewonnen hat bzw. gewinnt, gehen wir davon aus, dass die leicht zugänglichen Lagerstätten bereits erschlossen wurden.“

OMV: „Fracking ist für uns kein Thema mehr“

Die NÖN wollte nicht auf die Antworten von Bund und Land warten und fragte gleich bei der OMV nach. Dort heißt es: „Wir haben keine Schiefergas- bzw. Schieferölprojekte und führen kein Fracking durch. Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung der konventionellen Lagerstätten in unseren Kernmärkten.“

Es gebe auch keinen Zusammenhang zwischen Seismik und Fracking. Letzteres sei für die OMV seit 2012 kein Thema mehr. Und bezüglich der jüngsten Messungen: „Seismik ist eine Methode zur Vermessung der Gesteinsschichten der Erde. Sie gibt Aufschluss über die geologische Formation des erfassten Gebiets.“ Damit die OMV die Versorgungssicherheit mit Erdgas auch in Zukunft nachhaltig gewährleisten kann, führte sie besagte Messungen durch.

„Diese dienen der Erforschung des geologischen Untergrundes bis in eine Tiefe von 4.000 bis 6.000 Metern und sollen Aufschluss über den Aufbau von möglichen erdgasführenden Strukturen geben.“ Die OMV abschließend: „Nach einer seismischen Messung erfolgt die Interpretation der Daten – das kann bis zu zwei Jahre dauern. Gibt es dann Indikatoren für einen Fund, muss geprüft werden, ob eine Förderung wirtschaftlich ist.“