Gänserndorf

Erstellt am 07. Februar 2018, 05:23

von Thomas Schindler

Hund tot: Frau sieht rot. Weil ein Boxer ihren Chihuahua „ermordet“ haben soll, macht Besitzerin des Schoßhündchens gegen die gegnerische Hundehalterin mobil. Polizei appelliert an Vernunft.

Fakt ist: Chihuahua Coco ist tot. Über den Grund des Ablebens streiten Cocos Besitzerin und die Halterin des gegnerischen Boxers.  |  Facebook

Aufregung vergangene Woche auf der Bahnstraße: Ein Boxer soll einen kleinen Chihuahua brutal zerfleischt haben. So schilderte die Besitzerin des Schoßhundes, Anna-Grace, den tragischen Vorfall auf ihrer Facebook-Seite. Bei der Polizei jedoch hat man das „Blutbad“ anders in Erinnerung. In Wirklichkeit soll der Boxer den Chihuahua nur am Bein gepackt haben, worauf dieser einen tödlichen Schock erlitt.

Coco war klein, süß und hilflos, schrieb die Besitzerin des 9-jährigen Chihuahua auf ihrer Facebook-Seite. Und weiter: „Er wurde Opfer einer abscheulichen Bestie. Ein Boxer namens Perro hat ihm den linken Brustkorb tödlich zerfleischt.“ Das Frauchen von Perro habe keinerlei Reue oder Mitleid gezeigt: „Der Boxer hat sich von der Leine losgerissen und meinen Chihuahua einfach ermordet.“

"Diese Frau und ihre Bestie haben unser Leben zur Hölle gemacht"

Die Boxer-Halterin habe lediglich gesagt, dass sie die Tierarztkosten übernehme. Anna-Grace: „Ernsthaft? Diese Frau und ihre Bestie haben unser Leben zur Hölle gemacht. Wir können nicht mehr schlafen und leiden unbeschreiblich unter unserem Verlust.“ Und abschließend: „Ich werde erst Ruhe geben, wenn dieses Monster eingeschläfert wurde. Es kann jeden Tag eine neue Familie erwischen, vielleicht auch kleine Kinder. Dieses Monster ist eine Gefahr für die Gesellschaft.“

Die Boxer-Besitzerin wiederum kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Ihr tue es natürlich leid, dass der Chihuahua tot ist, ihr Perro sei aber keinesfalls eine blutrünstige Bestie, sondern ein lieber und menschenfreundlicher Hund. Er habe Coco, der angeblich herzkrank war, auch nicht gebissen, sondern nur geschüttelt.

Sofort nach dem Vorfall wurden Stimmen laut, dass Perro ein stadtbekannter Problemhund sei, der schon mehrmals zugeschlagen habe – einmal soll er einen anderen Hund gebissen, ein anderes Mal nach dem Gesicht eines Kindes geschnappt haben.

"Die Variante der Boxer-Besitzerin stimmt"

Die NÖN wollte es nun genau wissen und fragte beim Gänserndorfer Bezirkspolizei-Kommando nach. Chefinspektor Gerald Reichl erklärte: „Die Variante der Boxer-Besitzerin stimmt. Bei diesem Unfall gab es keinen einzigen Tropfen Blut und keine offene Wunde.“ Reichl spricht bewusst von Unfall, weil es keinen Vorsatz gab: „Der Boxer hatte sich einfach losgerissen.“ Er sei auch nicht amtsbekannt. Von einem Problemhund könne also keine Rede sein.

Reichl: „Sicher ist das Ganze für die Chihuahua-Besitzerin tragisch und schmerzlich, aber sie sollte trotzdem vernünftig bleiben und nicht alle Hebel in Bewegung setzen, um die Boxer-Halterin schlechtzumachen.“ Diese werde in den sozialen Netzwerken bereits schikaniert.

Übrigens: Coco und Perro sollen einander schon länger gekannt haben. Ersterer hatte den Boxer immer wieder durch einen Gartenzaun angekeift. Diesmal war für den Chihuahua leider kein schützender Zaun dazwischen ...