Erstellt am 14. Februar 2018, 11:51

von Thomas Schindler

Ex-Stadtrat weiter in U-Haft. Weitere mögliche Missbrauchsopfer werden gesucht. Jetzt meldete sich eine betroffene Mutter bei der NÖN, die behauptet: „Der Mann sitzt unschuldig hinter Gittern.“

Der Marchfelder sitzt in der Justizanstalt Korneuburg in Untersuchungshaft. Eine betroffene Mutter ist von seiner Unschuld überzeugt.  |  NÖN

Jener VP-Stadtrat aus dem Marchfeld, der kürzlich wegen des Verdachts, einen 13-jährigen Burschen sexuell schwer missbraucht zu haben, festgenommen wurde, befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft.

Wie berichtet, wurde der Mann bereits aus der Partei ausgeschlossen und als Stadtrat in seiner Heimatgemeinde abgesetzt. „Die Polizei-Erhebungen gehen weiter“, erklärt Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, gegenüber der NÖN. Geprüft wird, ob es noch weitere mögliche Opfer gibt. Für den Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

Könnte es eigentlich sein, dass der Bursch gelogen hat und der Verhaftete unschuldig ist? Dazu Köhl: „Grundsätzlich nein. Es besteht nach wie vor der dringende Tatverdacht. Würde es diesen nicht geben, müssten und würden wir den Verdächtigen sofort enthaften.“

Belastende Momente stärker als entlastende

Staatsanwalt Friedrich Köhl: „Der Mann schweigt zu den Vorwürfen.“  |  NÖN

Zur Erklärung: Dringender Tatverdacht liegt dann vor, wenn nach der Vernehmung des Beschuldigten durch den Untersuchungsrichter die belastenden Momente stärker sind als die entlastenden. Es muss – ähnlich wie bei einer Bescheinigung – eine überwiegende Wahrscheinlichkeit vorliegen. Für den Marchfelder wird es also langsam eng. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft, sollte er verurteilt werden.

Zur Erinnerung: Beim Verdächtigen gingen jahrelang Kinder und Jugendliche ein und aus. Der Politiker argumentierte immer damit, dass er sich ehrenamtlich um Kids, die aus schwierigen häuslichen Verhältnissen stammen, kümmere. Dies bestätigt nun auch eine Mutter eines dieser Kinder. Sie meldete sich am Montag am NÖN-Telefon: „Der Stadtrat hat sich immer aufopfernd um meinen Sohn gekümmert. Er hat ihm bei den Hausaufgaben geholfen und ihn zum Fußballtraining gebracht.“

„Ich bin von seiner Unschuld überzeugt“

Für die Frau ist es völlig ausgeschlossen, dass der ehemalige Politiker irgendein Kind missbraucht haben soll: „Er ist ein herzensguter Mensch. Ich bin von seiner Unschuld überzeugt und will ihm mit meiner Aussage helfen.“ Sie appelliert auch an die anderen Mütter und Väter der Jugendlichen, die sich regelmäßig beim Beschuldigten aufhielten, den Marchfelder zu entlasten.

Aber warum wurden dann diese Anschuldigungen erhoben? „Der Bursch, der ihn anzeigte, lügt sehr viel. Einem Freund stahl er einmal die Bankomatkarte und plünderte dessen Konto. Er soll auch schon von der Schule geflogen sein.“ Der 13-Jährige sei also alles andere als glaubwürdig: „Seine Eltern sollen sehr arm sein. Vielleicht wollen sich die nur Schmerzensgeld ergaunern.“