Gänserndorf

Erstellt am 10. Februar 2018, 05:15

von Thomas Schindler

Amrita Enzinger: "Sitze auf der Ersatzbank “. Noch-Grünen-Abgeordnete Amrita Enzinger lässt ihre politische Karriere im NÖN-Gespräch Revue passieren. Jetzt muss sie sich einen neuen Job suchen.

Amrita Enzinger, sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern, versucht nun, beruflich bei einer Umweltorganisation Fuß zu fassen.  |  Schindler

Amrita Enzinger trägt ihr Ausscheiden aus dem NÖ Landtag mit Fassung. Während des NÖN-Interviews kommen der 50-jährigen Aderklaaerin dann aber doch kurz die Tränen: „Der Kontakt zu den Menschen wird mir fehlen.“ Ein Funken Hoffnung bleibt für die Grüne noch: Sollte einer der drei vor ihr gereihten Kandidaten aus irgendeinem Grund dem Landesparlament den Rücken kehren, würde sie als Viertplatzierte nachrücken: „Im Moment sitze ich nur auf der Ersatzbank.“

Das Licht der Welt erblickte Enzinger am 5. Oktober 1967 im steirischen Knittelfeld. Nach Volks- und Hauptschule schloss sie die Handelsakademie mit Matura und 2007 das Studium Umweltmanagement mit dem Titel Master ab. Dazwischen lebte sie einige Zeit in Italien, England und in der Türkei, wo sie an einem Umweltprojekt für Meeresschildkröten mitarbeitete.

Ihre Liebe zu Tieren entwickelte Enzinger schon als Kind: „Damals hatte ich Schnecken, Raupen, Eidechsen und Mäuse gezüchtet.“ Als Jugendliche verfiel sie dem Sport, genauer dem Volleyball und dem Reiten. Vor ihrem Einstieg in die Politik hatte sie zahlreiche Jobs, vor allem in Büros, zum Beispiel bei der Firma ÖAF (Österreichische Automobil Fabriks-AG) oder dem Kuratorium für Verkehrssicherheit.

"Ein Bürojob ist nichts für mich"

1999 begann Enzinger, sich bei den Grünen in Deutsch-Wagram zu engagieren und zog 2002 in den Gemeinderat ein. Von 2005 bis 2008 war sie sogar Stadträtin und Vizebürgermeisterin sowie Mitglied des Landesvorstandes ihrer Partei. 2008 zog sie schließlich in den NÖ Landtag ein. Enzinger war auch von 2003 bis 2005 bzw. dann wieder ab dem Jahr 2010 Grünen-Bezirkschefin. Letztere Funktion legte sie am Tag nach der Landtagswahl zurück, Abgeordnete bleibt sie bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Landesparlaments am 22. März.

„Jetzt muss ich mir jetzt auf jeden Fall einen neuen Job suchen. Ich war immer ein proaktiver Mensch und warte nicht, dass sich irgendetwas ergibt.“ Als studierte Umweltmanagerin will Enzinger versuchen, bei einer Umweltorganisation unterzukommen: „Mich zieht es ins Freie, in die Natur. Ein Bürojob ist nichts für mich.“

Ist die Politik für sie nun kein Thema mehr? „Vorerst nicht. Man muss auch nicht unbedingt in einem politischen Gremium sitzen, um sich für grüne Themen stark zu machen.“ Sie sei auch nicht frustriert: „Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich. So ist es im Leben.“

"Und sehr hartnäckig war ich..."

Was waren Enzingers politische Erfolge? „Auf der einen Seite natürlich jene, die ich als Vizebürgermeisterin in Deutsch-Wagram umsetzen konnte, z. B. die Einführung der Streetworker oder die Errichtung des ersten Kindergartens in Passivbauweise. Jetzt ist das Standard, damals waren wir Vorreiter.“

Und was waren ihre Erfolge auf Bezirksebene? „Die Verhinderung des Marchfeldkogels, des Frackings von Schiefergas und des Baus eines Basaltfaserwerks. Nicht vergessen darf man natürlich auch unseren Kampf gegen die Schnellstraßen S1 und S8 und für den Ausbau der Öffis.“

Wie würde sich Enzinger selbst als Politikerin beschreiben? „Ich war nie streitlustig oder gehässig, sondern immer wertschätzend den politischen Mitbewerbern gegenüber. Und sehr hartnäckig war ich ...“