Baumgarten

Erstellt am 10. Januar 2018, 06:00

von Thomas Schindler

Gasstation: Keine Angst vor Terror. Der Geschäftsführer der Gas Connect erklärt, warum ein Anschlag in Baumgarten praktisch unmöglich ist.

21 Verletzte und ein Toter: Bilanz der Gasexplosion in Baumgarten (Bezirk Gänserndorf). Eine gelöste Verschlusskappe war die Ursache. Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen sich aber auch gegen die latente Terrorgefahr wappnen. Übungen sind hier ein wichtiger Schritt.  |  Gas Connect

Nach der verheerenden Explosion am 12. Dezember in der Gasstation Baumgarten, bei der ein Mann starb und 21 Menschen verletzt wurden (die NÖN berichtete), stellen sich immer wieder Bürger die Frage: Wie sicher ist die Anlage eigentlich bei einem Terroranschlag? Die NÖN sprach mit dem Hausherrn der Gasstation, Stefan Wagenhofer, Geschäftsführer der Gas Connect Austria GmbH.

NÖN: Muss man Angst haben, dass ein Terrorist die gesamte Gasstation in Baumgarten in die Luft sprengt und dadurch das Gasnetz in halb Europa lahmlegt?

Wagenhofer: Nein, da kann ich alle beruhigen. So etwas ist praktisch unmöglich. Dies zeigte auch der Unfall im vergangenen Dezember. Damals explodierte bzw. brannte ein kleiner Bereich der Anlage in Baumgarten. Alle anderen Teile der Station blieben unbeschädigt. Und 12 Stunden nach dem tragischen Vorfall waren wir wieder in Vollbetrieb.

Heißt dies, dass es zu keiner Kettenreaktion kommen kann, bei der eine Anlage nach der anderen in die Luft fliegt und die Gasleitung bis nach Wien oder noch weiter brennt?

Wagenhofer: So ist es. Die einzelnen Anlagen sind voneinander relativ weit entfernt und großteils unterirdisch. Die können sich nicht gegenseitig entzünden. Die Gasleitungen wiederum, die zu anderen Städten führen, können auch nicht zu brennen beginnen, weil es dazwischen überall Sicherheitsschotten gibt, die im Notfall sofort dicht machen würden.

Es hält sich das Gerücht, dass man – und somit auch ein möglicher Terrorist – problemlos mit dem Auto auf das Gelände in Baumgarten kommt. Stimmt das?

Wagenhofer: Natürlich nicht. Das Areal ist mit einer Mauer umrundet, darüber befinden sich ein Stacheldrahtzaun und zahlreiche Überwachungskameras. Ohne vorherige Anmeldung und einen speziellen Einfahrtsschein bleibt das Tor zu – da kommt niemand rein, der nicht erwünscht ist.

Eine Verschlusskappe, die sich gelöst hatte, führte im Dezember zum Unglück. Gibt es da einen Schuldigen bzw. wird dieser zur Verantwortung gezogen?

Wagenhofer: Da ermittelt noch die Staatsanwaltschaft. Grundsätzlich ist bei uns jedes Teil mehrfach abgesichert. Das heißt, streikt eine Sicherung, greift die nächste, dann die übernächste etc. Auch für uns ist es eigentlich unglaublich, dass so etwas überhaupt passieren konnte. Es muss eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände gewesen sein. In den letzten 50 Jahren gab es diesbezüglich auch nie ein Problem.

Können solche Katastrophen eigentlich simuliert bzw. geübt werden?

Wagenhofer: Auf jeden Fall, das werden sie auch. Wir trainieren regelmäßig mit Bundesheer, Feuerwehr, Polizei, Rettung und Spezialfirmen alle möglichen Szenarien – dazu gehören unter anderem Terror, Hochwasser, Blackout und Pandemien. Beim Unfall im Dezember sah man auch, wie perfekt die Rettungskette funktionierte.