Heidenreichstein

Erstellt am 13. Januar 2018, 04:03

von Markus Lohninger

Die Burgstadt hat viel vor. MKE-Verkauf und etliche Bauprojekte: Ausblick auf wesentliche Veränderungen & Rückblick auf kuriosen „Todesfall“ in Heidenreichstein bei Neujahrsempfang.

„Prosit Neujahr“ hieß es in Heidenreichstein auch für eine stattliche Schar an Ehrengästen.  |  M. Lohninger

Für Heidenreichstein beginnt das neue Jahr mit einer zumindest formell kräftigen Veränderung: Mit der Firma MKE geht diese Woche der größte Betrieb der Stadt in Schweizer Eigentum über, weil Haas-Waffelmaschinen als MKE- Muttergesellschaft wie berichtet an die Bühler-Gruppe im Kanton St. Gallen verkauft wurde.

Sorgen müsse man sich um den Metall- und Kunststoffverarbeitungs-Spezialisten mit 210 Beschäftigten im Reich des 11.000-Mitarbeiter-Technologiekonzerns nicht, sagte Geschäftsführer Erwin Poinstingl beim Neujahrsempfang der Stadtgemeinde am 7. Jänner im Volksheim. „Auch Bühler braucht dringend einen herausragenden Fertiger, das sind wir“, sagte er. Er sieht daher „sehr gute Chancen“, zumal man bei sehr hoher Auftragslage ins Jahr starte.

„Dann habe ich zuerst studiert und nebenbei Radio gemacht, bis es irgendwann umgekehrt war.“ Bernhard Walther über seinen Start als Ö3-Verkehrsredakteur

Auch außerhalb des MKE-Werksgeländes steht der Burgstadt ein ereignisreiches Jahr bevor. SPÖ-Bürgermeister Gerhard Kirchmaier zählte beim Empfang – umrahmt vom Blechbläserensemble der Musikschule – gleich eine Reihe an anstehenden Projekten im jungen Jahr 2018 auf. Unter anderem stehen wie berichtet der barrierefreie Neubau der Tagesstätte Zuversicht, Investitionen in den Hochwasserschutz oder die Sanierung des Kirchenplatzes an. Für Letzteres läuft die Vorbereitung, wie Kirchmaier für die NÖN präzisierte, bereits: Als erste Etappe sei für Sommer die Sanierung der hoch desolaten Fahrbahn inklusive Nebenanlagen rund um die Pfarrkirche geplant, „die konkrete Ausführung ist derzeit aber noch offen“.

In den nächsten Tagen fällt der Startschuss zu einer weiteren Baumaßnahme – die Bibliothek wird in die ehemalige Musikschule übersiedelt, um Platz für neue Ordinations-Räumlichkeiten von Allgemeinmediziner Clemens Binder zu schaffen. Die Umbauarbeiten sollen, so Kirchmaier zur NÖN, ab März starten. Dabei sollen die Stadt die Außenarbeiten und der Mediziner den Innenausbau übernehmen, eine Rampe besteht bereits.

Sterbefälle haben Urnenhain prompt gefüllt

Voranschreiten soll zudem der Umbau des Gebäudes Stadtplatz 1, das wie berichtet immer mehr Funktionen des Stadtamtes übernimmt. Im Sommer soll ein Aufzug eingebaut werden, der auch dem Polizei-Posten zugutekommen wird.

Die 2017 um fast die Hälfte in die Höhe geschnellte Zahl der Sterbefälle hat indes den eben erst errichteten Urnenhain prompt gefüllt. Also muss auch hier ausgebaut werden. Kirchmaier: „Da das Fundament im Vorjahr mitgemacht wurde, kann nun darauf aufgebaut werden.“ Ziel sei es, bereits im Frühjahr 15 weitere Urnennischen zu schaffen.

Weil in der Stadt nicht nur gestorben, sondern auch gelebt wird, holte Moderator Martin Hetzendorfer beim Neujahrsempfang einige Persönlichkeiten auf die Bühne, die über ihr Leben zu erzählen hatten.

"Habe zuerst studiert und nebenbei Radio gemacht"

Interessiert lauschten die Gäste den Ausführungen von Bernhard Walther. Er ist einer, der auch mal die Nummer eins der Ö3-Hitparade unterbrechen darf – wenn gerade ein Geisterfahrer auf Achse ist. Als Statistik-Student habe er sich, so Walther, vor 25 Jahren mit einer Verkehrsfunk-Durchsage auf Tonband bei Ö3 beworben: „Dann habe ich zuerst studiert und nebenbei Radio gemacht, bis es irgendwann umgekehrt war.“ Heute hat er als stellvertretender Chef der Verkehrsredaktion „Ö3ver“ am Telefon, diverse Autobahn-Kameras im Visier oder einen Hubi in der Luft, um über Unfälle, Staus oder eben Geisterfahrer informieren zu können.

Erwin Poinstingl plauderte danach über MKE im Allgemeinen, Alfred Uitz über die Lehrlingserfolge bei MKE im Speziellen.

Die 2017 pensionierten Praktischen Ärzte Fritz Obenaus und Gustav Zimmermann erzählten, wie sie einst Heidenreichsteiner geworden waren. Und Obenaus brachte am 35. Hochzeitstag mit seiner Gattin Maria die Episode über einen kuriosen Außeneinsatz: Die Polizei habe ihn zu einem Todesfall im Wald gerufen. Dort habe er schließlich einen recht lebendig wirkenden Schädel in der Hand gehalten. „Als ich ihn umdrehte, war da ‚Made in China‘ zu lesen“, schmunzelte er. Die Frage, an wen er nun seine Rechnung schicken solle, habe seine Maria beantwortet: „Tu dir nix an, Fritz. Des machst gratis, weil es eh umsonst war.“

„Nur unser Miteinander garantiert das Gelingen“

Obenaus und Zimmermann wurden von Kirchmaier und Vizebürgermeisterin Margit Weikartschläger (ÖVP) mit Dankesworten & Urkunde verabschiedet. Ehe der Stadtchef die Anwesenden zu dem von Schülern und Elternverein der Mittelschule angerichteten Buffet bat, dankte er den Ehrenamtlichen in allen Initiativen der Gemeinde und gab das Motto für die kommenden zwölf Monate aus: „Nur unser Miteinander garantiert das Gelingen!“