Amstetten , Haag , Seitenstetten , Neuhofen an der Ybbs , Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 17. April 2018, 03:46

von Hermann Knapp

Gastro-Personalmangel: „Wir machen Leute glücklich“. Koch und Kellnerberuf hat noch ein Imageproblem. „Völlig zu unrecht“, sagen die Gastronomen.

Symbolbild  |  StockLite/Shutterstock.com

Albin Havel vom Haubenlokal Mitter in Haag hat Sorgen. „Zwei meiner Köche hören auf. Einer von ihnen wechselt zu einer Fernsehkochshow und da will ich ihm natürlich nichts in den Weg legen. Es ist aber leider sehr schwer, Ersatz zu finden“, sagt der Gastronom.

Das Berufsbild des Koches, aber auch des Service-Personals im Gastgewerbe, habe leider noch immer ein schlechtes Image – nicht zuletzt wegen der Wochenendarbeit. „Aber die gibt es in vielen anderen Berufen auch, von der Krankenschwester über den Polizisten bis hin zum Lokführer“, erinnert Havel.

„Ich denke, man muss den Leuten bewusst machen, was für ein schöner Beruf das eigentlich ist“Melitta Ott, Bezirkswirtesprecherin

Eine 40-Stunden-Woche sei in der Gastronomie ohnehin schon Selbstverständlichkeit und er erfülle jedem Mitarbeiter, so weit wie möglich, dessen Wünsche – auch die freien Tage betreffend. „Dennoch ist kaum qualifiziertes Personal zu bekommen. Wenn mir zwei Köche ausfallen, dann ist das für mich fast existenzbedrohend. An Feiertagen kochen wir 70 bis 80 Mittagessen. Ohne genügend Personal geht das nicht, ich brauche aber den Umsatz, um mein Lokal zu erhalten“, sagt Havel.

An der Bezahlung kann es seiner Meinung nach nicht liegen. Denn diese sei im Gastgewerbe inzwischen durchaus auf einem guten Niveau angekommen. Bei ihm bekomme ein ausgelernter Koch zum Einstieg 1.800 Euro netto. „Mit den hohen Gehältern, die die Metallindustrie in der Region bietet, können wir aber natürlich nicht mithalten. Das ist auch ein Problem, weil viele junge Leute eher so einen Beruf ergreifen“, sagt der Haager Gastwirt.

Bezirkswirtesprecherin Melitta Ott vom Mostviertelwirt in Seitenstetten bestätigt, dass es schwer ist, Personal zu finden. „Ich denke, man muss den Leuten bewusst machen, was für ein schöner Beruf das eigentlich ist. Denn wir machen Menschen glücklich. Wenn sie zu uns kommen und gut essen, oder wenn sie heiraten und ein schönes Fest haben, dann sind sie glücklich und dann sind wir es auch – der Koch, die Kellnerin und die Wirtin. Man bekommt ja auch Anerkennung von den Gästen, bestenfalls sogar in Form von Trinkgeld“, sagt Ott. Zudem bekomme das Personal bei den Wirten das Essen und Trinken umsonst. „Das muss man beim Gehalt eigentlich noch dazurechnen.“

Die Wirtesprecherin nimmt aber auch das Arbeitsmarktservice in die Pflicht. Ziel müsse es sein, die Leute von der Mindestsicherung weg und wieder in einen Beruf zu bringen. „Da brauchen wir ein Umdenken. In der Gastronomie gibt es genügend freie Stellen. Wer arbeiten will, der kann das auch.“

„Wir würden jedes Jahr acht Lehrlinge aufnehmen. Es gelingt uns aber schon lange nicht mehr, so viele zu bekommen.“Hannes Scheiblauer

Die Gastronomie leide, so Ott, nach wie vor an einem Imageproblem, „obwohl bei uns sicher kein Mitarbeiter ausgebeutet wird. Es gibt klare Rechte und Pflichten. Unser Beruf ist einer der Schönsten, die es gibt. Das ist es, was wir den Leuten immer wieder sagen müssen.“

„Eine Lehre in der Gastronomie bietet unglaubliche Berufschancen“, sagt Hannes Scheiblauer.  |  NOEN, NÖN

Hannes Scheiblauer, der das RelaxResort Kothmühle in Neuhofen und das Schloss an der Eisenstraße in Waidhofen betreibt, ist längst dazu übergegangen, sich sein Personal selbst auszubilden. Aber auch das ist gar nicht so einfach. „Wir würden gerne jedes Jahr acht Lehrlinge aufnehmen, vier in der Kothmühle und vier im Schloss. Es gelingt uns aber leider schon seit Jahren nicht mehr, die Jahrgänge voll zu bekommen.“

Am Markt selber qualifiziertes Personal zu finden, sei noch viel schwieriger. Und die Politik mache es den Wirten auch nicht einfacher. „Wir hatten einen Flüchtling als Kochlehrling. Doch der bekam dann kein Asyl und wurde abgeschoben. Ich würde mir wünschen, dass man vonseiten der Politik auch berücksichtigt, ob sich jemand integrieren und arbeiten will, oder nicht.“ Natürlich hat Scheiblauer seitdem keinen Asylwerber mehr genommen, um nicht unnötig Zeit und Geld zu investieren.

Der Unternehmer weist auch darauf hin, dass die Hotelerie und Gastronomie in den letzten 20 Jahren extrem gewachsen sei. „Wir haben in diesem Bereich um rund 47 Prozent mehr Arbeitsplätze, das ist auch mit ein Grund für unseren Personalmangel. In der Industrie wurde rationalisiert und es wurden Stellen abgebaut. Unsere Tätigkeit ist personalintensiv, da geht das nicht.“

Grundsätzliches Problem mit Lehre

Die Arbeitszeit und die Bezahlung halten nach Meinung Scheiblauers die Leute nicht davon ab, in die Gastronomie zu gehen. „Ich glaube eher, dass wir grundsätzlich ein Problem mit der Lehre haben. Obwohl es viele Initiativen gibt, wie die Bildungsmeile und Karriere mit Lehre, haben viele Eltern noch immer eine Präferenz für die Mittelschule. Tatsache ist aber: Die Lehre bietet auch in unserer Branche unglaubliche Berufschancen, die man aber oft nicht sehen will. Wenn es uns gelingen würde, diese Einsicht in der Gesellschaft zu verankern, dann würde uns das am meisten helfen!“

Es gelte, so Scheiblauer, aber auch, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Mitarbeiter bis zum Ruhestand im Gastgewerbe zu halten. Derzeit gäbe es Aussteigewellen bei 26 und 33 Jahren.

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