Erstellt am 18. November 2017, 05:43

von Hans Kopitz

Ein Steinbock aus Tadschikistan. Auf ein Erlebnis kann die 22-jährige Sophie Mutenthaler seit Kurzem zurückblicken, von dem alteingesessene Waidmänner schon immer geträumt haben – und das man wahrscheinlich nur einmal im Leben hat.

Sophie Mutenthaler (rechts) mit „ihrem“ Steinbock, der den Dorfeinwohnern ein gesundes Stück Fleisch brachte, und den Rangern.  |  NOEN

Ein kurzer Rückblick: Sophie, die regelmäßig die aktuellen Beiträge in „Jagd und Natur TV“ verfolgt, hat sich - wie die NÖN heuer im Juni berichtete - bei der Wahl zur „Jägerin des Jahres“ beworben, die als junges, frisches Gesicht die Jäger im deutschsprachigen Raum vertreten, die Öffentlichkeit für die Jagd sensibilisieren und das alte Bild der Jägerei etwas zurückdrängen soll. Und dort schaffte sie es als eine von 24 Jägerinnen aus Deutschland und Österreich ins Finale.

Die Finalistinnen wurden nach Wien eingeladen, wo ein umfangreiches Programm unter den Augen einer strengen Jury auf sie wartete. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bis schließlich die Siegerin feststand. Sophie war es nicht, es gewann eine Jägerin aus Niederfladnitz, aber sie hat dort bei der „Galanacht der Jagd“ den Abschuss eines Steinbocks in Tadschikistan gewonnen. Und den Gewinn hat sie nun eingelöst.

Flug: sieben Stunden  - Auto: zwölf Stunden

„Mit gemischten Gefühlen, was mich wohl als Jungjägerin erwarten würde, machte ich mich voller Ehrgeiz und Tatendrang auf die 13-tägige Reise nach Tadschikistan – ein Land mit rund sieben Millionen Einwohnern im atemberaubenden Pamir-Gebirge –, umgeben von den Nachbarländern Afghanistan, Usbekistan und China“, erzählt die Getzersdorferin, die nach einem siebenstündigen Flug und zwölfstündiger Autofahrt im Dorf Ravmed auf 2.700 Höhenmetern mit ihren Jagdkollegen herzlich begrüßt wurde.

„Ich habe einem 350-Seelen-Dorf das Leben wieder ein Stück leichter gemacht.“ Sophie Mutenthaler

„Nach einigen Probeschüssen, um meine Büchse zu kontrollieren, war die Vorfreude auf die nächsten Jagdtage natürlich riesig. Die Unterkunft war traditionell tadschikisch bei einer sehr herzlichen Familie. Ich hatte drei Tage in den Bergen im Zelt übernachtet, habe viele Höhenmeter hinter mich gebracht, hatte Pech mit dem Wetter, aber das Glück, mit sehr traditionellen Jägern diesen Weg zu bestreiten, und konnte so am achten Jagdtag auf 4400 Meter Höhe einen Steinbock erlegen“, schildert Sophie Mutenthaler.

Sie betont, dass sie überaus dankbar ist, diese atemberaubende Landschaft gesehen haben zu dürfen, die Menschen und die Kultur näher kennengelernt zu haben und diese anstrengende, aber so faszinierende und wunderschöne Jagd erlebt haben zu können.

„Natürlich freut es mich umso mehr, zu wissen, dass ich mit dieser Jagd nicht dem Vorbild der alt eingesessenen Trophäenjäger nachgegangen bin, sondern vielmehr einem 350-Seelen-Dorf das Leben wieder ein Stück leichter gemacht habe“, erklärt die passionierte Jägerin.

Sophie Mutenthaler betont: „Ich bin keine Trophäen-Jägerin.“

Nur so erhielten die Ranger, die als Jäger engagiert sind, einerseits die Bestätigung, dass ihre Arbeit und ihr Bemühen um die Erhaltung der Biodiversität in den verschiedenen Habitaten nicht nur zum Schutz von selten Wildtierarten wie dem Schneeleoparden oder dem Markhor dienen, sondern andererseits sie sich auch die Reparatur ihres Wasserkraftwerkes oder Kohle zum Heizen im Winter leisten könnten. Mutenthaler: „Außerdem haben sie durch die Jagd ein hochwertiges und gesundes Stück Fleisch, das sie sehr zu schätzen wissen.“

„Kurz zusammengefasst: ,Man muss reisen, um zu lernen‘. Diesem Zitat von Mark Twain kann ich nur zustimmen, man reist in ein Land, das wirtschaftlich noch Jahrzehnte hinter Österreich liegt, in dem jedoch die Menschen für das, was sie haben, dankbar sind“, weiß Mutenthaler.

Sie konnte viele Eindrücke auf dieser Reise sammeln und sehr viel auf ihren weiteren Lebensweg mitnehmen. Dadurch ist ihr wieder bewusst geworden, wie essenziell nachhaltige Jagd ist.

Mutenthaler abschließend: „So kann ich alle nur dazu ermutigen, öfter auf die kleinen Dinge des Lebens zu achten, auf die Natur und die Wildtiere vor allem jetzt vor und in den Wintermonaten Rücksicht zu nehmen, ihre Grenzen zu respektieren und offen sowie tolerant mit dem Thema Jagd umzugehen.“