Hollabrunn

Erstellt am 04. Januar 2018, 05:25

von Sandra Frank

Jede Stimme zählt: Parteien laufen für Landtagswahl. Leistbares Wohnen und die Verbesserung der Infrastruktur sind Themen, die die Parteien im Bezirk beschäftigen.

„Die Leute glauben, dass die Wahl noch ewig weit weg ist“, stellt Landtagsabgeordneter Richard Hogl fest. Doch sie stehen vor der Tür – und damit der intensive Wahlkampf. „Wir müssen laufen und die Menschen überzeugen“, weiß der VP-Spitzenkandidat, was bis 28. Jänner zu tun ist. Die Ausgangslage für seine Partei beschreibt er als „gut bis sehr gut“.

Sommer: „So stark wie möglich werden“

Michael Sommer, der die FPÖ-Bezirksliste anführt, blickt ebenfalls positiv auf die Wahl. „Wir werden den Rückenwind von der Nationalratswahl, bei der wir in Hollabrunn mit 25 Prozent unser bisher bestes Ergebnis eingefahren haben, nutzen“, prophezeit der 21-Jährige.

Sein persönliches Ziel? „So stark wie möglich werden.“ Das Bezirksergebnis von 7 Prozent will er verdoppeln. Dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass er mit Platz 22 auf der Landesliste ein Mandat schaffen werde, ist Sommer bewusst. Aber: „Ich will zeigen, dass es Alternativen gibt. Dass es junge Menschen gibt, die etwas bewegen, etwas verändern wollen.“

„Bei der Landtagswahl zählt für uns jetzt jede Stimme“, sagt Georg Ecker. Auf Rückenwind von der letzten Wahl kann sich der Spitzenkandidat der Grünen nicht verlassen. „Ich habe aber wahrgenommen, dass viele – auch Personen, die nicht Grün wählen – bestürzt waren über unser Aus im Nationalrat.“ Ohne die Grünen gäbe es niemanden im Landtag, der für das konsequente Aufdecken von Missständen, „Stichwort Erwin Pröll-Privatstiftung“, eintrete. Die Kontrollfunktion der Grünen werde wieder bitter nötig sein, „da uns laut Umfragen erneut eine absolute Mehrheit der ÖVP erwartet“.

„Schikanöses Gesetz war ein Glück“

„Die NEOS kommen gut an“, meint Ulrike Vojtisek-Stuntner. Das habe sich beim Sammeln der Unterstützungserklärungen gezeigt. „Es war ja geradezu ein Glück, dass aufgrund dieses schikanösen Landesgesetzes für die Kandidatur sehr intensiv der direkte Kontakt zum Bürger gesucht wurde.“ Sie habe, wie der zweite Kandidat auf der NEOS-Liste, Stefan Schöllauf aus Haugsdorf, die Erfahrung gemacht, „dass sich die Menschen über eine starke, schlagkräftige Opposition sehr freuen“.

Für die Sozialdemokraten sei die Lage im Bezirk herausfordernd, sagt Richard Pregler. Eine Herausforderung, die er mit seinem neuen Team meistern will. Der Volksschullehrer will die Themen, die die Bürger im Bezirk beschäftigen in die politischen Gremien einbringen, um Verbesserungen zu erreichen. „Je stärker uns die Wähler machen, desto besser können wir das tun“, appelliert Pregler. „Im Moment sind wir Sozialdemokraten aus dem Bezirk Hollabrunn leider noch nicht im NÖ Landtag vertreten.“

Eine zweite Meinung aus dem Bezirk würden die Bürger aber sicher gut brauchen. Im Wahlkampf soll es um die Menschen gehen. „Etwa um leistbares Wohnen hier bei uns“, nennt Pregler ein Beispiel. Dieses Thema wird auch für Sommer eine zentrale Rolle spielen: „Wohnen um 500 Euro sollte bei uns möglich sein.“

Bahn und Bus als großes Thema der Grünen

Ein Thema, das allen aktuell im Landtag vertretenen Parteien wichtig ist, ist der (öffentliche) Verkehr. Sicheres Pendeln auf Straße und Schiene wollen die Roten forcieren. Sommer findet, dass die Weinviertler Schnellstraße S 3 bis zur Grenze ausgebaut werden sollte. Der Ausbau bis nach Guntersdorf sei kein Grund zum Freudentaumel: „Die ÖVP hatte in den letzten Jahrzehnten die Mehrheit. Sich nur beim Spatenstich abfeiern zu lassen, ist zu wenig ...“

Die Bahnverbindungen sollten vor allem am Abend und am Wochenende ausgebaut werden, findet Sommer weiters. „Als Student oder Pendler wirst du ja gerade dazu gezwungen, nach Wien zu ziehen“, spricht er die mangelnden Verbindungen speziell am Abend an. Für ihn muss es nicht sofort ein zweigleisiger Ausbau der Nordwestbahn sein, wie ihn die Grünen nun wieder fordern. „Engere Takte, vor allem am Abend, wären schon eine Erleichterung.“

Öffentlicher Verkehr ist freilich auch großes Thema der Grünen. „Der Ausbau steht ganz oben auf der Liste“, nickt Ecker. Die Nordwestbahn, aber auch die Franz-Josefs-Bahn und viele Buslinien müssten besser befahren werden. Den Einwand der ÖVP, das koste zu viel, will er nicht gelten lassen. „Bei Lobautunnel, dritter Piste und Waldviertelautobahn scheint genug Geld vorhanden zu sein.“

Die Forderung der Grünen nach einem zweiten Gleis zwischen Hollabrunn und Stockerau bezeichnet Richard Hogl zwar als „Wunsch ans Christkind“, aber „an Verbesserungen bleiben wir natürlich weiter dran“. Für den VP-Bezirkschef ist es aber auch wichtig, die Anbindung des Bezirks an St. Pölten voranzutreiben. Eine Umfahrung für Hohenwarth ist ein Ziel, das er ebenfalls verfolgt.

„Dass die Verbindung zwischen den Gemeinden und dem Land weiterhin so gut funktioniert“, ist dem Landtagsabgeordneten ein wichtiges Anliegen. Durch diese entsprechende Unterstützung können viele Dinge umgesetzte werden. „Auch wenn es manchmal nur Kleinigkeiten sind, sind sie trotzdem wichtig.“ Das erklärte Ziel des Abgeordneten am 28. Jänner? „Ein Plus schreiben.“

Vojtisek: Bei „Spendierhosenmentalität“ dagegenhalten

Ecker wünscht sich für den Bezirk ein modernes Öffi-Netz, das mit dem 365-Euro-Ticket um einen Euro pro Tag in ganz Niederösterreich günstig genutzt werden kann. Was dem Hollabrunner noch wichtig ist: „Für ein Umdenken bei der Digitalisierung zu sorgen.“ Ohne leistungsfähiges Breitband-Internet sei es schwer möglich, in der Region neue Jobs zu schaffen. „Wir müssen jungen Talenten, die bei uns - etwa in der HTL Hollabrunn - ausgebildet werden, auch in der Region Angebote machen können“, ist Ecker überzeugt.

Den Schuldenberg auf allen Ebenen wollen die NEOS ansprechen. Geld sei in „Gießkannen-Manier“ hinausgeschossen worden. Jetzt fehlen die Mittel für wichtige Projekte. Hier nennt die NEOS-Mandatarin ein Beispiel aus ihrer Gemeinde: Die millionenschwere Sanierung einer Neuen Mittelschule im Schulsprengel stehe an, auch das Feuerwehrhaus in Maissau platze aus allen Nähten.

„Das Geld wurde für alle möglichen Förderungen und völlig überteuerte Projekte - und auf Druck von diversen ÖVP-Bünden - hinausgeschossen. An dieser Budget-Misere sind ausschließlich ÖVP und SPÖ schuld“, meint die Maissauerin. Darum ist sie der Meinung, dass das Land die NEOS brauche, „damit sich endlich etwas zum Guten verändern kann“.

Vojtisek-Stuntner verfolgt das Ziel, „bei der derzeit herrschenden Spendierhosenmentalität“ dagegenzuhalten. Transparenz und Einbindung der Bürger nennt die Maissauerin als weitere wichtige Ziele. „Beispiele sind hier stille Umwidmungen, um Windkraftanlagen oder Mastbetriebe in der Umgebung von Anwohnern hochziehen zu können.“