Hollabrunn

Erstellt am 13. September 2017, 05:40

von Christoph Reiterer

Hollabrunn: Schwere Verluste für viele Erdäpfel-Bauern. Kartoffelverarbeiter Lamb Weston/Meijer hatte vorgesorgt, arbeitet aber auch schon an Lösungen für die Zukunft.

Die Maschinen laufen. Lamb Weston/Meijer, einer der größten Arbeitgeber in der Region, hat heuer mehr Erdäpfel kontrahiert als in den Vorjahren.  |  LWM

Spätfroste und die Trockenheit bescheren heuer eine unterschiedliche, jedoch für das Weinviertel sehr schlechte Kartoffelernte. „Die rund 200 Weinviertler Erdäpfel-Bauern müssen mit einem Ernteausfall von etwa 35 Prozent rechnen“, teilte Christian Burger, Geschäftsführer der Stockerauer Lapro GmbH, dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. Die Qualität werde man erst zu Beginn der Vollernte, Mitte Oktober, einschätzen können.

2017 bringt durchschnittliche Qualität

Seit dem Vorjahr arbeitet Lapro mit dem Hollabrunner Tiefkühllebensmittelproduzenten Lamb Weston/Meijer (LWM), einem der weltweit größten Kartoffelverarbeitungsbetriebe, zusammen. Lapro hat hier die Salatkartoffel-Aufbringung im Rahmen der „Genussregion Weinviertler Erdäpfel“ übernommen. Die NÖN fragte bei LWM-Geschäftsführer Gerhard Bauernfeind nach, welche Auswirkungen die schwache Ernte unternehmerisch hat.

„Da die klimatischen Einflüsse zunehmend instabiler wurden, haben wir Vorsorge getroffen und mehr Kartoffeln kontrahiert als in den Jahren zuvor“, erklärt Bauernfeind und bestätigt: Während die beregneten Gebiete die Trockenheit ausgleichen konnten, sei in den Trockengebieten mit erheblichen Ernteeinbußen bei den Erdäpfeln zu rechnen.

Es sehe danach aus, als könne LWM den Bedarf zur Gänze mit der eigenen Kontraktware decken. Die Produktionsmengen bleiben stabil. Und, so Bauernfeind: „Die Ernte 2017 wird aus heutiger Sicht eine durchschnittliche Qualität bringen.“ Franz Wanzenböck, Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), ist da sogar optimistischer und meint, dass die Erdäpfel mit gewohnter Qualität glänzen werden.

Hollabrunner Standort: Kräftige Investitionen

„Natürlich hat sich die Trockenheit ausgewirkt und viele Bauern mussten schwere Verlust verbuchen. Aufgrund der leichten Flächenausweitung werden wir aber in der Lage sein, den heimischen Markt wieder ganzjährig mit unseren ausgezeichneten Erdäpfeln versorgen zu können“, betont Wanzenböck.

Am Hollabrunner LWM-Standort wurde mit rund drei Millionen Euro übrigens auch im letzten Jahr wieder kräftig investiert, vor allem in den Bereichen Umwelt/Energie und Prozessverbesserung. Besonders hervorzuheben seien die Verpackungsautomatisierung und die neue Schälanlage, die bessere Schälergebnisse bei geringerem Energieverbrauch erzielt“, schildert Geschäftsführer Bauernfeind.

Als nächste Investitionen stehen die Reduktion des Energieverbrauchs durch die Installation eines neuen Dampfkessels sowie die Verbesserung der optischen Sortieranlagen an.

Um die Vertragsbauern in den Trockengebieten zu unterstützen, hat LWM außerdem Versuche mit Tröpfchenbewässerung gestartet. „Die Versuchsfelder sind in Ertrag und Qualität deutlich besser als die umliegenden Bereiche“, berichtet Bauernfeind. „Dies könnte eine Möglichkeit sein, die zunehmenden klimatischen Schwankungen in Zukunft besser auszugleichen.“ Aktuell ist eine Bewässerung jedoch bei nicht einmal 20 Prozent der Erdäpfelflächen möglich, meldet die Landeslandwirtschaftskammer.