Retz

Erstellt am 10. Januar 2018, 04:25

von Karin Widhalm

Neubauer: „Regionale Betriebe werden total missachtet“. Franz Neubauer fehlt die Wertschätzung kleiner Betriebe angesichts ihres Beitrags für Region und Wirtschaft.

Franz Neubauer. Foto: Böck  |  Böck

Familie Neubauer macht seit 56 Jahren Gemüse und Obst haltbar und legt mehr als 100 Produkte ein. Franz Neubauer junior verarbeitet mit neun Mitarbeitern in der Hauptsaison von Mai bis Jänner 300 Tonnen Gemüse, insbesondere aus Kulturen in Ostösterreich.

Der 45-Jährige setzt auf die Regionalität der Rohware, das Beibehalten überlieferter Grundrezepte und die traditionelle Verarbeitung. Ihm fehlt allerdings „die Wertschätzung der Politik“.

Die Führung kleiner Handwerksbetriebe sei nur mit extremstem Einsatz möglich, führt er im NÖN-Gespräch aus. Alle Abläufe werden – im Gegensatz zu großen Unternehmen – von ihm selbst geregelt, vom Bestellwesen über die Mitarbeiterführung bis hin zur Werbung. Das verliere man aus den Augen und auch, dass selbst ein kleiner Betrieb Arbeitsplätze biete und die Region bewerbe.

„Alle Abläufe – vom Bestellwesen bis zur Werbung – laufen bei mir zusammen. Das ist nur mit extremstem Einsatz möglich.“Franz Neubauer

„Der Zug geht in die andere Richtung“, findet Neubauer. „Die Industrie wird gepusht.“ Landespflegeheim, Kaserne und andere öffentliche Einrichtungen werden dazu angehalten, Billigstanbietern den Vorzug zu geben. „Regionale Betriebe werden total missachtet.“

Die Politik lasse sich eher dazu hinreißen, neue Verordnungen – etwa die Kennzeichnung der Allergene oder die Nährwert-Tabelle – zu beschließen. Das bedeute mehr Arbeit und Zeitaufwand für die Kleinbetriebe. „Wenn man sich da nicht selbst hinsetzt ... ich hätte längst zusperren müssen.“

Der Geschäftsführer ist aber stolz darauf, eine lange Tradition fortzusetzen. „Früher hat es weit über 70 Betriebe in der Region Retz und Znaim gegeben, die die Monarchie beliefert haben“, erzählt er. Neubauer vermeidet „bewusst eine Automatisierung“, wie er dem NÖ Wirtschaftspressedienst schildert. „Die meisten Arbeitsschritte erfolgen nach wie vor per Handarbeit“, betont er. „Die Chargen sind bei uns gering und die meisten Produkte werden mehrmals im Jahr frisch veredelt.“

Erlebnismanufaktur: Spannend, aber Risiko

Spannend wäre für ihn, die lange Geschichte des Einlegens in der Region in Form einer Erlebnismanufaktur aufzubereiten. Er sei diesbezüglich aber vorsichtig, weil er sich nicht finanziellen Abenteuern hingeben wolle. Es gebe jedenfalls viele, die wissen wollen, was im Produkt steckt.

Franz Neubauer senior gründete den Betrieb 1961 in Kleinriedenthal, wo er ein eigenes Gurkenfeld bewirtschaftete, und kreierte ein Rezept, das bis heute als Grundlage dient. 500.000 Gläser, Beutel und Kübel mit Pikantem und Süßem verlassen heute jährlich das Retzerland.