Pleißing

Erstellt am 10. September 2017, 06:27

von Karin Widhalm

Donnerbauer: „Reha-Zentrum wäre unser Leitprojekt“. Bürgermeister Donnerbauer spricht über Abwanderung, Hardegg als Mitte zweier Vierteln und den Kuraufenthalt in Hardegg als große Chance.

Heribert Donnerbauer beim Kräuterfest im Nationalpark-Haus, einem wichtigen Veranstaltungsort für die Stadtgemeinde.Enzmann  |  Franz

150 Kilometer fährt der Bus täglich, um alle Kindergartenkinder zu chauffieren: Die Stadtgemeinde Hardegg steht flächenmäßig an zweiter Stelle im Bezirk Hollabrunn und gehört topografisch mehr zum Waldviertel. Bürgermeister Heribert Donnerbauer, der bis 2012 Nationalratsabgeordneter war und seit 2008 Bürgermeister ist, wendet seinen Blick sowohl ins Waldviertel als auch ins Weinviertel – und will Rahmenbedingungen erhalten, damit die Bevölkerungszahl nicht ins Bodenlose fällt.

NÖN: Die Bevölkerung in Hardegg schrumpfte im Zeitraum von 2006 bis 2016 um 9,7 Prozent. Wie könnte die Stadtgemeinde entgegenwirken?

Heribert Donnerbauer: Wir wirken schon entgegen und wir spüren schon, dass junge Familien dableiben. Eines möchte ich schon vorwegnehmen: Du kannst die Abwanderung nicht aufhalten, weil ganze Generationen aus den 1950er- und 1960er-Jahren fehlen. Die Bevölkerungsalterung ist gegeben, bei uns werden die Leute sogar älter als woanders. Ich möchte aber nicht in die depressive Falle tappen. Denn ein positiver Trend ist, dass die Geburtenrate steigt. Wir schauen deswegen, dass wir für die Familien attraktiv sind. Das beginnt beim Kindergarten, der bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Wir kämpfen um die Volksschule. Wir sind „Familienfreundliche Gemeinde“ und „Gesunde Gemeinde“: Die Angebote sind auch für die Älteren gedacht. Wir bemühen uns, dass die ärztliche Versorgung sichergestellt ist und das ist landauf, landab nicht einfach – wieder ein Mosaikstein. Man muss als Gemeinde die Rahmenbedingungen schaffen.

„Wir suchen einen Betreiber, damit wieder ein Geschäft geöffnet werden kann“

Was gehört da noch dazu?

Dazu gehört eine moderne Ordination für die Gemeindeärztin. Der Standort in Niederfladnitz entspricht dem nicht mehr. Wir werden eine neue Ordination bauen, dort, wo früher der Nahversorger war. Das Haus wird abgerissen. Wir suchen außerdem einen Betreiber, damit wieder ein Geschäft geöffnet werden kann. Wir sind optimistisch, dass wir das schaffen. Vorgesehen sind hier auch zwei Wohnungen. Die Wohnversorgung ist wichtig: Die sechs Reihenhäuser in Niederfladnitz sind alle vermietet. Und wir sind gerade dabei, ein Entwicklungskonzept zu machen, um in allen Katastralgemeinden Bauplätze zu schaffen. Das Interesse besteht und Familien nehmen in Kauf, weit pendeln zu müssen. Die Breitbandverbindung muss verbessert werden. Das Land NÖ hat eine Initiative vorbereitet. Und das Reha-Zentrum wäre ein großer Schritt.

Wie ist hier der Stand der Dinge?

Die Bedarfsprüfungen wurden durchgeführt, wir warten jetzt auf die Ausschreibung. Der Betreiber wird sich bei der Pensionsversicherungsanstalt mit Standort Hardegg bewerben.

Was ist genau geplant?

Das Rehabilitationszentrum soll die Krebsnachvorsorge mit Schwerpunkt Urologie bereitstellen. Hardegg wurde wegen der ruhigen Lage, der Beschaulichkeit, Natur und Stadt ausgewählt. Wir erwarten um die 80 Betten und ich schätze, dass 80 bis 100 Mitarbeiter vom Portier bis zum Pflegepersonal dort arbeiten werden. Das ist unser Leitprojekt. Wir setzen uns dafür ein, dass es bei uns umgesetzt wird. Große Betriebe werden wir keine herbekommen. Wir wollen auch keine Industrie. Wir haben die Natur und die Ruhe. Das ist unser USP, unser Image.

Wie wertvoll erachten Sie den Nationalpark?

Sehr wertvoll. Als Gemeinde stehen wir dahinter. Er hat einen positiven Einfluss auf die Natur und wir haben eine Institution, die sich professionell um touristische Angebote kümmert. Das könnten wir als Gemeinde nicht stemmen.

Könnte sich in der Regionalentwicklung mehr tun, sodass beispielsweise der Winzer den Wein und die Nationalparkregion nach außen transportiert?

Das ist ein alter Wunsch von mir und wird zum Teil umgesetzt. Der Nationalpark kooperiert auch mit Partnern, etwa mit einem Imker. Als Gemeinde kannst du nur ermutigen. Die Leader-Region im Waldviertel hebt die Nationalparkregion hervor, deshalb sind wir vom Weinviertel ins Waldviertel gewechselt. Es wäre nicht sinnvoll, nicht dabei zu sein.

Die Euphorie war bei der Nationalparkgründung groß, später brach die Freude etwas ein. Wie ist das heute?

Ich würde sagen, es normalisiert sich. Der überwiegende Teil der Bevölkerung steht hinter dem Nationalpark und ist stolz darauf. Gelungen ist die Öffnung des Nationalpark-Hauses. Das Café ist ein Treffpunkt geworden, auch der Spielplatz für Familien. Im Saal werden Bälle abgehalten. Man geht zu den Veranstaltungen wie Kräuterfest oder Adventmarkt. Die Schule arbeitet mit dem Nationalpark zusammen: Die Kinder wachsen damit auf.

Bereuen Sie den Rückzug der Stadtgemeinde aus der damaligen Retzer Land GesmbH?

Wir haben‘s uns nicht mehr leisten können. 16.000 Euro im Jahr waren es, glaube ich. Ich habe dazu angeregt, nachzudenken, ob der Erhalt der GesmbH und des Geschäftsführers als Funktion wirklich noch notwendig ist. Bei der Gründung konnten mit der GesbmH viele Fördermittel lukriert werden, auch für Mitarbeiter und Verwaltung. Später ist viel von den Mitgliedsbeiträgen in die Organisation geflossen. Für eine andere Lösung war man damals noch nicht soweit.

Das Retzer Land ist jetzt ein Verein. Kommt die Rückkehr infrage?

Wir arbeiten mit dem Retzer Land zusammen, wir sehen da keine Grenzen. Wir sind Teil der Region und sind alle gut befreundet. Wir wurden gefragt, ob wir bei der Bewerbung für die Landesausstellung 2021 mitarbeiten wollen. Selbstverständlich sind wir dabei. Wenn wir gefragt werden ... ich will das nicht über die Zeitung ausrichten. Die Entscheidung wurde damals für die Gemeinde getroffen.

Werden Sie bei der Gemeinderatswahl 2020 kandidieren?

Ich habe die Ambition zu bleiben und werde aus heutiger Sicht kandidieren.