Hollabrunn

Erstellt am 10. Januar 2018, 05:16

von Sandra Frank und Karin Widhalm

Plattform als „roter Teppich“ für junge Landwirte. Mit neuer Plattform für Direktvermarktung soll bäuerlichen Familienbetrieben unter die Arme gegriffen werden.

Zuletzt war Kammerobmann Fritz Schechtner (2.v.l.) bei der Obleute-konferenz des Bauernbundes im Einsatz, um mit Elisabeth Lust-Sauberer, Elfriede Stagel, Richard Hogl, Johann Rohringer und Marianne Lembacher (v.l.) wichtige Themen der Region zu sprechen.  |  privat, Enzi, VPNÖ

„Starkes Land. Starke Region“ heißt das Zukunftsprogramm der NÖ Landwirtschaft, das Landesrat Stephan Pernkopf für eine erfolgreiche Zukunft vorgestellt hat. Die NÖN sprach mit Bauernvertretern aus dem Bezirk, wie aus deren Sicht die Situation der Landwirte verbessert werden kann.

„Es sind die Familienbetriebe, die wir stärken müssen“

Pernkopf will kleine und mittlere Bauernhöfe stärken. Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt sich im Bezirk Hollabrunn. Hier ist der durchschnittliche Betrieb bereits recht groß, nämlich 60 Hektar, wie Bauernkammerobmann Fritz Schechtner berichtet.

„Es sind die Familienbetriebe, die wir stärken müssen“, konkretisiert er Pernkopfs Aussage. Diesen sei bereits vor 20 Jahren ein Aussterben prophezeit worden. „Aber sie haben sich bis heute gehalten“, ist Schechtner froh.

Die bäuerlichen Betriebe seien für die ländliche Struktur und Gesellschaft – etwa Vereine und Feuerwehr – sehr wichtig. „So etwas gibt es in Europa fast nicht mehr“, spricht der Niederschleinzer von riesigen Betrieben außerhalb Österreichs. Darum sei es wichtig, die Jungen in den Betrieben zu halten.

„Wir wollen ihnen den roten Teppich ausrollen“, spricht der Kammerobmann die Ausgleichszahlungen an. Auch die Bürokratie soll weniger werden. Die Zusammenarbeit mit der Politik daher sei eine sehr wichtige, müsse aber auf die jeweilige Region abgestimmt sein.

Absatzmöglichkeiten für Produkte schaffen

Leopold Krammer ist überzeugt, dass die Politik den Kleinbetrieben entgegenkommen kann. „Man sollte die Mehrwertsteuersätze auf eine Richtlinie bringen: 20 Prozent für die buchführungspflichtigen Betriebe und 10 Prozent für die kleinen Betriebe“, meint Schechtners Stellvertreter in der Kammer. 10, 13, und 20 Prozent ist die derzeitige Staffelung.

Leopold Krammer will Mehrwerts-steuersätze auf eine Liniebringen, um Kleinbetriebe zu entlasten.  |  privat, Enzi, VPNÖ

Er würde die Zuverdienstgrenze für Nebenerwerbslandwirte hinaufsetzen; wird diese überschritten, müssen Steuern bezahlt werden. Der Appell des Hadresers richtet sich aber auch an die landwirtschaftlichen Kleinbetriebe selbst: Sie sollen sich nicht davor scheuen, Versicherungen einzugehen, um abgesichert zu sein.

Krammer denkt dabei an schlechte Witterung und Naturkatastrophen, erst 2016 kämpfte seine Heimatregion Pulkautal mit einer langen Trockenperiode. „Wir müssen auf Umwelt und Klima Rücksicht nehmen, noch mehr, als wir es bisher gemacht haben“, stimmt Schechtner zu. Immerhin seien Landwirte die ersten Betroffenen.

Daniela Hagenbüchl ist Winzerin in Hohenwarth und Kammerobmann-Stellvertreterin. Sie weiß, dass gerade Familienbetriebe nicht über große personelle Ressourcen verfügen. Darum müsse man gute Absatzmöglichkeiten für die eigenen Produkte schaffen, wie das etwa mit der neuen Plattform „Kostbares Weinviertel“ geschieht.

In dieser Datenbank, die sich noch im Aufbau befindet, werden die Direktvermarkter der Region zusammengefasst und beworben. Es gelte, den Konsumenten von der Qualität des heimischen Produktes zu überzeugen, meint Gebietsbäuerin Hagenbüchl. Ziel ist, dass der Konsument „statt drei billigen Produkten zwei hochwertige“ einkaufe.

Einkaufen mit Bedacht und Reste verwerten

So werde auch der Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt. Denn jährlich landen allein in Niederösterreich 28.000 Tonnen Lebensmittel im Müll. „Ich hab‘ am Wochenende Joghurt verwendet, das schon im November abgelaufen ist“, rät die zweifache Mutter, die Lebensmittel zu kosten, bevor sie weggeworfen werden. Sie empfiehlt, mit Bedacht einzukaufen und auf große Aktionspackungen zu verzichten.

Daniela Hagenbüchl appelliert, Lebensmittel zu kosten, bevor sie weggeworfen werden.  |  privat, Enzi, VPNÖ

Außerdem ruft sie die „klassische Restlverwertung“ in Erinnerung. Wenn Hagenbüchl von Bedacht spricht, meint sie nicht nur die Mengen, die eingekauft werden, sondern auch das, was gekauft wird. Etwa die Süßkartoffel. „Diese ist bei uns nicht heimisch, aber der Renner in der jungen Küche. Die Erdäpfel vom übernächsten Haus haben den selben Nährwert“, bricht die Schmidatalerin eine Lanze für die Regionalität.

Den Vorschlag, Lebensmittelkunde im Unterricht einzuführen, halten die Bauernvertreter für sinnvoll. „Die Kinder sollen wissen, woher die Produkte kommen.“ Obmann Schechtner verweist auf die Schultütenaktion. Dabei vermitteln Bäuerinnen den Volksschülern den Wert der Lebensmittel. Hagenbüchl, die heuer erstmals mit dieser Aktion unterwegs war, beobachtete großes Interesse bei den Kindern.