Retz

Erstellt am 06. Dezember 2017, 04:05

von Karin Widhalm

Landesausstellung 2021: Mit Tatendrang in die Bewerbung. Retz und Znaim stellten Details aus dem Bewerbungskonzept vor.

Informationsabend mit (v.l.): Andreas Strobl, Helmut Koch, Kurt Farasin,Zuzana Pastrňáková, Pavel Trulík, Ludvík Hekrle und Hannes Weitschacher.  |  NOEN

Dass Retz und Znaim (Znojmo) näher zusammengerückt sind, zeigte sich allein an den Begrüßungsworten von Bürgermeister Helmut Koch. Er hieß bei der Informationsveranstaltung über die Landesausstellung fast genauso viele tschechische wie österreichische Ehrengäste willkommen; zuallererst aber Otto Filipsky. Dieser verfolgte mit seinen 105 Jahren die eineinhalbstündige Präsentation – und das stehend.

Otto Filipsky im Gespräch mit Bürgermeister Manfred Nigl (Retzbach).  |  NOEN, Verein Retz2021/Raab

Der älteste Retzer ist Vereinsmitglied: In seine Lebenszeit fallen Weltkriege und Grenzziehungen zwischen Österreich und Tschechien. Der Südmährer wuchs in Znaim auf, lebt heute in Retz – und darf erleben, wie Brücken von der einen zur anderen Stadt geschlagen werden. „Alte Verbindungen neu beleben“ ist auch das Herzstück des Bewerbungskonzepts.

„Die ursprüngliche Idee gefällt uns am besten“, erklärte Hannes Weitschacher, federführend im Verein „Retz2021“ aktiv. Kurt Farasin, künstlerischer Leiter der Schallaburg Kulturbetriebsgesellschaft, war auch geladen. Diese Institution begleitet die potenziellen Kandidaten nämlich von Anfang an und setzt die Landesausstellung gemeinsam mit der Region um. Farasin hat zuletzt die Landesausstellung „Alles was Recht ist“ in Pöggstall mit 230.000 Besuchern begleitet.

„Da sind alle Erwartungen übertroffen worden“, schilderte er. Man habe wegen des Themas und des abgelegenen Standorts mit 150.000 Gästen gerechnet. 35 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung konnten verzeichnet werden. Grund für den Zuspruch: „Das war die Region, die gelaufen, gelaufen, gelaufen ist.“ Die über 60 Regionspartner hätten dafür gesorgt, dass fast ein Viertel der Gäste mehrere Tage geblieben ist.

Museum der Gastronomie soll entstehen

Weitschacher betonte: Retzer und Znaimer Land sollen ein „Musterbeispiel für regionale Zusammenarbeit“ werden. Ausstellungsflächen stehen in beiden Städten zur Verfügung. Vizebürgermeister Ludvík Hekrle (Znaim) stellte das Areal der Brauerei vor.

„In den nächsten Jahren wird ein großes Restaurant mit Garten und Ausblick auf Stadt und Thaya dazugebaut“, berichtete er. Ein Museum der Gastronomie solle entstehen. „Unser Ziel ist, das bis 2021 für die Landesausstellung zu schaffen.“ Die Stadt will zudem das Kloster Louka revitalisieren ( mehr dazu siehe hier und unten).

Stadtamtsdirektor Andreas Sedlmayer erläuterte die Renovierung des zuletzt leer gestandenen Schüttkastens: Ein Kubus mit Lift soll die Barrierefreiheit gewährleisten. Erdgeschoß und Obergeschoß sollen für Veranstaltungen und für die geplante Kunstschule genutzt werden. „Man könnte ein Mehrzweckgebäude an den Schüttkasten ankoppeln“, meinte Sedlmayer. Dieser Neubau soll auch als Turnsaal dienen, wie Alois Binder (NMS-Ausschuss) ausführte.

Genutzt werden sollen zudem die Weinbauschule für Unterkünfte und als Ausbildungszentrum, das Winzerhaus am Altenberg als Präsentationsbühne und ein Gebäude am Hauptplatz als Genusswerkstatt. Diese Pläne kennt die Kulturabteilung des Landes bereits: Hermann Dikowitsch erteilte den Auftrag, die Idee inhaltlich zu schärfen. Das soll noch vor Weihnachten geschehen, dann steht ein Treffen der Landeshauptfrau mit dem Kreishauptmann an.

Nach der Landtagswahl könnte die Entscheidung fallen, wer die Landesausstellung ausrichten darf. „Ich bin guter Dinge“, sagte Vereinsobmann Helmut Koch, bevor Bier aus Znaim und Wein aus Retz gereicht wurden.