Hollabrunn

Erstellt am 07. Februar 2018, 05:21

von Sandra Frank und Christian Pfeiffer

Rauchverbot: Über Qualm soll Volk entscheiden. Die Ärztekammer macht ernst und setzt sich für ein totales Rauchverbot in Lokalen ein.

Das Rauchverbot für Unter-18-Jährige soll Mitte 2018 kommen. Ansonsten ist nach der Rücknahme des Rauchverbots durch die türkis-blaue Regierung in puncto Rauchen wieder alles offen.  |  APA/Helmut Fohringer

Seit Freitag ist wieder Bewegung in die Diskussion um die Nichtraucherregelung gekommen. Die Ärztekammer hat am vergangenen Freitag ihr Volksbegehren angemeldet, mit dem ein generelles Rauchverbot in Lokalen erwirkt werden soll, nachdem die türkis-blaue Regierung als eine ihrer ersten Amtshandlungen die bereits vereinbarten Gesetze für einen verbesserten Nichtraucherschutz kippte.

„Offizieller Startschuss ist der 15. Februar“, so die Ärztekammer. „Wir sind sehr optimistisch, dass es uns gelingen wird, die Leute zu mobilisieren“, sagt der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, Paul Sevelda, „weil ich jetzt schon merke, dass es ein sehr bewegendes Thema ist, das in der Öffentlichkeit sehr diskutiert wird.“

„Arbeitnehmer haben oft keine Wahl ...“

Einer, der das Volksbegehren auf jeden Fall unterschreiben wird, ist Georg Ecker, designierter Landtagsabgeordneter der Grünen. Es gehe ihm vor allem um die Arbeitnehmer und die Jugendlichen. Diese will er vor dem Zigarettenqualm geschützt wissen. „Die Arbeitnehmer haben oft keine Wahl und müssen in einem verrauchten Bereich arbeiten.“

Einer, der „sicher nicht“ unterschreiben wird, ist FPÖ-Parlamentarier Christian Lausch. „Ich verstehe die Hysterie nicht“, meint der Abgeordnete. Es stehe jetzt den Wirten frei, ob in ihrem Lokal geraucht werden darf oder nicht. „Gerade die Beislwirten kämpfen ums Überleben“, gibt Lausch zu bedenken.

Lausch: „Ich kenn keinen Kellner, den das stört.“

Er ist sicher, dass der eine oder andere Wirt hätte zusperren müssen, wäre ein generelles Raucherverbot in Kraft getreten. „Ich glaube nicht, dass einer der Ärzte, die das Volksbegehren initiiert haben, auch Lokalbesitzer ist“, glaubt der Freiheitliche nicht daran, dass sich die Medizinier in die Lage der Gastronomen hineinversetzen können.

Wenn es rein um den Arbeitnehmerschutz gehe, wie Ecker betont, hält Lausch eine Umfrage bei der betroffenen Berufsgruppe für sinnvoller. „Ich kenn‘ keinen Kellner, den das stört.“

Richard Hogl, Bezirkschef der Volkspartei, findet es richtig, dass das Gesetz gekippt wurde. „Dass das Rauchergesetz ein Schmarren war, daran wird auch das Volksbegehren nichts ändern.“ Er werde es jedenfalls nicht unterschreiben. „Der Schutz der Menschen ist wichtig“, betont er im NÖN-Gespräch, allerdings dürfen die Raucher nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. „Es muss ihnen die Möglichkeit gegeben werden, ihrem Laster nachzugehen.“

Klare Entscheidung statt permanentem Ärger

Hogls rotes Pendant im Bezirk, Richard Pregler, wird ebenfalls von einer Unterschrift absehen. „Obwohl ich sehr für den Schutz der Arbeitnehmer bin, stört es mich nicht, wenn Leute, die rauchen, es auch tun“, begründet der Sozialdemokrat seine Entscheidung.

Er spricht sich dafür aus, dass es „endliche eine klare Entscheidung gibt und das Ärgern der Wirte aufhört“. Pregler weiß, dass den Gastronomen enorme Kosten durch diverse Umbauten entstanden sind. „Es hätte weniger Aufregung gegeben, hätte es eine klare Linie gegeben“, ist er überzeugt. Der Immendorfer ortet allerdings eine Tendenz zu Nichtraucherlokalen, da etwa Familien die rauchfreien Lokale genießen.

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sieht keinen Spielraum für Diskussionen: „Wir sind eines der letzten Länder in Europa, die so ein Rauchverbot noch nicht haben, und wir wissen – ebenfalls aus dem Ausland –, dass ein Rauchverbot zu einer unmittelbaren Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung führt.“