Hollabrunn , Mistelbach , Gänserndorf , Korneuburg

Erstellt am 13. September 2017, 04:28

von Christoph Reiterer

FPÖ im Weinviertel: „Bereit, aber nicht um jeden Preis“. Blaue fordern mehr Geld für Familien, denen Belastungspolitik zu schaffen mache.

Wahlkampfstart in Hollabrunn: MichaelBernard, Erwin Kube, Christian Lausch und Michael Sommer.  |  Sandra Frank

Mit einer Pressekonferenz in Hollabrunn läuteten die Freiheitlichen rund um Wahlkreis-Spitzenkandidat Christian Lausch, Mistelbachs Bezirkschef Michael Bernard (Platz 2 im Wahlkreis) und Stockeraus Bürgermeister-Stellvertreter Erwin Kube (Platz 9) ihren Wahlkampf ein. Das Credo: „Nur eine gestärkte FPÖ garantiert, dass die Systemkoalition eine Absage erfährt.“

Die FPÖ in der künftigen Regierung? „Wir sind bereit, aber nicht um jeden Preis“, so Lausch, der eine Neuauflage von Schwarz-Rot für gut möglich hält: „Köpfe sind schnell ausgetauscht und dann gibt es den x-ten Neubeginn.“ Bernard spricht von einer „Entscheidungswahl“.

Sommer fürchtet „Pensionistenviertel“

Leistbares Wohnen, die Situation am Arbeitsmarkt sowie die Pendlerproblematik bezeichnen die Freiheitlichen als ihre Schwerpunktthemen. Kritik übt Lausch an der ÖVP-Strategie, die Bevölkerung fürs „Zukunftsviertel“ um Ideen zu bitten. „Das ist ein Wahlkampf-Gag. Die ÖVP hätte in der Verantwortung selbst viel ändern können.“

Das Weinviertel sei ein einkommens- und beschäftigungsschwaches Viertel, in Relation zum Lohnniveau seien die Wohnungen zu teuer. Junge Menschen hätten nach der Ausbildung oft keine andere Wahl, als ins Ballungszentrum auszupendeln oder abzuwandern. Michael Sommer, Wahlkampfleiter und FPÖ-Jugendkandidat, fürchtet deshalb ein „Pensionistenviertel“. „Vor jeder Wahl gibt es Versprechungen, aber es ändert sich nichts.“

Der eben gestartete Ausbau der S 3 Weinviertler Schnellstraße kommt für den blauen Weinviertel-Spitzenkandidaten, der einst selbst an die 4.000 Unterschriften dafür gesammelt hat, um Jahre zu spät. „Besser spät als nie, aber es ist eine Schnellstraße light. Ob das hilft, weiß ich nicht“, so Lausch.

Bernard spricht von „jahrelangen Versäumnissen“ im Bezirk Mistelbach und „katastrophalen Verkehrsverhältnissen“. Der massive Verlust von Polizeibeamten habe ein Sicherheitsproblem verursacht. „Wenn wir bei der Wahl gestärkt werden, werden wir uns dafür einsetzen, dass die Posten wieder aufgestockt werden.“

Lausch fordert Umdenken bei Mindestsicherung

Erwin Kube lobt die Zusammenarbeit mit der SPÖ im Stockerauer Stadtparlament. Sorge bereitet ihm, dass die Zahl der Flüchtlinge in der Lenaustadt laufend wächst. „Es kann nicht sein, dass wir Klein-Traiskirchen werden. Da hab‘ ich den Bürgermeister auf meiner Seite.“

Ein Umdenken fordert Lausch bei der Mindestsicherung und kritisiert, dass gerne vergessen werde, dass Flüchtlinge nur Schutz auf Zeit erhalten. Viel nachhaltiger wäre es, Geld für Familien in die Hand zu nehmen. Das werde zu wenig getan. Paare bekämen keine oder weniger Kinder, weil sie sich’s nicht leisten können. „Man hat keine Wahlmöglichkeit mehr. Kinder kosten Geld. Aber nur mit Kindern gibt es eine positive Zukunft“, sagt Bernard.

Die Bevölkerung werde durch Belastungspolitik demotiviert. „Arbeiten soll nicht bestraft, sondern belohnt werden.“ Als Unternehmer merke er, dass es immer mehr Arbeitnehmern schwerfalle, die Kosten des Alltags zu bewältigen. Gleichzeitig würden die hohen Lohnnebenkosten gerade im Weinviertel dafür sorgen, dass immer mehr Firmen ihre Fühler nach Tschechien ausstrecken.