Eggenburg

Erstellt am 13. Januar 2018, 05:45

von Martin Kalchhauser

„Wirtschaftskrimi“ um altes Eggenburger Kino. Von der Krahuletzgesellschaft gerettetes Gebäude erweckt viel Interesse und blickt auf eine bewegte 100-jährige Geschichte zurück.

Gerhard Dafert vor dem historischen Lichtspielhaus in Eggenburg, über welches er „einen kleinen Wirtschaftskrimi“ zu erzählen weiß.  |  Irene Tutschek

Einen kleinen „Wirtschaftskrimi“ nennt Gerhard Dafert, Obmann der Krahuletz-Gesellschaft, den Wettstreit um die Kinolizenz in Eggenburg. Zum 100-jährigen Jubiläum des Lichtspielhauses, des ehemaligen Kinos (gegenüber dem Krahuletzmuseum), erzählte Dafert im Rahmen eines Vortrags dessen Geschichte.

„Moralischer Schaden“ durch Kino befürchtet

Um 1913 versuchten Franz Bradna, Besitzer des Gasthofes „Zum Goldenen Löwen“ (ehem. Gasthaus Koch, derzeit im Besitz der Familie Fidesser), Josef Winkler und der Christliche Arbeiterverein Horn die Kinolizenz für sich zu gewinnen. Die Stadt Eggenburg lehnte ab. Es herrsche „zu wenig Lokalbedarf. Die Bevölkerung besitzt bereits sehr wenig Geld und soll dieses nicht auch noch dafür ausgeben. Es ist eine moralische Schädigung und ein schlechter Einfluss auf die Bevölkerung.“

„Bevor die Kinolizenz an die Horner vergeben wird, wird sie dem Eggenburger Josef Winkler verliehen!“, beschloss die Stadt später. Durch das Angebot Josef Winklers, 25 Prozent der Einnahmen an die gemeinnützigen Vereine der Stadt zu spenden, hatte er vermutlich im Wettrennen die Nase vorne.

Der (später berühmte) Architekt Clemens Holzmeister – er nannte den Bau später einmal eine „Jugendsünde“ – wurde mit dem Bau des Lichtspielhauses beauftragt, das am 31. Jänner 1917 in Betrieb ging. 1980 lief die letzte Vorstellung, und das vermutlich älteste Kinogebäude Österreichs drohte ein Supermarkt zu werden.

„Durch Überlassung einer Erbschaft konnte die Krahuletz-Gesellschaft das Gebäude kaufen, restaurieren und zu einem Depot umfunktionieren“, erklärt der Obmann. „Wenn die Leute zu einer Führung mitgehen, sind sie aber leider immer sehr enttäuscht, da man durch das Depot kaum mehr etwas vom ursprünglichen Kinosaal erkennen kann.“

Wiederholung:

Wegen des enormen Interesses wird der Bilder-Vortrag Daferts wiederholt. Termin: Dienstag, 16. Jänner, 19 Uhr, Krahuletzmuseum.