Erstellt am 14. Februar 2018, 18:52

von APA Red

Brauneder verteidigt sich und drängt Burschenschaften. Wilhelm Brauneder, der Leiter der von der FPÖ eingerichteten Historikerkommission zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Parteigeschichte, weist im "Standard" (Donnerstag-Ausgabe) den Vorwurf mangelnder Distanz zum deutschnationalen oder rechtsextremen Milieu zurück. Er drängt die Burschenschaften, ihre Archive zu öffnen.

Brauneder wies den Vorwurf mangelnder Distanz zurück  |  APA

"Es wäre ein großer Fehler, sich dem zu verschließen. Denn das würde sofort den Verdacht nähren, dass es da etwas zu verbergen gibt", sagt Brauneder. Bei den Burschenschaften ist die Kommission auf freiwillige Mitwirkung angewiesen, weil es sich um private Vereine handelt. Die fünf bis sechs Historiker für die Kommission werde er ausschließlich nach fachlichen Kriterien auswählen: "Ich habe auch einen Kollegen im Auge, der KPÖ-Mitglied ist."

Der sofort nach seiner Bestellung laut gewordenen Kritik, dass er selbst dem deutschnationalen Milieu nahe stehe, tritt der emeritierte Rechtsprofessor entgegen. Anders als behauptet habe er als Dekan der Juridischen Fakultät nie eine Neonazi-Veranstaltung an der Uni (eine Veranstaltung des Rings Freiheitlicher Studenten mit dem deutschen Rechtsextremen Reinhold Oberlercher) genehmigt. Er habe erst nachträglich von der Genehmigung erfahren und keine Möglichkeit gehabt, diese zu verhindern.

Und zu den in der rechtsextremen Zeitschrift "Aula" erschienenen Artikeln von ihm hält Brauneder fest: Dabei habe es sich um Nachdrucke von in Fachblättern veröffentlichten Texten gehandelt - und weil er zu den Inhalten stehe, habe er dies genehmigt: "Es ist nicht entscheidend, wo man schreibt, sondern was man schreibt."

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begrüßte die geplante Historiker-Kommission der FPÖ. Gerade im Gedenkjahr sei es notwendig, auch die eigene Geschichte aufzuarbeiten, sagte Kurz vor dem Ministerrat. Dass dabei auch das DÖW eine Rolle spielen solle, findet er "sehr positiv". SPÖ-Chef Christian Kern bezeichnete indes die Zusammensetzung der FPÖ-Historikerkommission als "Farce".

In einer Stellungnahme gegenüber der APA kritisiert Kern, dass in der Leitungsgruppe fast ausschließlich schlagende Burschenschafter und Rechtsaußenvertreter sitzen. "Dass sich diese nun selbst Unbedenklichkeit testieren sollen, ist extrem unglaubwürdig."

Brauneder als Leiter der Kommission ist für Kern "völlig ungeeignet". "Im Vergleich zu dieser Historikerkommission ist der Dackel, der auf die Wurst aufpasst, eine sichere Bank." Die FPÖ hat nach Ansicht Kerns "mindestens so sehr ein Gegenwarts- wie ein historisches Problem". Er erinnerte an die drei von der FPÖ vorgeschlagenen Universitätsräte Werner Kuich, Alois Gruber sowie Philipp Raich, die vom Bildungsminister nicht akzeptiert würden, weil sie zu rechts seien.