Klosterneuburg

Erstellt am 14. Februar 2018, 05:44

von Claudia Wagner

Wildschwein schlitzt Hund in der Au auf. Keiler attackierte eine Jogger-Gruppe und schlitzte die zweijährige Bulldogge Shorty auf. Der Vierbeiner überlebte nicht.

Symbolbild  |  Shutterstock, David Dirga

Es sind Bilder, die sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt: der geliebte Vierbeiner in einer Blutlache mitten im Wald. Für Hundbesitzerin Barbara Zoth wurde der Albtraum eines jeden Halters vergangenen Donnerstag Realität: Ein Wildschwein attackierte und tötete den geliebten Shorty.

Und dabei startete der Tag gemütlich, mit einem Morgenlauf durch die Au. Gemeinsam mit ihrer Cousine und den drei Hunden joggte die Klosterneuburgerin durch die Au. Auf einer Wiese machte das Duo Rast, um Stöckchen für Shorty, Sunny und Dexter zu werfen, bevor sie die Hunde wieder an die Leine nahmen und durch den Wald zurückliefen.

Wald bei Rechtskurve der Rollfährenstraße

Gegen 8.40 Uhr geschah es am Forstweg parallel zum Durchstich: Ein Wildschwein stand am Weg. „Da ist er schon auf uns losgestartet“, erinnert sich Zoth. Sie habe die Hunde schnell abgeleint und sich gemeinsam mit ihrer Cousine auf Holz gerettet, um dem Keiler zu entkommen. Das Tier rannte Shorty, der zweijährigen Amerikanischen Bulldogge, nach. Plötzlich hörte Zoth einen Schrei – weil sie nicht wusste, ob das Wildschwein attackieren würde, wartete sie auf dem schützenden Holz. Als die Luft rein war, eilte sie ihrem Shorty nach – und fand Schreckliches. „Als ich eine Blutspur sah, ist mir selbst das Blut gefroren“, erzählt die Hundehalterin mit zittriger Stimme.

Der Vierbeiner lag schwer verwundet zwischen den Bäumen, zerschlitzt von den scharfen Stoßzähnen des Keilers. Organe hingen raus, überall war Blut. Mit Kompressionen und Erster Hilfe versuchte Zoth ihren Liebling zu retten, doch vergeblich. Im Tierspital der Veterinärmedizinischen Universität verstarb der erst zweijährige Rüde schließlich. „Er war immer schon mein Baby. Mein kleines, absolut süßes Ding. Diesen Schmerz kann ich gar nicht beschreiben“, ist die Besitzerin fassungslos.

„Shorty war immer schon mein Baby. Mein kleines, absolut süßes Ding.“ Barbara Zoth über ihren getöteten Liebling

Hätte sie gewusst, dass dort Keiler sind, wäre sie die Strecke nie gegangen. „Mir ist schon klar, dass Wildschweine im Wald leben und wir diejenigen sind, die den Wald mitbenutzen, aber dann muss man dort Schilder ,Vorsicht, Wildschwein‘ aufstellen.“ Das sei nicht nur für Hundehalter, sondern Eltern, die dort mit ihren Kindern spazieren, wichtig.

Auf Facebook rief Zoth die Klosterneuburger zur Vorsicht auf – und erntete dafür viele negative Kommentare. „Es geht mir nicht um eine Grundsatzdiskussion, ob alle Wildschweine aggressiv sind oder ob Hunde an die Leine müssen, sondern darum, dass Leute aufpassen.“ Und weiter: „Sowas wie mir kann jedem passieren.“

„Wir werden schauen, dass wir den Eber erwischen“, reagiert Sprecher Walter Hanzmann vom Stift, dem Forsteigentümer. Das werde aber schwierig, denn einerseits sind Wildschweine nachtaktiv, andererseits wisse man nicht, ob es sich um den betroffenen Keiler handelt. Hanzmann: „Wir werden vermehrt jagen.“ Sonst habe man beim Stift von keinen weiteren Vorfällen mit Wildschweinen gehört, dennoch rät er: „Hunde unbedingt an die Leine und an Wander- und Forstwege halten.“ Prinzipiell seien Wildschweine, so Hanzmann, Fluchttiere, die nur angreifen, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen. Vorsicht beim nächsten Waldmarsch durch die Au ist trotzdem ratsam.