Erstellt am 10. Januar 2018, 05:08

von Christoph Hornstein

Öffentlicher Verkehr ist Hauptanliegen. Für die Bezirks-Spitzenkandidaten aller Parteien sind Öffis wichtig. Bei der SPÖ und den Grünen gibt es gemeinsame Lösungsansätze.

Gerald Burggraf  |  NOEN, Gerald Burggraf

Die fünf Bezirks-Spitzenkandidaten zur niederösterreichischen Landtagswahl am 28. Jänner eint ein Anliegen: der öffentliche Verkehr. Freilich haben ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne und NEOS verschiedene Ansätze, wie und was sie zur Verbesserung des Bahn- und Busverkehrs beitragen würden.

Für Landtagsabgeordneten Christoph Kaufmann (ÖVP) ist der Öffentliche Verkehr eine wichtige Lebensader in Niederösterreich und deshalb so wichtig. „Gerade in Niederösterreich wurde in den letzten zehn Jahren viel investiert. So gibt es schon heute mehr P+R Plätze als in ganz Restösterreich“, weiß Kaufmann.

Bis 2020 sollen weitere 36 Millionen Euro investiert werden. Ausbaufähig sei aber die gesamte Verschränkung zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln. Konkret strebt Kaufmann eine Optimierung der Anbindung der Busse an den Tullnerfelder Bahnhof an.

„Der Verkehrsverbund Ostregion muss kundenfreundlicher werden und sein Komplettangebot evaluieren.“ Andreas Spanring, FPÖ

„Die Abstimmung von Bus und Bahn könnte noch verbessert werden. In Summe müssen jedoch bei allen Wünschen auch die Kosten im Rahmen gehalten werden“, meint der Landtagsabgeordnete.

Für die SPÖ und ihre Bezirksspitzenkandidatin Doris Hahn hängt von einem guten Verkehrsnetz vieles ab: „Dort, wo es eine gute Verkehrsanbindung gibt, entwickelt sich die Wirtschaft dynamisch, und es entstehen Arbeitsplätze“, so Hahn. Auch ob ein Job angenommen werden kann, ist von Öffis abhängig. Hahn: „Pendeln darf nicht zur Existenzfrage werden.“ Die Verkehrsinfrastruktur sei einer der wichtigsten Standortfaktoren, und dazu gehöre natürlich in besonderem Maße das öffentliche Verkehrsnetz.

Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand zeigt die SPÖ-Kandidatin mit der Schließung und Stilllegung zahlreicher Bahnhöfe und Haltestellen im Bezirk, und wie die ÖVP auch mit den Anschlussverbindungen. Viele Bürger würden aufgrund des mangelhaften Angebots auf den eigenen Pkw umsteigen.

Die Nebenbahnen sind für Hahn auch ein Thema: „Niederösterreich hat ein flächendeckendes Netz an stillgelegten Nebenbahnen, insgesamt 28. Das Land hat sie als ‚besserer Betreiber‘ – laut eigenen Angaben der ÖVP – vom Bund übernommen. Tatsächlich saniert und weitergeführt wurde aber nur eine einzige.“

SPÖ und Grüne fordern 365-Euro-Ticket

Hahn fordert das 365-Euro-Jahresticket, dichtere Takte mit besseren Anschlüssen, Erhöhung der Geschwindigkeit, eine bessere Anbindung von der Peripherie in die Zentren, die Nebenbahnen gehören aufgewertet, die Verlängerung der U-Bahn bis nach Niederösterreich gehört angedacht.

Für die FPÖ ist der öffentliche Verkehr so wichtig, weil er wie Wasser, Strom oder Breitbandinternet zur Grundinfrastruktur gehört. „Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass Bürger aus ländlichen Bereichen dieselbe Steuerlast tragen wie jene in den Ballungszentren. Deshalb haben sie sich ebenso Zugang zu Bus und Bahn verdient wie die Bewohner urbaner Bereiche“, meint FPÖ-Spitzenkandidat Andreas Spanring.

Generalplan für Busverkehr

Auch Spanring sieht es als Fehler, dass viele Nebenbahnen geschlossen wurden. Beim Bus gäbe es keinen Generalplan, Takte reichten nicht aus und wären oft unattraktiv. Auch das U-Bahn Thema spricht Spanring an und fordert, mit Straßenahnverlängerungen das Einpendeln nach Wien zu erleichtern. „Der Verkehrsverbund Ostregion muss kundenfreundlicher werden und sein Komplettangebot evaluieren.“

Es dürfe keine überfüllten Pendlerzüge mehr geben, keine nicht erreichbaren Bezirkshauptstädte, Spitäler und Ärztezentren. Ältere Mitbürger sollten sich mit den Fahrkartenautomaten leichter tun können.

Mobilität als Grundbedürfnis und Notwendigkeit

Wie die FPÖ sehen auch die Grünen Mobilität als Grundbedürfnis und Notwendigkeit. Im einwohnerreichsten städtischen Wiener Umland („Speckgürtel“) schaffe der ständig zunehmende Individualverkehr massive Probleme durch Umwelt- und Verkehrsbelastung. Im dünn besiedelten ländlichen Raum wird die öffentliche Verkehrsversorgung durch das Auflassen oder Ausdünnen öffentlicher Linien erschwert.

Spitzenkandidat Sepp Wimmer: „Mobilität muss zukünftig ökologisch und sozial verträglich gestaltet werden, die Infrastruktur erweitert und verbessert werden.“ Wie die SPÖ fordern auch die Grünen das 365-Euro-Jahresticket, und eine jahrzehntelange Schwachstelle sei auch, dass es die VP-Landesregierung noch immer nicht geschafft habe, mit der Stadt Wien ein zonenübergreifendes Ticket anzubieten.

„Car Sharing“ und Elektromobilität als Thema

Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist auch für NEOS-Spitzenkandidat Bernd Pinzer ein entscheidender Faktor, wenn es um die Entwicklung des ländlichen Raums geht. „Probleme sehe ich dabei, gerade bezogen auf den Bezirk, wenn Prestigeprojekte wie der Bahnhof Tullnerfeld ohne gesamtheitlich durchdachtes Verkehrskonzept umgesetzt werden. Pinzer setzt auf „Gemeindekooperationen über die politischen Couleurs hinweg“, auf „Car Sharing“ und Elektromobilität.