Erstellt am 08. Februar 2018, 05:00

von Veronika Löwenstein und Michaela Höberth

Eschentriebsterben: „Die Natur muss sich selbst helfen“. Das Frühjahr rückt näher. Dank großem Einsatz werden die zentralen Wege der Au dann wieder begehbar sein.

Die unzähligen Bäume, die dem Eschentriebsterben zum Opfer gefallen sind, stehen bei Käufern hoch im Kurs. Bauhof-Leiter Franz Els undSP-Stadtchef Helmut Laab schilderten der NÖN bei einem Lokalaugenschein, wie es um die Stockerauer Au steht.  |  Höberth

Als das Eschentriebsterben 1992 erstmals in Polen erkannt wurde, ahnte man noch nicht, welche massiven Schäden die aggressive Pilzkrankheit Jahre später in Österreich anrichten würde. „Durch das feuchte und warme Wetter wurde die Krankheit vor zwei Jahren richtiggehend epidemisch“, weiß Franz Els, Leiter des Bauhofs in Stockerau.

Els: "Monokulturen sind keine Lösung"

Jeden Tag ist Els in den Auwäldern unterwegs, um Baum für Baum auf Krankheitsanzeichen zu untersuchen. „Es braucht Durchhaltevermögen“, lächelt er, immerhin umfasst das Gebiet 450 Hektar. Warum es ihm trotzdem den Aufwand wert ist? „Der Wald muss erhalten bleiben“, macht er klar. Denn nur so kann die Natur Resistenzen gegen die hartnäckige Krankheit aufbauen, die aus dem Ausland eingeschleppt wurde. „Kahlschlägerungen und Monokulturen sind keine Lösung“, so Els.

Dieser Ansicht ist auch SP-Stadtchef Helmut Laab: „Es ist unsere Verpflichtung, die Natur und das Naherholungsgebiet zu erhalten“, steht für ihn fest. Daher stellt die Stadt eine eigene, speziell geschulte Arbeitspartie, die das ganze Jahr über dafür sorgt, dass befallene Bäume gefällt werden – ohne dabei die umliegenden Bäume zu beschädigen.

Korneuburger Au noch bis Ende März gesperrt

Derzeit arbeitet man fieberhaft daran, die Stockerauer Au im Frühjahr an den Hauptwegen wieder zugänglich zu machen. „Die wichtigen Wege zum Uferhaus, zum Göllersbach, zur Schotterbank und zum Kraftwerk werden dann frei sein“, freut sich Els. Wobei das keinesfalls das Ende der Arbeiten bedeutet: „Wir kämpfen schon seit Jahren gegen das Eschentriebsterben, darum haben wir es gut im Griff. Aber sobald wir die 450 Hektar vollständig bearbeitet haben, fangen wir wieder von vorne an – das ist ein Prozess von Jahren“, ist er sich bewusst.

Bis Ende März ist die Sperre der Korneuburger Au noch aufrecht. Der Donauradweg ist schon seit Längerem wieder benutzbar, im Frühjahr könnten auch die forstwirtschaftlich genutzten Hauptwege freigegeben werden. Entlang der Wege wurden sämtliche Eschen geschlägert, „es liegt aber noch Holz herum, das abtransportiert werden muss“, sagt Michael Förster von der Stadtgemeinde, der für den Bereich Forst zuständig ist. Zug um Zug werden die von einem Pilz befallenen Eschen umgeschnitten. Das warme Winterwetter verzögert die Arbeiten, das schwere Gerät würde zu tiefe Furchen in dem aufgeweichten Boden verursachen, begründet Förster.

„Es gilt: Bäume, die nicht befallen sind, müssen geschützt werden. Nur so kann die Natur Resistenzen aufbauen.“Franz Els, Bauhof Stockerau

Trotz Sperre trifft er im Wald immer wieder auf Spaziergänger. Vor allem, wenn es windig ist, suchen Frischluftsuchende vermeintlichen Schutz im Auwald – ein lebensgefährliches Unterfangen, wie Förster mahnt. „Jeden Tag fallen Eschen um, wenn Wind geht, dann noch mehr.“ Die 20 bis 30 Meter hohen Bäume wiegen bis zu fünf Tonnen.

Resistente Bäume sind ihm bis dato noch nicht untergekommen, „100 Prozent der Eschen sind betroffen“, hat er die Erfahrung gemacht. An der Krone lasse sich der Pilzbefall erkennen.

Laab: "Stockerauer Au soll sich selbst regenerieren"

Parallel zu den Schlägerungsarbeiten wird auch wieder aufgeforstet. Die Eschen werden durch Arten wie Schwarznuss, Eiche, Kirsche oder Kanadapappel ersetzt. In der Stockerauer Au hingegen überlässt man das lieber der Natur: „Sie soll sich selbst regenerieren. Die Samen, die abfallen, werden mit einer Baumschutzhülle geschützt“, so Els. Damit ist auch die Vielfalt der Pflanzenwelt gesichert. „Immerhin hängt da noch viel mehr dran: Es geht um das Leben vieler Waldtiere“, denkt Laab an die Au-Bewohner.

Kein Problem ist es hingegen, die unzähligen Baumstämme an den Mann zu bringen. „Das Holz lässt sich gut vermarkten. Schönes Stammholz geht an die Möbelindustrie, Holz mittlerer Qualität wird zu Spanplatten verarbeitet“, erklärt Els. Das viele, oft feingliederige Kronenholz wird zu Brennholz. „Dabei sind uns die Selbstwerber, also Private, die das Holz aufarbeiten, eine enorme Hilfe. Sie haben über 500 Raummeter an Holz verarbeitet“, ist Els dankbar.