Langenzersdorf

Erstellt am 06. Dezember 2017, 13:42

Angewandte will Zerfall der Heidel-Skulpturen stoppen. Angehende Restauratoren der Wiener Angewandten schützen Skulpturen von Alois Heidel durch wieder belebtes Konzept der Wintereinhausung – Projekt will optimalen Schutz gegen Witterung eruieren – Erste Notmaßnahmen an Kunstwerken gesetzt.

Bau von Wintereinhausungen  |  IKR Christoph Schleßmann

Studierende und Lehrpersonal des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Wiener Universität für angewandte Kunst haben im Skulpturengarten des "Langenzersdorf Museum" mit der Restaurierung von Skulpturen des Wiener Bildhauers Alois Heidel begonnen. Abgebrochene Teile der Kunstwerke wurden bereits wieder fixiert.

Nun soll über den Winter geklärt werden, welche Art von Wintereinhausungen optimal geeignet sind, die Tierdarstellungen und Prismenfiguren dauerhaft gegen Schäden durch Witterungseinflüsse in der kalten Jahreszeit zu schützen. Musterrestaurierungen im Zuge einer Diplomarbeit und eines Vordiploms von Studierenden sind in das Projekt integriert und liefern wichtige konservierungswissenschaftliche Erkenntnisse.

Der Pelikan, die Ziege, Prismenfiguren, oder Lichtspiel: Skulpturen des Bildhauers Alois Heidel (1915-1990) sind charakteristische Merkmale zahlreicher kommunaler Wohnbauten Wiens der 1950er, 60er und 70er Jahre. Das Langenzersdorf Museum, kurz LEMU, präsentiert zahlreiche Werke des aus Wien stammenden Künstlers in seinem Skulpturengarten. Es sind dies Tierdarstellungen und die in Heidels Schaffen später aufkommenden Prismenformen, insgesamt 18 Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien und verschiedenen Fertigungstechniken. Die mittlerweile notgesicherten Werke umfassen zwei Skulpturen aus Naturstein, einige Ziegelsteinplastiken und mehrere Kunststeinplastiken.

Gefahr in Verzug

Alois Heidel studierte bei Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste Bildhauerei. Dem LEMU übergab Heidel 1988 zahlreiche seiner Werke als Dauerleihgabe. Obwohl der Künstler in einem Brief an das Museum ausdrücklich darauf hinweist, dass alle Werke für die Ausstellung im Außenbereich geeignet sind, haben über die Jahre Regen, Sonne und vor allem Schnee deutliche Spuren an den Skulpturen hinterlassen. Um den Zerfall aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen, ist die restauratorische Behandlung der Skulpturen unerlässlich, da Gefahr in Verzug ist.

Notmaßnahmen bereits erfolgt

Studierende und Lehrende des Fachbereichs Stein des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien unter Anleitung der Universitätsassistentinnen Marija Milcin und Susanne Sandner haben daher im Oktober mit ersten Maßnahmen zur Rettung der Heidel-Skulpturen begonnen. Nach der durchgeführten Bestandsaufnahme wurden lose Teile wieder fixiert oder geklebt. Univ.-Prof. Dr. Gabriela Krist, Leiterin der Restaurierung an der Wiener Angewandten: „Neben sofortigen Notmaßnahmen ist es wichtig, eine dauerhafte Lösung zum Schutz der Skulpturen, künstlerische Zeugnisse aus der Zeit des Wiederaufbaus Österreichs, zu eruieren. Wir setzen auf das altbewährte Konzept der Wintereinhausung und erforschen für das LEMU die optimale Variante.“

Mag. Gregor-Anatol Bockstefl, Museumsleiter des LEMU: „Der Skulpturengarten des LEMU – einer der wenigen Skulpturengärten in Niederösterreich – ist integrierender Bestandteil des Museums, hat für die BesucherInnen eine große Attraktivität und Anziehungskraft und trägt maßgeblich zum Selbstverständnis des Museums als Ort für die Präsentation und Vermittlung von Skulptur bei. Die Konservierung und Restaurierung der durch die wechselnden Witterungsverhältnisse arg in Mitleidenschaft gezogenen Heidel-Skulpturen ist daher ein lang gehegtes Desiderat. Es freut mich sehr, dass die Restaurierungsklasse der Wiener Angewandten als fachkundiger Kooperationspartner gewonnen werden konnte.“

Wintereinhausungen sollen erprobt werden

Lehrende und Studierende der Angewandten starteten deshalb mit der Entwicklung eines Systems für Wintereinhausungen. Diese früher für Skulpturen übliche Schutzmaßnahme geriet lange in Vergessenheit und wurde in den vergangenen 10 Jahren von den Konservierungswissenschaften wieder aufgegriffen. Ziel ist es, die Objekte im Winter vor direktem Wasser- und Schneeeintrag zu schützen und damit Schäden durch den Frost-Tau-Wechsel vorzubeugen.

Studierende der Angewandten retten Heidel-Skulpturen  |  IKR Christoph Schleßmann

Um für den Museumsgarten ein passendes System zu eruieren, wurden zwei Modell-Einhausungen gebaut: eine traditionelle Holzeinhausung und eine moderne „Softwrap“-Variante aus dem dampfdurchlässigen, aber wasserabweisenden „Geotexil“ Tyvek, das ist ein Vliesstoff aus Polyethylen hoher Dichte. Über den kommenden Winter werden die RestauratorInnen unter anderem Klimadaten innerhalb und außerhalb der Einhausungen sammeln, um dann das optimale System für das LANGENZERSDORF MUSEUM festzulegen.

Eine Diplomarbeit, die in das Projekt integriert ist, behandelt die Kunststeinplastik. Mit dieser Forschungsarbeit soll das Konzept und die Methoden für die Restaurierung aller Kunststeinplastiken im Garten geklärt und anhand einer polychromen, also farblich gefassten sowie einer kunststeinsichtigen Figur definiert werden. Die zwei ausgesuchten Objekte werden musterrestauriert. Ein Vordiplom soll dann ab Frühjahr 2018 die restauratorische Vorgehensweise für die Ziegelsteinplastiken von Alois Heidel klären.