Krems

Erstellt am 14. Januar 2018, 06:22

von Karl Pröglhöf

Trotz Pension: Kremser auf Hilfseinsatz in Westafrika. Der Kremser Chirurg Leo Mitteregger ist in seiner Pension immer wieder mit Ärzteteams in aller Welt unterwegs, um Leistenbrüche zu operieren.

Leo Mitteregger mit seinem international besetzten Ärzteteam beim Hilfseinsatz in Gambia.  |  privat

Leo Mitteregger, bis zur Pensionierung Chirurg im Kremser Krankenhaus, greift mit 70 Jahren noch immer zum Skalpell. Und das mit nach wie vor sicherer Hand, freiwillig und auf eigene Kosten. Er engagiert sich in der internationalen Hernia-Ärztevereinigung zur Operation von Nabel- und Leistenbrüchen.

„Wir sind in fünf Tagen je an die zwölf Stunden am OP-Tisch gestanden“

Nach Einsätzen unter anderem in Nigeria, Pakistan und Peru leitete der Kremser diesmal ein Operationsteam in Gambia (Westafrika), dem Kollegen aus England und Spanien sowie eine junge Kubanerin angehörten. Ein einheimischer Anästhesist unterstützte die Chirurgen, die alle Hände voll zu tun hatten.

„Wir sind in fünf Tagen jeweils an die zwölf Stunden am Operationstisch gestanden und haben in Summe 85 Eingriffe bei 78 Patienten durchgeführt“, bilanziert Mitteregger zufrieden über die intensive Woche in der Stadt Farafenni, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Banjul entfernt.

Das Spital war verhältnismäßig gut ausgestattet, Operationsbesteck und hochwertiges Nahtmaterial, finanziert mit 1.700 Euro Spendengeld, hatte Mitter egger ebenso im Reisegepäck wie Plüschtiere.

„Ich habe viele Kinder operiert. Das hat sich rasch herumgesprochen. Neben den vorgemerkten Patienten sind auch einige aus dem Senegal gekommen. Auffallend war die hohe Zahl an Wasserbrüchen bis hin zur Größe eines Handballs, eine Entwicklungsstörung im Hodenbereich“, berichtet der Arzt der NÖN. Und er denkt oft an einen 12-Jährigen mit einem vermutlich bösartigen Gewächs im Nackenbereich.

Trotz aller Strapazen möchte Mitteregger seine Arbeit fortsetzen. Sein nächstes Wunsch einsatzgebiet ist Bangladesch.