Lilienfeld

Erstellt am 12. Dezember 2017, 05:37

von Lisa Röhrer

„Gaffer“ oft zum Helfen eingeteilt. Die Schaulust nimmt zu. Sichtschutzwände seien aber nicht nötig. Meist wird der Einsatzort mit Decken abgeschirmt.

Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner analysierte mit der NÖN genau, mit welchen Herausforderungen die Polizei im Bezirk Lilienfeld konfrontiert ist.  |  NOEN, Wohlmann

Passanten halten an und auch Autofahrer bleiben stehen und beobachten das Geschehen. Gerade bei Unfällen versammelt sich oft eine ganze Schar voll Beobachter rund um die Einsatzstelle. Oftmals noch bevor die Rettungskräfte vor Ort sind und mit der Versorgung der Verletzten beginnen können. Auch die Blaulicht-Organisationen im Bezirk haben immer wieder mit Schaulustigen zu tun.

Die ungebetenen Zaungäste erschweren nicht nur die Arbeit der Rettungskräfte, sie greifen auch massiv in die Intimsphäre der Betroffenen und Verletzten ein. „Die Menschen machen dann Fotos oder Videos und diese landen dann auf Facebook und Co.“, berichtet Christian Teis vom Bezirksfeuerwehrkommando Lilienfeld.

In Deutschland brachte dieses Verhalten einen Feuerwehrmann vor wenigen Wochen derart zur Weißglut, dass er die Gaffer mit Wasser bespritzte. Nicht ganz so drastisch, aber dennoch bestimmt, geht die Feuerwehr Wiener Neustadt gegen die ungebetenen Beobachter vor. Sie hat einen mobilen Sichtschutz angeschafft. „Bitte nicht stören, wir helfen“, steht auf den aufklappbaren Wänden, mit denen Unfallstellen nun abgeschirmt werden.

„Wir fragen oft auch Passanten, ob sie Decken halten können. Jede helfende Hand ist bei einem Einsatz wertvoll.“

Matthias Wahringer

„Das ist bei uns eher kein Thema, da wir keine Hauptverkehrsträger haben“, sind sich die Blaulichtorganisationen im Bezirk einig. Für die Verkehrsunfälle auf den beiden Bundesstraßen, die durch den Bezirk führen, wisse man sich im Normalfall auch so zu helfen. „Wir parken die Autos oft so, dass die Stelle nicht so leicht einzusehen ist“, sagt Teis.

Sichtschutzwände seien im Bezirk St. Pölten nicht notwendig. Stattdessen verwenden die Einsatzkräfte Decken und teilen auch schon mal Schaulustige zum Helfen ein.  |  NOEN, Bezirksfeuerwehrkommando Lilienfeld

Bei Einsätzen, bei denen es Verletzte gibt oder die Feuerwehr jemanden aus einem Fahrzeug schneiden muss, werden außerdem Decken gespannt. „An den kleineren Straßen im Bezirk kommen meistens nicht so viele Menschen vorbei und außerdem sind diese durch viele Kurven und enge Stellen meistens ohnehin nicht so gut einsehbar“, führt der Silberhelm weiter aus. Zustimmung bekommt er von Patrick Bauer, dem Pressesprecher des Roten Kreuzes Lilienfeld: „Die Idee der Feuerwehr Wiener Neustadt, einen Sichtschutz anzuschaffen, ist gut. Bei uns ist das aber nicht notwendig.“

Passanten sind nicht zwangsläufig Problem

Ähnlich sieht das der Leiter-Stellvertreter der Samariterbund-Dienststelle in Traisen, Matthias Wahringer: „Bei uns ist die Schaulust ein geringeres Problem, auf der Autobahn aber ein sehr großes.“ Auch beim Samariterbund ist es üblich, Unfallstellen mit Decken oder Leintüchern abzuschirmen. Schaulustige und Passanten werden oftmals auch selbst zum Helfen eingeteilt. „Wenn niemand da ist, der den Sichtschutz halten kann, fragen wir oft Passanten, ob sie helfen können“, sagt Wahringer. Jede helfende Hand sei bei einem Einsatz wertvoll und notwendig.

Passanten oder Autos, die anhalten, sind auch für Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner nicht zwangsläufig ein Problem: „Man muss bei einem Unfall ja sogar stehen bleiben und Hilfe leisten“, gibt er zu bedenken. Die Landespolizeidirektion NÖ appelliert allerdings, die Arbeit der Einsatzkräfte nicht zu behindern und keine Fotos oder Videos der Beteiligten anzufertigen und in sozialen Medien zu verbreiten. „Das ist pietätlos. Niemand will aus dem Internet erfahren, dass ein Angehöriger verunglückt ist“, sagt Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizei NÖ.

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