Erstellt am 14. Februar 2017, 04:00

von Denise Schweiger

Diagnose aus dem Netz. Suchmaschinen im Internet machen aus jedem Symptom eine schwere Erkrankung, Ärzte klagen über „Doktor Google“.

Symbolbild

Schmerzen in der Brust, Atemnot, Schweißausbrüche und Übelkeit. Diagnose: Herzinfarkt – laut „Doktor Google“. Immer mehr Patienten suchen im Internet Antworten auf Fragen, die normalerweise ein Arzt klärt.

"Patient war total panisch"

„Der Patient war total panisch und davon überzeugt, dass er kurz vor dem Herzinfarkt steht. Eigentlich hatte er nur eine Verspannung“, erzählt Bernadette Dornigg. Sie ist Internistin im Landesklinikum Melk und arbeitet als Allgemeinmedizinerin mit Ordination in Ybbs. Solche Situationen gehören mittlerweile zum Alltag der Ärzteschaft.

„Die Patienten ,googeln‘ sofort, wenn sie Beschwerden haben. Sie gehen dabei immer vom Schlimmsten aus: Krebs und Herzinfarkt“, berichtet Dornigg. Durch die Panikmache im Internet sind die Menschen verängstigt: Sie verlangen Behandlungen, die sie eigentlich gar nicht brauchen.

Patienten vertrauen Ärzten nicht mehr

„Eine CT oder ein EKG wird durch erfahrene Ärzte angefordert. Die Patienten beharren jedoch auf diese Untersuchungen. Somit treten wesentlich höhere Behandlungskosten auf, außerdem setzen sie sich einer Belastung durch die Bestrahlung aus“, so Dornigg. Abgesehen davon verlängert sich auch die Behandlung durch die vorgefertigte Diagnose aus dem Netz.

„Medizin interessiert jeden. Deshalb müssen die Leute unbedingt aufgeklärt werden“, meint Bernadette Dornigg.  |  privat

Eigens recherchierte Diagnosen aus dem Internet führen zu Diskussionen im Arbeitsalltag: „Die Leute glauben den Ärzten nicht mehr – auch wenn die Symptome nach medizinischem Fachwissen erklärt werden“. Lungenfacharzt und Fachärztevertreter im Bezirk Reinhold Neuwirth sieht das Problem in der jungen Generation.

„Ich behandle als Lungenfacharzt eher ältere Menschen. Da gehen die Leute bei Beschwerden einfach zum Arzt, nicht online auf die Suche nach Erklärungen“, so Neuwirth. Der Bezirksärztevertreter für Melk Harald Waxenegger wollte sich auf NÖN-Anfrage nicht zum Thema äußern.

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