Erstellt am 06. Februar 2018, 05:00

von Christian Eplinger

Raika besiegelt das Aus für zehn Filialen. Mit 4. Mai werden zehn Raiffeisen-Filialen im Mostviertel geschlossen. Die Ortschefs hoffen jetzt zumindest auf den Erhalt der Bankomaten.

Vor dem Aus: Raiffeisenbank in St. Anton/Jessnitz  |  NÖN

In einem anonymen Brief wurden die Gemeinden vor drei Wochen schon vorgewarnt (die NÖN berichtete), jetzt sind die Würfel gefallen. Die Gremien der Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel beschlossen das Aus für zehn der insgesamt 30 Filialen im Mostviertel.

Betroffen sind Leiben, Emmersdorf, Weiten, Krummnußbaum, Golling und St. Martin sowie St. Georgen/Leys, Reinsberg, St. Anton (Bezirk Scheibbs) und Schwarzenbach (St. Pölten Land). Als Tag X ist der 4. Mai fixiert.

Im März 2013 berichtete die Melker NÖN über neun Schließungen im Bezirk. Die Filialen sperrten damals mit 30. April zu.  |  NÖN

„Die Schließungen betreffen Bankstellen, die maximal mit zwei Mitarbeitern besetzt sind. Das ist im Zeitalter der Digitalisierung, Spezialisierung und immer höheren Regulatorien nicht mehr zeitgemäß“, begründet Direktor Johann Vieghofer diese Entscheidung. In einer kleinen Service-Stelle sei es wegen der nötigen Zertifizierungen unmöglich, Hypothekar-, Wertpapier- oder Versicherungsgeschäfte abzuwickeln.

Dass dahinter auch ein Kostendruck steht, verhehlt Genossenschaftsobmann Leopold Gruber-Doberer nicht: „Wir müssen uns zeitgemäß aufstellen und Veränderungen ins Auge sehen. Natürlich hat keine Gemeinde eine Freude, wenn eine Bankstelle geschlossen wird. Ich kenne das als Bürgermeister aus eigener Erfahrung.“

Unterschriftenaktion in mehreren Gemeinden

Für die betroffenen Gemeinden ist das nur wenig Trost. „Damit ist der Grundgedanke von Raiffeisen endgültig weg“, bedauert Weitens VP-Bürgermeister Franz Höfinger. Gleich nach dem Entschluss legte er seine Funktion als Regionalrats-Delegierter der Raiffeisenbank zurück. Er schätzt die Situation in Weiten dennoch tragbarer als in anderen Gemeinden ein. „Ich bin froh, dass wir noch die Sparkasse haben. Die müssen wir jetzt auf jeden Fall erhalten.“ Der Wunsch der Bevölkerung ist klar: „Es haben viele angerufen oder gegen die Schließung unterschrieben.“

Die nächstgelegenen Filialen für Leiben sind Pöchlarn und Melk. Emmersdorf und Leiben fallen durch die Schließungswelle weg und auch die Volksbank in Klein-Pöchlarn schließt noch Ende Februar. „Wir werden natürlich tun, was möglich ist, aber viel Hoffnung habe ich nicht mehr“, sagt Leibens SP-Ortschefin Gerlinde Schwarz.

Vor allem den Bankomaten möchte sie nicht aufgeben. „Das müssen wir noch besprechen. Vorerst bleibt er bestehen, das wurde mir versichert. Aber für die Zukunft brauchen wir unbedingt eine Lösung.“ Darüber hinaus spricht sie an, dass genau solche Entscheidungen zur Ausdünnung des ländlichen Raums führen. Am Gemeindeamt liegt eine Unterschriftenliste für den Erhalt der Filiale auf. „Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder“, meint Schwarz.

„Wir werden natürlich alles tun, was möglich ist. Aber viel Hoffnung habe ich nach dieser Woche nicht mehr.“Gerlinde Schwarz, SP-Bürgermeisterin, Leiben

Unerwartet kam die Schließung auch in Emmersdorf. „Da arbeiten wir immer daran, dass wir die Infrastruktur im Ort erhalten, und dann machen sie uns die Kassa zu“, ärgert sich VP-Ortschef Josef Kronsteiner. Er möchte intensive Gespräche mit den Raika-Verantwortlichen suchen. „Wir werden uns bemühen, eine tragbare Lösung zu finden“, betont Kronsteiner.

Im anonymen Schreiben vor drei Wochen war von St. Martin noch keine Rede. Aber auch diese Filiale schließt mit 4. Mai. Im NÖN-Gespräch gibt sich SP-Ortschef Martin Ritzmaier wortkarg: „Ja, wir sind betroffen. Mehr kann ich noch nicht sagen.“ Beim „Nah&Frisch“ lag in den letzten Wochen eine Unterschriftenliste für den Erhalt der Bank auf. Diese befindet sich übrigens gemeinsam mit dem Gemeindeamt im Gebäude.

In Golling schließt damit nach der Volksbank die zweite und letzte Bank während der Ära von SP-Ortschefin Gabriele Kaufmann. „Das ist furchtbar, vor allem für die kleinen Gemeinden. Ich habe in Gesprächen alles deponiert, was möglich war, aber es hat nichts gebracht.“ Vor allem die ältere Generation ist überfordert. „Viele haben gefragt, wie sie in Zukunft zur Bank kommen.“ Einziger Lichtblick: Beim Gemeindeamt befindet sich noch der Volksbank-Bankomat.

Kerndler: "Wäre gerne vorher informiert worden"

NÖN

Der Krummnußbaumer VP-Ortschef Bernhard Kerndler kritisiert die fehlende Kommunikation seitens der Raiffeisenbank. „Ich wäre gerne vorher informiert worden, warum unsere Filiale geschlossen wird und welche wirtschaftlichen Faktoren mitspielen. Und will nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“ Das Leitbild eines Miteinanders der Raika werde durch so einen Beschluss missachtet. Für Kerndler zählt jetzt noch eines: „Dass zumindest der Bankomat bleibt.“

Ob und welche Bankomaten bestehen bleiben, ist jedoch noch nicht klar. „Wir werden jeden Standort anschauen und evaluieren, wo ein Bankomat Sinn macht. Wir führen Gespräche mit den Nahversorgern und hoffen, hier gemeinsame Lösungen zu finden“, erklärt Direktor Eduard Neumayer.

Übrigens: Vor fünf Jahren ereilte eine ähnliche Nachricht die Raiffeisenbanken im Bezirk (damals noch „Raiba Region Melk). Ebenso nur wenige Wochen nach der Landtagswahl wurden Schließungen für neun Filialen (Maria Laach, Raxendorf, Artstetten, Laimbach, Neukirchen, Münichreith, Maria Taferl, St. Oswald und Erlauf) beschlossen.

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