Marbach an der Donau

Erstellt am 10. Januar 2018, 05:00

von Anna Faltner

Bürgermeister Anton Gruber: „Kritik prallt an mir ab“. Seit 8. Jänner 2008 leitet Anton Gruber als Bürgermeister (SPÖ) die Geschicke der Gemeinde. Mit der NÖN sprach er über den Flutschutz, Personalführung und Machtkämpfe.

 |  Faltner

NÖN: Seit zehn Jahren sind Sie Bürgermeister von Marbach. In welchem Zustand haben Sie die Gemeinde da übernommen?

Anton Gruber: Damals war die Situation angespannt: Hochwasserschutz gab es keinen, das Freibad stand kurz vor der Schließung, die Volksschule vor der Sanierung. Politisch stand es auch ziemlich heikel. Von der Mandatszahl stand es zehn zu neun. Wir waren uns nicht sicher, ob Marbach eine SPÖ-Gemeinde bleibt.

Was waren die ersten Schritte, die Sie gesetzt haben?

Gruber: 2008 haben wir das Freibad neu eröffnet. Und wir haben den „Abend für Marbach“ eingeführt. Einmal im Jahr müssen die Bürger persönlich informiert werden. Und für mich stand fest, dass ein Hochwasserschutz her muss.

Welche Qualitäten muss ein Bürgermeister mitbringen?

Gruber: Ich glaube, dass man auf der einen Seite Personalführung beherrschen muss. Auf der anderen Seite braucht man auch Visionen, wie sich eine Gemeinde entwickeln soll. Aber gleichzeitig muss man auch ein gewisses Verständnis der Kostenentwicklung haben. Ich glaube, dass eine gewisse Erfahrung in all dem notwendig ist, damit man diesen Job machen kann.

Was war die größte Herausforderung in den zehn Jahren?

Gruber: Das war sicher der Hochwasserschutz. Der hat mir meine Glatze gekostet.

Kann man es als Bürgermeister allen recht machen?

Gruber: Nein. Das ist eine Erfahrung, die ich in den zehn Jahren gemacht habe. 2008 habe ich mir gedacht: Ich werde der Bürgermeister, der es allen recht macht. Aber das ist unmöglich.

„2008 habe ich mir gedacht: Ich werde der Bürgermeister, der es allen recht macht. Aber ich habe gelernt: Das ist unmöglich.“SP-Ortschef Anton Gruber

Steht Gemeindepolitik vor Parteipolitik?

Gruber: Der Wahlkampf 2010 war wirklich hart, vonseiten der Opposition teilweise auch sehr unfair. Man wollte mir den reinen Parteipolitiker zuschreiben. Aber genau das wollte ich nicht sein. Bei mir hat es in diesen zehn Jahren nie eine parteipolitische Entscheidung gegeben. Wenn jetzt ein Bürger kommt, der bekannterweise ein ÖVP- oder FPÖ-Wähler ist, der wird von mir sicher nicht anders behandelt als ein gestandener SPÖ-Wähler. Das habe ich nie und würde ich auch nie tun.

Wie ist das Verhältnis zwischen SPÖ und ÖVP jetzt?

Gruber: Nach der Gemeinderatswahl war die Situation sehr angespannt. Da kamen Frustäußerungen von den VP-Kollegen, die ja erwartet hatten, dass sie den Bürgermeister stellen. Dass sie zwei Mandate verlieren, damit haben sie nicht gerechnet. Es ist einiges besser geworden, aber eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist mir bis jetzt noch nicht gelungen.

Egal ob beim Kampf um den Hochwasserschutz, Gemeinderatswahl 2010 oder auch bei der letzten Bundespräsidentenwahl. Schon häufig gab es Kritik von politischen Vertretern. Wie geht man damit um?

Gruber: Kritik ist mir anfangs sehr nahe gegangen. Aber mittlerweile prallt das an mir ab. Politische Kritik ist mir relativ egal.

Wo sehen Sie Marbach in zehn Jahren?

Gruber: Marbach wird, denke ich, in zehn Jahren keine große Industriegemeinde sein. Aber wir werden eine angenehme Wohngemeinde sein, und unseren Schwerpunkt auf Tourismus legen. Hoffentlich können wir bis dahin auch das Lutz-Areal dementsprechend beleben.