Neunkirchen

Erstellt am 20. April 2017, 04:00

von Philipp Grabner

Tochter musste auf WC: Ärger über Strafzettel. Neunkirchnerin über Strafmandat verärgert, weil ihre kleine Tochter aufs WC musste. Polizei weist Schuld aber von sich.

 |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Verärgert betritt am Mittwochvormittag der Vorwoche eine junge Neunkirchnerin die Redaktion der NÖN. An der einen Hand die dreieinhalbjährige Tochter, in der anderen Hand einen kleinen, weißen Zettel. Einen Strafzettel.

Im Gespräch schildert Jennifer Pöttschacher die kürzlich erfolgte Situation: Mit der kleinen Tochter war die Neunkirchnerin in der Stadt unterwegs, als ihr diese plötzlich mitteilte, dass sie aufs WC müsse.

"Man konnte wunderbar vorbeifahren"

Gegenüber der Buchhandlung am Hauptplatz, bei der Firma Hartlauer, parkte sie ihr Fahrzeug seitlich an der Straße – aus Mangel an freien Parkplätzen in der Nähe – um im Stadtcafe mit ihrer Tochter die Toilette aufzusuchen. „Das hat etwa fünf bis sieben Minuten gedauert, wie lange es eben dauert, wenn ein kleines Mädchen aufs WC muss. Ich habe dabei kein anderes Auto behindert, man konnte wunderbar vorbeifahren“, erzählt Pöttschacher.

Auf ihrer Windschutzscheibe findet sie bei der Rückkehr ein Strafmandat. „Auf dem Polizeiposten habe ich dann versucht, ob wir uns irgendwie einigen können, dass ich beispielsweise fünf oder zehn Euro zahle oder etwas spende“, so Pöttschacher, die versuchte, die ausweglose Situation darzulegen. „Es hieß, ich kann entweder auf den zuständigen Beamten warten oder 25 Euro zahlen!“ Sie tat zweiteres und verließ den Posten. Ihr Fazit? „Ich sehe nicht ein, dass ich 25 Euro zahlen muss, nur weil mein Kind aufs WC muss!“

„Eine Abmahnung kann nur von dem Beamten ausgesprochen werden, der den Zettel hinterlegt hat!“Herbert Kostal, Stadtwachekommandant.

Bei der Stadtpolizei Neunkirchen kennt man den Vorfall und reagiert auf schriftliche Anfrage der NÖN folgendermaßen auf die Begebenheit: „Es stimmt, dass der Lenkerin zwei Möglichkeiten angeboten worden sind. Erstens die Bezahlung der Strafe in Höhe von 25 Euro oder zweitens, mit dem die Amtshandlung führenden Beamten zu sprechen. Ein Kompromiss, wie von der Lenkerin geschildert, nämlich die Einhebung von 5 oder 10 Euro ist nicht möglich, zumal die Höhe der einzuhebenden Organmandate für das jeweils gesetzte Delikt gesetzlich geregelt ist“, informiert Stadtwachekommandant Herbert Kostal die NÖN.

Eine Abmahnung könne zudem nur von dem Beamten ausgesprochen werde, der den Verständigungszettel hinterlegt hätte. „Die Lenkerin wollte aber partout nicht auf den betreffenden Beamten warten und hat bezahlt!“, wehrt sich Kostal.