Gars am Kamp

Erstellt am 13. Februar 2018, 02:45

von Markus Strohmayer

Falco: Ein Leben voll von Gegensätzen. Österreichs Poptitan hatte eine bewegte Karriere. In Gars am Kamp fand er einen Rückzugsort.

Einer von Falcos letzten Auftritten.  |  H. Pfarrhofer/APA

„Deutscher Gesang mit internationalem Klang. Größter Star aller Zeiten. Ganz oder gar nicht“, lauteten die Parolen des jungen Hans Hölzel. Weniger kam für den Interpreten, der sich damals bereits Falco nannte – abgekupfert von einem Skispringer – nie in Frage. Der Name Programm und Vorzeichen hoher Flüge und tiefer Abstürze.

Zu seinem ersten Höhenflug setzte er 1981 an. Falco, Anfang zwanzig, feierte gerade internationale Erfolge mit „Der Kommissar“. Der Falke wollte ein Unikat sein. Nichts austauschbar. Kein Austropop und schon gar nicht Neue Deutsche Welle.

Die Falco-Villa ist nur zu besonderen Anlässen zugänglich. Im Bild Falco-Musical-Darsteller Alexander Kerbst.  |  Conny de Beauclair

Vergangene Woche jährte sich der Todestag von Johannes „Hansi“ Hölzel zum 20. Mal. Fast vier Dekaden, ein Nummer eins Hit in den USA und unzählige Gold- und Platinplatten später zeichnet sich ein differenziertes Bild des Ausnahmekünstlers.

In ein Genre ließ er sich nie gerne einordnen. Stattdessen verwendete er Elemente aus Rock, Rap, Punk und Pop. Zumindest zu Beginn seiner Karriere. Falco gefiel das Image des ersten weißen Rappers. Ebenso das des Literaten. Der ganz große Durchbruch gelang ihm aber mit Popnummern. Im Nachhinein betrachtet nicht so weit weg vom damaligen Mainstream.

Der Popstar und die Privatperson

Die Dualität zwischen Anspruch und Endergebnis zieht sich durch seine Karriere. In allen Lebensbereichen. U4-Türsteherlegende Conny de Beauclair sah die Widersprüchlichkeit stets im Privatleben des Sängers. „Wenn Hans bei meiner Frau und mir war, spürte ich seinen Wunsch nach Familie“, so der Wegbegleiter.

Das Gegenteil von Hans war Falco mit Alkohol- und Drogeneskapaden. Sein Produzent Markus Spiegel unterscheidet bis heute zwischen Privatperson und Kunstfigur. „Es gab den netten Menschen Hans und das arrogante Arschloch Falco, besonders unter Einfluss seines ständigen Kumpanen Jack Daniels“, sagt Spiegel.

Manager Horst Bork, mit dem Falco 1986 mit „Rock me Amadeus“ an die Spitze der US-Charts stürmte, stimmt zu: „Der Hansi wollte ein Weltstar sein, aber nie in die USA ziehen.“

Zeit seines Lebens bemängelte Falco, dass die „Amis“ seinen Wiener Schmäh nicht verstehen. Die österreichische Hauptstadt prägte ihn nachhaltig. Häufig Inspiration für seine Werke, war ihm Wien aber ebenso oft zu hektisch. Die Ablenkungen zu groß.

Letzter Ausweg – Gars am Kamp

Ein Rückzugsort war seine Villa in Gars am Kamp im Waldviertel. Besonders in den 90ern, als die großen Erfolge ausblieben. Am Land fand er Ruhe. Der Nebenwohnsitz im Grünen ist seit Falcos Tod unverändert. Die Villa spiegelt die ganze Palette an Gegensätzlichkeiten von Hans und Falco wider. Ein gutbürgerlicher Wohnbereich im 80er-Jahre-Schick bestückt mit einer dekadenten Garderobe.

Die Gemeinde Gars am Kamp ist ein Sinnbild für Falcos ewigen Zwiespalt: Der Popstar in einem Dreieinhalbtausend-Seelen-Ort. Stets mit dem Vorsatz, sich von Tour- und sonstigen Strapazen zu erholen. Oft verlor Falco den inneren Kampf gegen Alkohol und Drogen jedoch, wie Wolfgang Kosmata von der Falco Stiftung weiß. „Seine Feste und Gelage sind vielen Menschen hier bis heute in Erinnerung“, so Kosmata. Unter den Einwohnern sind deshalb nicht nur Falco-Fans.

Die Stiftung möchte Gars am Kamp dennoch in eine Falco-Pilgerstätte verwandeln. Die Villa soll öffentlich zugänglich werden. Zu Falco – einem Mann voller Widersprüche – würde es passen: sein einstiges Refugium als Touristenattraktion.