Baden

Erstellt am 17. April 2018, 01:57

von Thomas Jorda

Michael Lakner: "Ich bin immer offen für Neues“. Seit ziemlich genau einem Jahr ist Michael Lakner Direktor des Stadttheaters Baden. Zeit, eine Bilanz zu ziehen.

Michael Lakner schwärmt von Baden und ist stolz auf seine erste Saison. Obwohl nicht alles aufgegangen ist.  |  Hofer

NÖN: Anlass unseres Gesprächs ist Ihr einjähriges Jubiläum als Direktor des Stadttheaters Baden.

Michael Lakner: Es ist wirklich fast genau ein Jahr her. Ich habe am 1. April des Vorjahres begonnen. Aber nicht als Aprilscherz.

Wie schaut die Bilanz dieses Jahres aus. Sind Sie nach vielen Jahren in Bad Ischl schon in Baden angekommen?

Lakner: Ja. Ich empfinde Baden als richtiges Wohlfühl-erlebnis. Wenn ich nach Wien fahre und dann nach Baden zurückkomme, bin immer wieder froh, weil die Ruhe und die Atmosphäre der Stadt meinem Lebensgefühl sehr entgegenkommen, meinem Verständnis von Lebensqualität. Ich brauche Ruhe im privaten Bereich, weil Theater habe ich den ganzen Tag genug.

Also ein intensives Nachtleben muss nicht sein?

Lakner: Nein, das war auch bei mir nie so.

Sie haben lange in Bad Ischl gelebt. Da gibt’s auch wenig Unterhaltung.

Lakner: Es ist sehr ähnlich, wobei, das muss ich schon sagen, Baden hat viele Vorzüge, was die Infrastruktur betrifft. Vor allem für mich, denn ich bin ein passionierter Heurigengeher, und da hat man viele Angebote direkt vor der Tür.

Wenn man als Theaterdirektor anfängt, versucht man, heimisch zu werden, und weiß trotzdem nicht, wie lange man bleiben wird.

Lakner: Ich habe gelernt, dass es ganz wichtig ist, im Moment und für den Moment zu leben. Aber ich bin immer offen für Neues.

Nach einem Jahr – ist alles aufgegangen, was Sie erreichen wollten?

Lakner: Natürlich nicht alles. Es braucht eine gewisse Zeit, bis sich Publikum und Intendant finden. Auf beiden Seiten. Man hat natürlich Vorstellungen von einer Stadt und einem Publikum, aber die Realität ist vollkommen anders. Ich kann das zum Beispiel festmachen am Konzertbereich, wo ich meine Fehler gemacht und eine Lernphase durchgemacht habe. Ich habe versucht, ein hochtrabendes, intellektuelles Programm zu machen. Und bin draufgekommen, das kommt nicht so gut an, da muss ich populärer im besten Sinn des Wortes sein.

Und das Musiktheater?

Lakner: Beim Musiktheater war für mich die positive Erfahrung, dass „Der Freischütz“ so gut angekommen ist. Das hätte ich nicht gedacht. Viele Leute sind zu mir gekommen und haben gesagt: Wir stehen nicht so auf Oper, aber das hat uns wahnsinnig gut gefallen. Was mich bestätigt hat, dass wir diesen Weg weitergehen können, mit Unterstützung des Publikums. Es hat ja keinen Sinn, am Publikum vorbei zu produzieren und das Haus leer zu spielen.

Und schlechte Erfahrungen?

Lakner: Ich war sehr erstaunt, dass „Ein Käfig voller Narren“ von der Auslastung her nicht so funktioniert hat, wie ich das erwartet hätte. Ich habe gedacht, dass die klassischen Musicals hier hervorragend funktionieren. Aber insgesamt bin ich mit der ersten Saison, mit den vielen neuen Produktionen, sehr, sehr zufrieden.

Wird’s in der nächsten Saison wieder eine Oper geben?

Lakner: Ja, ich möchte diesen Weg weitergehen und jene Opern spielen, die dazwischen eingestreute Dialoge haben. Aber welche es sein wird, verrate ich nicht.

So zwischen Martha, Wildschütz und Fidelio?

Lakner: Richtig. Aber ich sag’ trotzdem den Namen nicht.