Erstellt am 13. Februar 2018, 01:46

von Daniel Lohninger

NÖ: Waldviertel bleibt Sorgenkind. Gmünd, Zwettl und Waidhofen schrumpfen weiter, Zuzug ins Wiener Umland hält an.

Symbolbild  |  Shutterstock.com, hobbit

Um 5.146 Einwohner wuchs Niederösterreich im vergangenen Jahr – also fast um die Einwohnerzahl der Bezirkshauptstadt Gmünd. Mit 1,67 Millionen Einwohner ist Niederösterreich das zweitbevölkerungsreichste Bundesland Österreichs, das Wachstum hat sich zuletzt aber deutlich verlangsamt.

Bei 0,31 Prozent lag es in Niederösterreich, im Bundesschnitt bei 0,57 Prozent. Bereits seit 2009 wächst die Einwohnerzahl unterdurchschnittlich, rechnet Regina Fuchs, von der Statistik Austria, vor: „Deutlich über dem Bundesdurchschnitt fiel das Wachstum zuletzt in den Jahren 2006 bis 2008 aus.“

Statistik Austria, Gebietsstand zum Stichtag 1.1.2018; NÖN-Grafik: Bischof

Hauptursache dafür ist, dass in keinem anderen Bundesland die Entwicklung regional so unterschiedlich ist. Niederösterreich stellt folglich sowohl die Spitzenreiter als auch die Schlusslichter Österreichs: Österreichs schnellstwachsender Bezirk ist Gänserndorf, der im Vorjahr um 1,4 Prozent zulegte. Auch die Bezirke Tulln, Korneuburg und Bruck/Leitha sowie die Städte St. Pölten und Wr. Neustadt wachsen rasch.

Zugleich schrumpfte die Einwohnerzahl nirgendwo in Österreich deutlicher als in den Bezirken Gmünd, Waidhofen/Thaya und Lilienfeld. Fuchs sieht hier keine Signale, dass sich dieser Trend abschwächen könnte: „Am generellen Trend der Schrumpfung von Bevölkerungen in peripheren Regionen und dem Bevölkerungszuwachs im Einzugsgebiet Wiens und entlang der Westachse hat sich nichts geändert – auch in den Jahren der Zuwanderung nicht.“

Bruck wuchs seit 2003 um fast 20 Prozent

Ein Blick auf die Entwicklung seit 2003 bestätigt das: Das stärkste Bevölkerungswachstum verzeichnete in dieser Zeit der Bezirk Bruck/Leitha, der nicht nur vom Zuzug aus Wien, sondern auch aus Bratislava profitiert und heute fast um ein Fünftel mehr Einwohner zählt als vor 15 Jahren. Wr. Neustadt (+18,6 Prozent) und der Bezirk Korneuburg (+17,8 Prozent) folgen knapp dahinter. Die stärksten Rückgänge gab es in den Bezirken Waidhofen/Thaya (-7,4 Prozent), Gmünd (-7,2 Prozent) und Zwettl (-6,5 Prozent).

Beim Land NÖ verfolgt man die Entwicklung seit Jahren genau und versucht gegenzusteuern, betont Landesrat Stephan Pernkopf: „Wir setzen viele Initiativen wie die Verlegung von 500 Dienstposten von St. Pölten in die Regionen oder den Ausbau der Verkehrsachsen.“ Der Spagat, den Niederösterreich schaffen muss: in peripheren Gebieten zu investieren und die urbanen Regionen nicht zu vernachlässigen – lebt doch im Umkreis von 25 Fahrminuten von Wien mehr als die Hälfte der Niederösterreicher. Pernkopf sieht hier aber auch eine Chance: „Niederösterreich ist die Verbindung von städtischen Räumen und ländlichen Regionen. Das stellt zwar neue Herausforderungen, aber auch neue Chancen dar. Denn nicht Kilometer-Entfernungen sollen über die Attraktivität einer Region entscheiden, sondern die Innovationskraft ihrer Menschen.“

Während in peripheren Regionen die Herausforderung ist, die Verödung zu stoppen, ist sie im Wiener Umland eine andere – den massiven Verlust von Grünraum einzudämmen. Mit strengen Raumordnungsregeln wirke hier das Land allen Unkenrufen zum Trotz bereits entgegen, betont Pernkopf: „Fast 1.000 Siedlungsgrenzen sind hier verordnet worden, über die hinaus nicht mehr gewidmet und gebaut werden darf.“