Erstellt am 19. April 2017, 09:07

von Christine Haiderer

Mehr psychische Leiden, mehr Lebensjahre. Die meisten Niederösterreicher fühlen sich gesund. Ein Drittel allerdings leidet unter chronischen Gesundheitsproblemen.

Landesrat Maurice Androsch und Landeshauptmannstellvertreterin Johanna Mikl-Leitner mit dem Gesundheitsbericht.  |  NÖN

Um 2,2 Jahre älter werden Männer, um 1,7 Jahre Frauen. Das zeigt der neue NÖ- Gesundheitsbericht. „Die Lebenserwartung ist weiter gestiegen“, so VP-Landeshauptmannstellvertreterin Johanna Mikl-Leitner. Von 2005 bis 2014 auf 78,6 Jahre beim Mann und auf 83,4 Jahre bei der Frau. „Die Menschen leben länger gesund.“

Und: „Vier von fünf Niederösterreichern sagen, dass sie sich sehr gesund oder gesund fühlen.“ Zu verdanken sei das der steigenden Qualität der NÖ Gesundheitsversorgung, dem Lebensstil, der Gesundheitsvorsorge und -förderung. „Der Bericht zeigt, dass wir gut aufgestellt sind“, so Mikl-Leitner. Gleichzeitig ist er „eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des NÖ Gesundheitswesens.“

Er macht deutlich, wo man gut unterwegs ist und wo es Maßnahmen braucht. Maßnahmen, wie die Einrichtung der NÖ Psychiatrie-Koordinationsstelle beim NÖGUS. Sie hat das Ziel, diesbezügliche Angebote in NÖ zu vernetzen, aufeinander abzustimmen und auszubauen. Immerhin: „Psychische Erkrankungen sind im Steigen“, betont Mikl-Leitner.

Hauptverband der SV-Träger/GÖG; Illustration: MSSA/Shutterstock.com; Grafik: Gastegger

Durch die immer hektischer werdende Zeit, genauso wie durch den Umstand, dass psychische Leiden nicht mehr tabuisiert werden. Um 73 Prozent sind etwa die Krankenstände bei der NÖ Gebietskrankenkasse von 2005 bis 2014 gestiegen (Grafik). Aber auch Krankenstandsdauer und Reha-Aufenthalte nehmen zu.

Jedes Jahr erkranken 7.000 bis 7.500 Niederösterreicher an Krebs. 2014 hatten 3.700 Niederösterreicher einen Herzinfarkt und 3.900 einen ischämischen Schlaganfall. Zwar ist die Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen gesunken, Allergien, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben aber zugenommen. Und: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist Niederösterreich“, das verrät der Bericht, „deutlich stärker von chronischen Krankheiten/Gesundheitsproblemen betroffen.“

Unter welchen? Das zeigen etwa die NÖGKK-Krankenstandsdaten (Grafik) – oder die Gesundheitsbefragung 2014. Dieser zufolge leiden 26 Prozent der Niederösterreicher unter Rücken- und 21 Prozent unter Nackenschmerzen. 25 Prozent haben Allergien, 23 Prozent Bluthochdruck, 14 Prozent Arthrose, sechs Prozent Diabetes sowie je fünf Prozent Asthma, COPD und chronische Bronchitis.

SP-Landesrat Maurice Androsch: „2014 verzeichneten wir 537.000 Menschen mit chronischer Erkrankung.“ Das sind 39 Prozent der Bevölkerung (ab 15 Jahren). Bestimmte Faktoren und Lebensverhältnisse können das Risiko erhöhen, krank zu werden. Dadurch sind manche Menschen besonders gefährdet. Wie Menschen in der Pflege und pflegende Angehörige. Androsch: „43 Prozent der Personen, die pflegen, leiden an einer chronischen Erkrankung.“

Einflussfaktoren & Lebensstil

Einfluss haben etwa auch Bildung und Chancen. Armut und Arbeitslosigkeit gelten als Risiko. Umso wichtiger ist es, Gesundheit in allen Politikbereichen zu thematisieren. Androsch: „Die Gesundheit der Bevölkerung könne nur wirksam und nachhaltig gefördert werden, wenn gebündelte Anstrengungen in allen Bereichen unter dem Leitbild von ,Health in all Policies’ unternommen würden.“

Ebenfalls Einfluss auf chronische Erkrankungen hat der Lebensstil. Das Problem: Mehr als die Hälfte der NÖ Bevölkerung ist übergewichtig. Nur 29 Prozent essen täglich Obst und Gemüse. Nur 24 Prozent bewegen sich ausreichend. Fast ein Viertel leidet unter Bluthochdruck. Mit Initiativen wie „Tut gut!“, so Mikl-Leitner, wurde schon viel erreicht. Doch: „Wir müssen die Menschen noch mehr dazu bringen, sich gesund zu ernähren, Obst zu essen, sich in der Natur zu bewegen …“