Erstellt am 13. Februar 2018, 13:50

von APA Red

AKNÖ erkämpfte 2017 knapp 51 Mio. Euro für Arbeitnehmer. Viele Anfragen zu Krankenstand - Insgesamt 155.000 Beschäftigte beraten

AKNÖ-Präsident Markus Wieser  |  Franz Gleiß

Die Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) hat im Vorjahr 50,8 Mio. Euro für Beschäftigte wegen Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen gesichert. Besonders viele Anfragen gab es zum Thema Krankenstand, wurde am Dienstag Bilanz gezogen. Insgesamt 155.000 Beschäftigte ließen sich von der AKNÖ beraten, das entspreche mehr als einem Viertel der Arbeitnehmer im Bundesland.

29,5 Mio. Euro wurden beispielsweise im Jahr 2017 für 4.700 Personen nach Insolvenz des Dienstgebers gesichert. 16,7 Mio. Euro wurden für 2.600 Arbeitnehmer vor Gerichten oder Behörden erstritten. Tausende Arbeitnehmer suchten im Vorjahr Hilfe bei der AKNÖ, nachdem ihnen der Arbeitgeber zum Beispiel geleistete Überstunden nicht abgegolten hatte. In Extremfällen sei nicht einmal der Grundlohn ausgezahlt worden, hieß es.

Zuletzt haben sich vermehrt Beschäftigte mit Anfragen rund um Krankenstand, etwa zur Erreichbarkeit, an die AKNÖ gewandt. 60 Prozent der Beschäftigten seien für Kollegen und Arbeitgeber erreichbar, wenn sie krank sind, sagte AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

Immer wieder sind Arbeitnehmer laut AKNÖ im Krankenstand "mit mehr oder weniger freiwilligen Beendigungen der Arbeitsverhältnisse" konfrontiert - in Form einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses. Häufig werde Betroffenen unverbindlich zugesagt, sie nach dem Krankenstand wiedereinzustellen. Daraus Rechte einzufordern, sei jedoch "äußerst schwierig", hieß es.

Erfolgreich unterstützt wurde etwa eine Kellnerin aus dem Bezirk Amstetten, deren Chef sie nach AKNÖ-Angaben im Krankenstand zu einer einvernehmlichen Auflösung drängen wollte. Sie stimmte dem nicht zu - und erhielt ein Schreiben von der Gebietskrankenkasse, dass sie nur mehr geringfügig beschäftigt sei. "Der Arbeitgeber hatte ohne ihr Wissen und Zustimmung einfach ihre Arbeitszeit reduziert", schilderte Thomas Kaindl, Leiter der Abteilung Regionale Aufgaben der AKNÖ.

Damit habe die Frau die Krankenversicherung verloren. "Der Betroffenen stand auch noch eine Operation bevor, die sie ohne Versicherung aus der eigenen Tasche hätte bezahlen müssen", so Kaindl. Nach Intervention der AKNÖ meldete der Dienstgeber die Frau nachträglich wieder mit der normalen Arbeitszeit an und zahlte ihr 1.300 Euro nach. Die Kellnerin war somit wieder voll krankenversichert und konnte die notwendigen medizinischen Behandlungen abschließen.