Update am 13. Oktober 2017, 09:37

von Christine Haiderer

Frauen arbeiten in NÖ seit dem 11. Oktober gratis. Am 13. Oktober ist in Österreich Equal Pay Day. Das bedeutet, dass an diesem Tag die Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen statistisch gesehen ihr Jahreseinkommen erreicht haben. In NÖ war es bereits am 11. Oktober soweit.

Symbolbild  |  Shutterstock.com, Greg Brave

„Die Österreicherinnen verdienen um 21,7 Prozent weniger als die Österreicher. In Niederösterreich sind es 22,3 Prozent“, so SP-Ministerin und NÖ-Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl Sonja Hammerschmid. Zwar verringert sich der Unterschied von Jahr zu Jahr ein wenig, im Vergleich  zum Vorjahr waren das aber etwa nur 0,63 Prozent. In Sachen Lohnschere zählt Österreich damit gemeinsam mit Estland und Tschechien zu den Schlusslichtern Europas.

Equal Pay Day in NÖ - klickt auf die Grafik, um sie in voller Auflösung zu betrachten.  |  Arbeiterkammer NÖ

Vom Equal Pay Day am 11. Oktober an arbeiten die Frauen in NÖ also gratis. „Das sind in Niederösterreich heuer 82 Tage“, betont SP-Landesfrauenvorsitzende Elvira Schmidt. Eine Ungerechtigkeit, die den Frauen bewusst ist. Im Rahmen einer informellen Umfrage Anfang des Jahres gaben rund 50 Prozent der Befragten Frauen an, dass sie zufrieden mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitsumfeld sind. Doch nur 30 Prozent sagen, dass sie Familienleben und Beruf vereinen können.  Nur 21 Prozent waren mit den Aufstiegsmöglichkeiten und dem Einkommen sehr zu zufrieden. Und: 89 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit immer noch weniger als Männer verdienen.

Zu den Gründen für die Lohndifferenzen zählt etwa, dass viele Frauen Teilzeit beschäftigt sind. Ein weiterer ist der, dass Frauen vor allem in Berufen arbeiten, die schlechter bezahlt sind. Und: Es gibt wenige Frauen in Führungspositionen.

Ganztagsschule, mehr Betreuung & Lohntransparenzgesetz

Was man tun kann? „Nur wenn die Eltern eine gute Betreuung ihrer Kinder haben, können sie entspannt ihrer Arbeit nachgehen“, betont Hammerschmid. Umso wichtiger ist eine qualitätsvolle und gute Betreuung. „Wir brauchen eine ganztätige Schule, die kostenfrei ist.“ Inklusive Mittagessen. Zudem fordert die SPNÖ den Rechtsanspruch für Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr. Wichtig ist auch, dass die Kindergärten lange genug geöffnet haben. Und es braucht mehr Transparenz. „Das Gesetz zur Einkommenstransparenz war dazu ein erster richtiger Schritt, muss jedoch erweitert werden“, so SPÖ-NÖ-Landesparteivorsitzender und Landesrat Franz Schnabl. Etwa durch ein Lohntransparenzgesetz, wie es der Plan A vorsieht, mit dem die Gehälter im Betrieb offengelegt werden. Wenn Frauen wissen, wieviel ihre männlichen Kollegen in gleichen Positionen verdienen, können sie bei Verhandlungen anders reagieren. Weiters: „Die ersten 1.500 Euro müssen steuerfrei sein.“ Immerhin: „Weit mehr als 200.000 Frauen verdienen derzeit weniger als 1.500 Euro bei Vollzeit.“ Zudem will man die Überstundenzuschläge auch bei Teilzeit.

Mehr Frauen für technische Berufe begeistern

Dieser Ansicht ist auch AK-Präsident und ÖGB-NÖ-Vorsitzender Markus Wieser: „Auch für Teilzeitbeschäftigte müssen volle Überstundenzuschläge bezahlt werden.“ Ebenfalls wichtig wäre, bei den frauentypischen, meist niedrig entlohnte Branchen den Hebel anzusetzen, sowohl bei der Entlohnung als auch bei der gesellschaftlichen Aufwertung von „Frauenberufen“. 

VP-Landesrätin Barbara Schwarz dazu: „Ich möchte Frauen ermutigen, neue Wege in der Ausbildungs- und Berufswahl zu gehen und auch ihre Töchter dabei zu fördern. Denn Berufe in Technik und Handwerk werden von Frauen und Mädchen kaum gewählt. Meist weil das gesellschaftliche Umfeld dafür nicht offen ist oder zu wenig über die Anforderungen in diesen Bereichen bekannt sind. Tatsache ist, dass die Einkommen in diesen Segmenten höher als in den sogenannten typischen Frauenberufen sind.“

Hier arbeiten Wirtschaftskammer NÖ,  AMS NÖ und  Industriellenvereinigung NÖ daran, mehr Frauen für Männer dominierte Berufe zu interessieren. Darüber hinaus werden im Regionalen Mentoring Programm des Landes Niederösterreich Frauen fit fürs Berufsleben gemacht -  auch für Führungsaufgaben.

„Wir möchten, dass Frauen selbstbewusst im Berufsleben agieren und auch selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen hineingehen und ihren Fähigkeiten und Qualifikationen entsprechend bezahlt werden", so Landesrätin Schwarz, die zudem meint: „Ohne Absicherung durch einen Beruf ist es schwierig, ein gesichertes Auskommen zu finden. Eine Absicherung durch eine Ehe ist heutzutage nicht mehr realistisch.“ Da etwa die Hälfte aller Ehen geschieden werden.

Detaillierte Bezirksergebnisse finden Sie unter https://noe.arbeiterkammer.at/equalpayday