Erstellt am 17. Mai 2017, 16:01

Regional & klimaschonend. Christina Mutenthaler, eNu-Prokuristin und Leiterin von „So schmeckt Niederösterreich“, über die Bedeutung regionaler Lebensmittel für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Umwelt.

Christina Mutenthaler: „Niederösterreich schmeckt hervorragend!“  |  monihart

NÖN: Wofür steht „So schmeckt Niederösterreich“?
Christina Mutenthaler:„So schmeckt NÖ“ steht für Regionalität, Qualität, Vielfalt, Genuss und Leidenschaft. Gemeinsam mit unseren rund 500 niederösterreichischen Partnerbetrieben arbeiten wir daran, das Bewusstsein für regionale, vor allem niederösterreichische Lebensmittel und typisch niederösterreichische Kulinarik stetig und nachhaltig zu steigern.

Die Produzenten und Verarbeiter konzentrieren sich dabei auf die Herstellung von innovativen und qualitativ hochwertigen Produkten. Und wir von „So schmeckt NÖ“ unterstützen sie bei der Vermarktung, dem Zugang zu Kunden und der Steigerung des Bekanntheitsgrades. Alles in allem eine „Win-Win-Win“-Situation für den Produzenten, den Konsumenten und unser Bundesland!

Und wie schmeckt nun NÖ?
Mutenthaler: Hervorragend! Wenn man etwa die Anzahl der Besucher bei den „So schmeckt NÖ“-Veranstaltungen als Zustimmung für unser Konzept wertet, dann sind wir „top“.Wir gehen auch zusätzlich bewusst raus aus Niederösterreich, um Personen aus anderen Bundesländern von unseren Spezialitäten zu überzeugen.

Es geht dabei nicht nur um Ursprungsprodukte wie Obst, Gemüse oder Fleischwaren, sondern auch darum, dass wir herzeigen, wie unsere Produzenten diese Ausgangsprodukte zu wahren Spezialitäten weiterentwickeln! Vielfältigkeit und nicht Eintöniges! Das kann und beweist regionale und saisonale Ernährung!

Geben mir heimische Lebensmittel mehr Lebensenergie? Ernähre ich mich mit regionalen Lebensmitteln gesünder?
Mutenthaler: Regionale Lebensmittel sind tatsächlich gesünder und bieten uns mehr „Lebensenergie“. Durch die kurzen Transportwege zwischen Produktion und Zielort kann etwa die Ernte zum optimalen Reifezeitpunkt erfolgen, wodurch mehr Nährstoffe erhalten bleiben und die Waren frischer bei uns auf den Tellern landen.

Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es dann nur logisch, dass es saisonal bedingt nicht immer alle Lebensmittel gleichzeitig geben kann und muss! Regionale Ernährung ist somit mit viel Bewusstsein und gewissen Beschränkungen verbunden. Es bedeutet jedoch in keinem Fall Verzicht. Die Anpassung der Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten eröffnet uns ungeahnte Möglichkeiten und fordert und fördert auch die Kreativität. Gleichzeitig zeigen uns Studien, dass regionale Lebensmittel mit signifikant weniger Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet sind als Importwaren. Insgesamt heißt das: Wir alle ernähren uns gesünder mit regionalen Produkten!

Hilft ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln auch dem Klima?
Mutenthaler: Ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln ist notwendig und wichtig. Bewusster Umgang heißt, sich Gedanken über die ganz persönlichen Einkaufsgewohnheiten und das Ernährungsverhalten zu machen. Kaufe ich regional produzierte Produkte ein, dann verringere ich etwa Transportwege und stelle sicher, dass die strengen, Konsumentenschutz-orientierten, österreichischen Gesetze bei den Produzenten zur Anwendung kommen.

Jedoch: Ein bewusster Umgang mit unseren Lebensmitteln geht noch viel weiter. Etwa: Wie kann ich Lebensmittel im Abfall vermeiden? Oder: Muss es wirklich jeden Tag Fleisch sein? Und vieles mehr! Das sind berechtigte Fragen. Die internationale Fleischproduktion z. B. hinterlässt einen extrem großen ökologischen Fußabdruck! Bei deren Betrachtung geht es im Detail etwa um die Fragen nach den Transportwegen, den dafür notwendigerweise gerodeten Regenwaldflächen, den Einsatz von nachweislich schädlichen Düngeprodukten für den Futtermittelanbau und auch den immensen Wasserbedarf.

Inwieweit spielt „Bio“ für den Klimaschutz eine Rolle?
Mutenthaler: Bio lokal: Jedenfalls! Bio generell: Vorsicht! Warum? Weil wir generell die Nachfrage nach Bioprodukten ohne Berücksichtigung der Herkunft oder des Produzenten im Auge haben sollten. Bio-Obst und Gemüse aus Italien, Chile oder der Türkei? Grundsätzlich: „ok“! Aber: Es haftet eine enorme Hypothek auf diesen Produkten! Und das ist deren Transportweg! Der hinterlässt einen sichtbaren CO2-Abdruck.

Zusätzlich müssen wir immer öfter feststellen, dass Bio nicht gleich Bio ist. Die EU-Vorschriften entsprechen de facto nicht jenem Bild, welches wir Konsumenten von der Bioproduktion haben. Die im Handel vertriebenen Mengen an Bioprodukten können nur über Großlandwirtschaften verfügbar gemacht werden! Gemäß den geltenden EU- Richtlinien dürfen diese aber ebenso als biologisch verkauft werden wie jene Produkte, die von kleinen Betrieben produziert werden, die sich gänzlich der nachhaltigen und ökologischen Produktion verschrieben haben. Ich persönlich bevorzuge regionale Produkte! Direkt vom Produzenten! Und wo möglich, greife ich in erster Linie auch auf österreichische Bioprodukte zurück.

Es gibt ja den CO2-Rucksack bei Lebensmitteln: Haben Sie einige Vergleichszahlen?
Mutenthaler: Einfach zusammengefasst gilt hier, dass der Abdruck bei tierischen Produkten größer ist als bei Obst und Gemüse, und dass importierte Waren die CO2-Belastung signifikant steigern. So führt ein exemplarischer Warenkorb mit sechs Importprodukten zu einer rund 30 Mal höheren CO2-Belastung als regional produzierte Produkte.

Diese Rechnung kann für alle Lebensmittel (Äpfel, Joghurt, Butter, etc.) erstellt werden. Beispielgebend möchte ich jedoch nachfolgend zwei Lebensmittel anführen, die unseren CO2-Rucksack deutlich erschweren: chilenische Weintrauben und argentinisches Rindfleisch. Beides Waren, die wir tagtäglich in den Supermärkten kaufen können – und sicherlich auch kaufen!

Die Weintrauben etwa kommen mit dem Flugzeug zu uns! Und daher führen sie zu rund 830 Mal höheren Emissionen als jene unmittelbaren aus unseren Regionen. Rindfleisch legt in etwa 13.000 Kilometer mit dem Schiff zurück und verursacht dabei etwa 12 Mal höhere Gesamtemissionen als österreichische Produkte. Daher: Kaufen Sie heimische Produkte, weil: „So schmeckt Niederösterreich“.