Erstellt am 18. Mai 2017, 14:28

von NÖN Redaktion

Niederösterreich ist das Naturland Nummer 1. Energielandesrat Stephan Pernkopf will gegen die Atomkraft vorgehen und setzt auf eine Umweltpolitik in Niederösterreich mit Hausverstand und Augenmaß.

Energielandesrat Stephan Pernkopf kämpft für die Energiewende und gegen die Atomkraft.  |  Weinfranz

NÖN: Als Stellvertreter von Jo-hanna Mikl-Leitner, der neuen Landeshauptfrau, kommen neue Aufgaben auf Sie zu. Welche werden in Zukunft zusätzlich in Ihrem Verantwortungsbereich liegen?
Stephan Pernkopf: Zum schon bisher großen Ressort, das weiterhin die Energie, die Landwirtschaft, den Umwelt- und Naturschutz, den Katastrophen- und Hochwasserschutz und die Raumordnung umfasst, kommen jetzt auch die 27 Landesspitäler dazu. Diese stehen für tägliche Spitzenmedizin und einen menschlichen Umgang mit den Patientinnen und Patienten. Es ist mir wichtig, dass sich die Menschen auf die bestmög-liche medizinische Versorgung in ihrer Region verlassen können.

Warum hat es in Ihrem Aufgabenbereich keine größeren Veränderungen gegeben?
Pernkopf: Verlässlichkeit und Kontinuität für meinen Bereich ist mir schon immer sehr wichtig. Wenn ich Verantwortung für einen Bereich übernehme, dann ist das immer auf Langfristigkeit ausgelegt. So halte ich es mit den 100.000 Bäuerinnen und Bauern, den 98.000 Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr und den tausenden, die mit mir für die Energiewende und gegen die Atomkraft kämpfen. 64.000 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher haben ja im Vorjahr zum Beispiel gegen den Ausbau des tschechischen AKW Dukovany unterschrieben. Sie alle können sich weiter auf mich verlassen. Und diesen langfristigen Anspruch und diese Energie werden ich ab sofort auch in die niederösterreichische Gesundheitsversorgung investieren.

Vor einigen Tagen jährte sich die Katastrophe von Tschernobyl bereits zum 31. Mal. Welche Schritte setzen Sie gegen die Atomkraft?
Pernkopf: 100 % Strom aus erneuerbaren Energien und 64.000 Unterschriften gegen den Ausbau von Dukovany sind ein starkes Zeichen aus Niederösterreich. Viele Regionen in Europa beneiden uns um diese Leistung und nehmen sich ein Beispiel an unserer Energiepolitik. Viele Länder in Europa hinken aber leider hinterher und setzen nach wie vor auf veraltete Energieträger wie die Atomkraft.

Zu viele Risiken gehen mit der Atomenergie einher, und deshalb fordern wir unsere Nachbarn auf: Weg von der Atomkraft, volle Kraft für die Erneuerbare Energie!
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Länder der Europäischen Union, die weiter auf die Atomkraft setzen oder diese sogar noch weiter ausbauen, dürfen im Gegenzug keine Regionalfördermittel von der EU mehr bekommen. Denn es kann doch nicht sein, dass man Fördermittel aus Brüssel erhält und auf der anderen Seite mit dem Ausbau von Atomkraftwerken die Sicherheit ganzer Regionen gefährdet.

Wie steht es nun generell mit der Umwelt in Niederösterreich?
Pernkopf: Wir sind das Naturland Nummer 1 – wir haben die sauberste Luft, die saubersten Flüsse und die sauberste Energie seit der Industrialisierung. Die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher tun auch selber unglaublich viel dafür: 35.000 haben in den letzten Tagen beim großen Frühjahrsputz mitgemacht. Ein riesiges Danke an alle Freiwilligen, die sich in ihrer Freizeit für die Umwelt eingesetzt haben! Wir setzen auf Umweltpolitik mit Hausverstand und Augenmaß.

Beispiele dafür: Unsere Energiewende drängt die Atomkraft zurück, erspart Energie-Importe und bringt Arbeitsplätze. Zweitens: Die vielen Projekte zur Renaturierung unserer Flüsse helfen nicht nur der Natur, sondern tragen auch zum Hochwasserschutz bei. Und drittens: Viele andere Bundesländer setzen auf Geschwindigkeitsbeschränkungen gegen den Feinstaub, den sogenannten Feinstaub-Hunderter. Wir haben statt dessen ganz selektiv nur die ältesten LKWs, die alten Stinker, aus dem Verkehr gezogen. Das reduziert den Feinstaub wirksam und beschränkt dafür die anderen Verkehrsteilnehmer nicht unnötig.

Wenn Sie Ihre Visionen für Niederösterreich kurz beschreiben müssten, was würden Sie sagen?
Pernkopf: Ich arbeite mit großer Leidenschaft für die beste Lebensqualität im ganzen Land. Dabei muss immer der einzelne Menschen im Mittelpunkt stehen. Mir geht es um die bestmögliche regionale Nahversorgung: von den besten regionalen Lebensmitteln, der besten Umwelt- und Lebensqualität bis zur besten Gesundheitsversorgung.