Erstellt am 17. April 2018, 04:59

von Nadja Straubinger

Bauern kaufen NÖM nicht. Berater der Milchgenossenschaft sehen derzeit in Übernahme zu großes Risiko.

Milch liefern die Bauern weiterhin an die NÖM, kaufen werden sie die Molkerei vorerst aber nicht.  |  NOEN, Straubinger

Fast genau ein Jahr ist es her, dass sich die Molkereigenossenschaft Niederösterreich (MGN) entschlossen hatte, die NÖM zu übernehmen. Jetzt wurde der Kauf der zweitgrößten Molkerei Österreichs aber wieder abgeblasen. Der Grund dafür ist das zu hohe Risiko für die Milchbauern.

„Wir haben Verhandlungen mit der Raiffeisen-Holding geführt, aber in der jetzigen Situation ist das Milchgeschäft sehr angespannt“, erklärt MGN-Obmann Johann Krendl aus Kasten diesen Entschluss. Er leitete federführend die Kaufverhandlungen. Die Berater sehen in der Übernahme derzeit ein „Hochrisikogeschäft“. Für immer vom Tisch ist die Übernahme der NÖM durch die MGN deshalb aber nicht. „Wir wollen uns nicht ganz davon entfernen. Die Sache ist nur im Moment zu riskant“, betont Krendl, der die offene Kommunikation mit der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien heraushebt. „Wir wollen das Ziel nicht aus den Augen verlieren, aber das Risiko darf für uns nicht so hoch sein“, so Krendl.

„Wir wollen das Ziel nicht aus den Augen verlieren, aber das Risiko darf für uns nicht so hoch sein.“ Johann Krendl, Obmann MGN

Der Haupteigentümer hat aktuell keine Bestrebungen, einen anderen Käufer zu finden. „Die NÖM AG ist als Unternehmen sehr gut aufgestellt. Für die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien steht ein Verkauf deshalb nicht zur Debatte“, erklärt Pressesprecherin Michaela Stefan auf NÖN-Anfrage.

Druck durch Menge und Konsumenten

Seit dem Fall der Milchquote im Jahr 2015 kämpfen die Bauern mit der gestiegenen Milchproduktion. 2016 sei wegen der großen Milchmenge für sie ein schlechtes Jahr gewesen. „2017 war die Entwicklung des Preises okay, weil die Menge wieder zurückgegangen ist. Das ist aber nicht nur ein Phänomen bei uns, sondern das war in ganz Europa der Fall“, weiß Krendl. Dadurch habe sich auch der Preis erholt. „Jetzt stehen wir vor der Herausforderung zu schauen, dass die Produktion nicht wieder ansteigt“, erklärt der MGN-Obmann. Sonst gerate die Milchwirtschaft erneut unter Druck.

Druck kommt zudem auch von Seite der Konsumenten. „Sie wollen einfach wissen, wo und wie produziert wird“, ist Krendl überzeugt. Die NÖM hat mit der Einführung eines Tierwohlsiegels reagiert. Dafür müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden: ganzjährige Auslaufmöglichkeit, höchste Gesundheitsstandards, hundert Prozent gentechnikfreie Futtermittel aus Europa, regionale Familienbetriebe und Kontrolle durch AgroVet. „Mit dem NÖM-Tierwohlsiegel dokumentieren wir sichtbar die Einhaltung der geforderten Richtlinien und stärken somit das Vertrauen unserer Konsumenten in die Marke NÖM“, erklärt NÖM-Vorstand Alfred Berger.