Erstellt am 14. Februar 2018, 05:30

von Martin Gruber-Dorninger

U-Bahn-Verlängerung: Jetzt redet der Wiener Linien-Chef. Steinbauer vergleicht U-Bahnverlängerung mit Brenner Basistunnel, begrüßt aber Debatte um Verkehr.

Eine U-Bahn-Garnitur mit dem Ziel Purkersdorf wird es wohl noch länger nicht geben. Derzeit werden aber alle Eventualitäten untersucht.  |  NOEN, APA/Helmut Fohringer/Montage : Alexander König

„Ich begrüße es sehr, dass über den bundesländerübergreifenden Verkehr diskutiert wird, allerdings sachorientiert und nicht auf parteipolitischer Ebene“, kommentiert Günter Steinbauer unter anderem die Forderung von Döblings Bezirksvorsteher Adolf Tiller nach einer Verlängerung der U-Bahn bis nach Klosterneuburg und sogar Tulln.

Kosten für Verlängerung: Vergleich mit Brenner Basistunnel

Es sei, laut Steinbauer, unbestritten, dass es im Einpendlerverkehr nach Wien noch Verbesserungen brauche. „Wir reden da aber insgesamt von einer Dimension, wenn man alle gewünschten Projekte zusammenzählt, von etwa 50 Kilometern U-Bahnstrecke und von einer finanziellen Dimension in der Größenordnung des Brenner Basistunnels“, so Steinbauer. Daher ginge es nicht um billige Tagespolitik, sondern um faktenbasierte Überlegungen, um die Menschen mit einem vernünftigen Aufwand von A nach B zu bringen. „Lokalpolitiker verlieren dabei manchmal den Bezug zur finanziellen Realität“, argumentiert Steinbauer.

Günter Steinbauer ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Wiener Linien.  |  NOEN, Wiener Linien

In diesem Zusammenhang lobt Steinbauer aber die niederösterreichische Verkehrspolitik, die unter der Leitung von Verkehrsplaner Friedrich Zibuschka viele gute Entscheidungen getroffen hätte, etwa beim massiven Ausbau von Park&Ride-Plätzen entlang der Bahnstrecken. Zibuschka sagte gegenüber der „Presse“, dass man derzeit prüfe, wie hoch die Kosten für eine Verlängerung sein würden, wo Tunnel gebaut werden müssten, wo Trassenhochlagen möglich seien und wie hoch mögliche Passagierzahlen sein könnten. Die Studie könnte nach Ostern bereits fertig sein.

Umbau der Garnituren sei unmöglich

Von den Argumenten „selbsternannter Experten“, wonach es lediglich einfacher Umbauten an den U-Bahnzügen bedarf, hält Steinbauer jedenfalls nichts, zumal eine Ausschreibung für neue U-Bahnzüge, die diese „Features“ bereits haben, schon längst (im September 2017) über die Bühne gegangen ist. „Sie wollen nicht die U-Bahntrassen neu nach Niederösterreich bauen, sondern die U-Bahnzüge sollen auf den Gleisen der ÖBB einfach weiterfahren. Die U-Bahn-Züge sind teilweise 40 Jahre alt, ein Umbau dieser wäre also mehr als theoretisch“, so Steinbauer, der eine nachträgliche „Zwangsverheiratung“ der beiden Betriebssysteme für illusorisch hält. Die Stromversorgung, das Signalsystem und selbst die Räder seien komplett unterschiedlich.

Fokus auf S-Bahn

„Ein Umbau der U-Bahnzüge hat keinen Bezug zur praktischen Umsetzung und würde die Garnituren in die Nähe einer Eier legenden Wollmilchsau bringen“, sieht Steinbauer eine realistischere Umsetzung des Nahverkehr-Problems in der Nützung bereits bestehender Bahnachsen der ÖBB. „Für einen Pendler ist es egal, ob er in einer U-Bahn oder S-Bahn sitzt, entscheidend ist ein verlässliches Angebot mit vernünftigen Takten von zehn bis 15 Minuten“, will Steinbauer so kurze Umstiegssituationen schaffen. Diese wären, seiner Meinung nach, auch bei einer U-Bahn-Führung nicht kürzer, da nur jeder dritte Zug in das Umland fahren würde.

Auf die Frage, welch andere Ergebnisse die neue Studie, die vom Land Niederösterreich im Zuge des Mobilitätspaketes in Auftrag gegeben wurde, als jene, die zuvor gemacht wurden, sagt Steinbauer: „Das kann ich nicht sagen, es geht um ein vernünftiges Miteinander. Das beinhaltetet auch eine grundsätzliche Imageverbesserung der S-Bahn und zum Teil bessere Takte.“ Er sei aber optimistisch, dass durch diese Studie, erstmals eine Gesamtbetrachtung gemacht werde.

„Realistisch ist eine Verlängerung der U4 bis nach Hadersdorf in einer ersten Etappe"

Bei der Verlängerung bis Purkersdorf ist man sich in einem Treffen schon etwas näher gekommen. „Realistisch ist eine Verlängerung der U4 bis nach Hadersdorf in einer ersten Etappe. Die Trasse ist auf der Westbahn vorhanden und wäre daher relativ kostengünstig umzusetzen“, sagt Schlögl gegenüber der NÖN. Im Artikel der „Presse“ bestätigt der Verkehrssprecher der Wiener Grünen Rüdiger Maresch, dass die Machbarkeit einer Verlängerung nach Purkersdorf angeschaut würde. „Wichtiger wäre aber eine Verdichtung des Schnellbahnangebots“, so Maresch. Dies will sich wiederum Zibuschka genauer anschauen.