Schwechat

Update am 12. Oktober 2017, 13:35

von APA Red

Air-Berlin-Übernahme: Auch Niki geht an Lufthansa. Zwei Monate nach der Pleite ist die Übernahme eines großen Teils der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa unter Dach und Fach. Damit gehen voraussichtlich bis Jahresende 81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte an Eurowings, darunter auch die österreichische Tochter Niki und der Regionalflieger LGW, die beide nicht insolvent sind.

Vom Konkurrent zum Geschwister-Unternehmen: AUA und NIKI.  |  Gerald Burggraf/Collage NÖN

Eurowings, die Billigflugtochter des deutschen Marktführers Lufthansa, soll damit auch die 38 Maschinen, die Lufthansa bereits inklusive Besatzungen von Air Berlin gemietet hat, übernehmen.

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister und Pilot Niki Lauda hatte den Ferienflieger "flyniki" 2003 gegründet, 2004 beteiligte sich die Air Berlin. 2011 stieg Lauda komplett aus der Airline aus. Nach der Air Berlin-Insolvenz bot Lauda mit einem Konsortium für eine Rückübernahme von Niki.

Die Exklusiv-Verhandlungen der Gläubiger mit der Lufthansa kommentierte er enttäuscht und warnte vor einer zu großen Dominanz der deutschen Airline.

"Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Berlin"

Man werde einen echten Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Berlin sehen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. "Heute in wenigen Stunden mit der Unterschrift wird die Lufthansa-Gruppe endgültig wieder zum Heimatcarrier für Berlin." Schließlich sei die Kranich-Airline 1926 in Berlin gegründet worden. Um 12.00 Uhr sei ein Notartermin vereinbart.

Spohr setzt darauf, dass es bis Ende des Jahres grünes Licht von der EU-Kommission für die kartellrechtliche Prüfung gibt.

Air Berlin verhandelte neben der Lufthansa auch mit der britischen Billigfluglinie Easyjet über einen Teilverkauf. Spohr geht nach eigenen Worten aber nicht davon aus, dass es heute weitere Abschlüsse gibt. Easyjet lehnte einen Kommentar dazu ab.

Niki-Betriebsrat erwartet Arbeitsplatz-Garantie für Mitarbeiter

Nachdem es nun fix ist, dass die Lufthansa beziehungsweise dessen Billig-Tochter Eurowings den heimischen Ferienflieger Niki übernehmen wird, will die die Gewerkschaft nun sobald wie möglich zentrale Fragen klären. Der Niki-Betriebsrat erwartet eine Garantie für alle Arbeitsplätze und Verträge.

Für die Niki-Beschäftigten sei es ein guter Tag, "Jubel ist aber nicht angebracht, es müssen einige offene Fragen geklärt werden", kommentierte GPA-Gewerkschafter Peter Stattmann am Donnerstag die Übernahme. Der Betriebsrat hofft, die Heimatbasis behalten zu können: "Der Wunsch der Beschäftigten, mit dem Flugverkehr wieder stärker nach Österreich zu kommen, ist groß", so Betriebsratsvorsitzender Stefan Tankovits und erwartet "eine mittelfristige Garantie dafür, dass alle Arbeitsplätze und Verträge aufrecht bleiben".

Die nicht insolvente Niki beschäftigt hierzulande rund 1.000 Mitarbeiter - laut Insidern aus Lufthansa-Kreise sollen sie direkt übernommen werden. "Wir gehen davon aus, dass es demnächst eine Einladung zu einem Kennenlerngespräch geben wird, in das wir sehr motiviert gehen werden", so die Arbeitnehmervertreter.