Erstellt am 14. Februar 2018, 05:00

von Christian Eplinger

Reporter Gerhard Prohaska: „Glaube an 15 Medaillen“. Der 47-jährige Wieselburger Gerhard Prohaska berichtet für Ö3 ganze 21 Tage lang von den Spielen in Pyeongchang. Der NÖN verriet er, was Olympia für ihn so besonders macht.

Gerhard Prohaska mit Katharina Gallhuber  |  privat

Die wievielten Olympischen Winterspiele sind das, von denen Sie vor Ort als Reporter berichten?

Gerhard Prohaska: Es sind meine sechsten Winterspiele – alle seit Nagano 1998. Salt Lake City, Turin, Vancouver, Sotschi und jetzt Korea.

Seit wann sind Sie in Südkorea, wie lange werden Sie bleiben?

Prohaska: Ich bin seit 5. Februar im Lande und bleibe bis zum 26. – also ziemlich lange.

Was ist das Besondere an Pyeongchang?

privat

Prohaska: Anfangs war es die Kälte von minus 20 Grad, dann sicher die politische Tangente dieser Spiele. Vor allem im Vorfeld wurde viel über die Sicherheit im Spannungsfeld von Nord- und Südkorea geredet, aber auch da zeigt sich der verbindende Geist Olympias.

Welche Unterschiede gibt es zu anderen Olympia-Orten?

Prohaska: Die Wege zwischen den einzelnen Wettkampfstätten sind kürzer als bei anderen Spielen. Es gibt keine größere Stadt in der Nähe und es gibt auch keine wirklich hohen Berge, wie man bei Olympia vielleicht vermuten würde. Und derzeit hält die Stimmung bei den Fans bei den Bewerben hier mit anderen Spielen nicht mit – einerseits durch die bittere Kälte, aber auch durch Mentalität der Asiaten und den Bezug der Südkoreaner zum Wintersport. Hoffentlich tauen sie noch auf.

Ist Olympia für einen Sportreporter etwas Besonderes, auch wenn man – so wie Sie – schon öfter dabei war?

Prohaska: Absolut! Immer wieder! Spätestens, wenn man die Dimension von Olympia wieder spürt, tausende Sportler, Journalisten aus aller Welt, Fans aus 92 Ländern, und alle verbindet eine positive Grundstimmung.

Was macht das Flair von Olympia für Sie aus?

Prohaska: Die Stimmung, dass sich alle Sportstars an einem Ort zur selben Zeit treffen. Man spürt, dass es für die Sportler die wichtigsten Tage ihrer Karriere sind. Wenn dann die Emotionen des Siegens und Verlierens kommen, da fühlt man schon ordentlich mit.

Der 47-jährige Wieselburger Gerhard Prohaska ist seit 25 Jahren beim ORF und seit 5. Februar in Pyeongchang. Es sind dies bereits seine sechsten Olympischen Winterspiele, von denen er vor allem für Ö3, aber auch andere ORF-Sender berichtet. „Oylmpia ist dennoch immer wieder etwas ganz Besonderes“, verrät Prohaska. Schon an den ersten Tagen hatte er die Skispringer Daniela Iraschko-Stolz und Stefan Kraft sowie Abfahrts-Titelverteidiger Matthias Mayer vor dem Ö3-Mikrofon.  |  privat

Normalerweise sind Sie an einem Ort und berichten von einem Event – bei Olympia switchen auch Sie zwischen Sportstätten, Sportarten bis hin zu gesellschaftlichen Bereichen – ist das herausfordernder, anstrengender oder sogar einfacher, weil sich viel mehr Geschichten ergeben, die berichtenswert sind?

Prohaska: Es ist in jedem Fall anstrengender, körperlich und psychisch, weil man den ganzen Tag unter extremem Zeitdruck arbeitet. Aber es gibt viel zu viele interessante Geschichten als Sendeplätze. Vor allem weil hier auch spannende Sportler im Mittelpunkt stehen, die normal nicht immer so hohe öffentliche Aufmerksamkeit genießen. Spannende Menschen, alle mit einer eigenen Story.

Wie kann man sich den Tagesablauf eines Ö3-Sportreporters bei Olympia vorstellen? Gibt es den typischen Olympia-Tag?

Prohaska: Los geht’s etwa um 8 Uhr. Es sind vor allem auch die Wege zu den Wettkampfstätten mit diversen Shuttlebussen und dazugehörigen Sicherheitskontrollen, die Zeit kosten. Dann gilt es, von Medaillenentscheidungen zu berichten. Da hetzt man etwa von den Skibewerben am Vormittag zum Rodeln mittags und dann zu den Abendentscheidungen wie hier zum Beispiel beim Biathlon. Dazwischen sollte man Interviewtermine für diverse Vorschauen abdecken. Der Tag endet dann meist im Haus Österreich bei diversen Medaillenentscheidungen. Dazwischen macht man Live-Talks für die Ö1 Journale oder fertig gebaute Geschichten für Ö3 oder Radio Niederösterreich. Ich kann mich kaum erinnern , dass ein olympischer Arbeitstag kürzer als 16 Stunden gedauert hätte.

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Sie sind nah dran an den österreichischen Sportlern. Wie ist die Stimmung der Olympioniken?

Prohaska: Die meisten schwärmen nach den ersten Eindrücken. Aber wichtig ist immer ein starker Beginn mit möglichst vielen Medaillen. Das pusht die ganze Mannschaft. Wenn es anfangs schlecht läuft, wächst der mediale Druck – das spüren die Sportler. Wenn man das ganze Jahr mit diesen Sportlern unterwegs ist, merkt man sehr wohl, welche Anspannung hier herrscht. Sportler können sich eben nur alle vier Jahre diesen größten Traum erfüllen.

Wagen Sie einen Medaillentipp? Wie viele Medaillen machen wir, wer gewinnt sicher eine Goldene für Österreich?

Prohaska: Ich glaub, es werden in etwa 15 Medaillen werden. Österreich ist breiter aufgestellt als bei früheren Spielen mit Medaillenchancen in vielen Sportarten und mit dem Goldtipp Marcel Hirscher gehe ich wohl kein allzu großes Risiko ein.

Was erwarten Sie vom Olympia-Debüt der Göstlingerin Katharina Gallhuber im Slalom am Mittwoch? Trauen Sie ihr einen Top-Platz oder gar eine Medaille zu?

Prohaska: Eine Medaille würde mich überraschen, aber ein Top- Ten-Ergebnis ist absolut möglich und wer weiß, ob bei den Favoritinnen die Nerven halten.