Erstellt am 05. April 2018, 05:01

von Peter Sonnenberg

Pokalsieg: „Königinnen“ krönten sich. Der UHC Stockerau holte sich am Samstagabend in Wien gegen St. Pölten den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte.

Es war die Szene des ÖHB-Cupfinales in der Wiener Hollgasse zwischen dem UHC Stockerau und der Union St. Pölten: Kurz nach der Schlusssirene, als mit dem 27:26-Sieg der erste Pokalsieg der Stockerauer Vereinsgeschichte feststand, rannten die Mädels aus der Lenaustadt samt Betreuerteam noch vor der Siegerehrung plötzlich in die Kabinen.

„Blöd wäre nur gewesen, wenn wir verloren hätten, dann hätten wir alles einstampfen müssen (lacht).“Wolfgang Kaindl

Großes Rätselraten auf den Tribünen, nach nur wenigen Minuten die Lösung: Mit grünen Siegerleibchen und goldenem Krönchen auf dem Haupt kehrten Kapitänin Christina Gahler und Co. unter dem johlenden Beifall des Publikums wieder zurück. Manager und UHC-Vorstand Wolfgang Kaindl klärt auf: „Die Kronen waren eine Idee von Karsten (Anm.: Coach Schneider), die T-Shirts von mir. Damit wollten wir die Mädels überraschen. Blöd wäre nur gewesen, wenn wir verloren hätten, dann hätten wir alles einstampfen müssen (lacht).“

Soweit kam es zum Glück nicht. Hier die wohl schönsten vier Stunden des Frauen-Handballs in Stockerau noch einmal im Zeitraffer:

17 Uhr: Schön langsam füllt sich die Wiener Hollgasse, normalerweise Heimstätte der Fivers aus Wien. Der Stockerauer Fanblock, insgesamt weit über 200 Mann und Frau stark, füllt sich immer mehr. Auffallend viele tragen grüne UHC-Shirts.

17.40 Uhr: Es gibt kaum mehr freie Plätze auf den Sitzplatztribünen. Die halbe Stockerauer Sport- und Politikszene versammelt sich ebenfalls rund um den Fanblock, angefangen von Bürgermeister Helmut Laab und Sportstadtrat Erwin Kube bis hin zu SV-Stockerau-Trainer Patrick Jenisch mitsamt einigen seiner Kicker wie Tomi Micanovic. Auch andere Sportarten drückten den Handballerinnen die Daumen. Leopold Grabler, Obmann der Sportaerobic-Mädels aus der Gymnastics-Academy: „Ehrensache, wir Stockerauer müssen ja zusammenhalten.“ 

18 Uhr: Anwurf der St. Pöltner, deren Fanblock bei weitem nicht so lautstark ist wie jener aus Stockerau. In den ersten zehn Minuten ist die Nervosität greifbar, dementsprechend offen der Spielstand (6:5). Dank einer großartigen Diana Öller im Tor und den starken Yvonne Riesenhuber und Petra Varjassiova setzen sich die UHC-Mädels bis zur Pause etwas ab – 15:10. Öller war übrigens von der Stimmung begeistert: „Unsere Fans sind ein Wahnsinn. Es sind so viele Leute gekommen, da fühlst du dich wie ein Superstar.“

18.30 Uhr: Pause in Wien-Margareten. Unter dem Jubel der vielen Stockerauer Fans mit kreativen Spruchbändern, natürlich in Grün gehalten, werden schon vorsorglich einige Siegerbiere geordert.

„Unsere Fans sind ein Wahnsinn. Es sind so viele Leute gekommen, da fühlst du dich wie ein Superstar.“Diana Öller

18.50 Uhr: Nervosität macht sich im Lager des Favoriten breit, als der Start in Halbzeit zwei missglückt. Viele überhastete oder schwer zu nehmende Würfe und schnelle Gegenstöße der St. Pöltnerinnen führen wieder zu einem offenen Spiel. Als Agatha Szostak in Minute 48 zum 21:22 verkürzt, beginnt das große Zittern.

19 Uhr: Innerhalb von 120 Sekunden, zwischen der 53. und der 55. Minute, fällt dann die Vorentscheidung: Viktoria Mauler erhöht auf 25:22 für die Weinviertlerinnen, ehe Lisa Hruza nach ihrer dritten Zwei-Minuten-Strafe vom Feld muss und auf die Zuschauertribüne klettert. Doch statt einem Ranrücken der Landeshauptstädterinnen trifft Varjassiova zum 26:22. „Da wusste ich, das war es jetzt“, erinnert sich Coach Schneider. Denn trotz des Bemühens der St. Pöltnerinnen, allen voran die bärenstarke Sandra Majetic, die auch die letzten zwei Treffer erzielt, gibt Stockerau diesen Vorsprung nicht mehr aus der Hand.

19.10 Uhr: Emotionen pur nach der Schlusssirene: Die Spielerinnen fallen sich in die Arme, „tanzen“ ihren Siegerkreis und steigen mit den am Anfang erwähnten Kronen auf das Siegerpodest. Dort wird dann auch Kaindl zum „Feierbiest“, animiert die Fans. Zu den Klängen von „We are the Champions“ wird mit dem Publikum gefeiert.

20.30 Uhr: Frisch geduscht und in bester Stimmung geht es dann für den ganzen Tross in die Stockerauer Kaiserrast, wo bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird. „Wie ich vernommen habe bis in die Morgen des Ostersonntags“, wie Kaindl schmunzelnd berichtet.
Zeit zum Verschnaufen gibt es keine: Bereits am Dienstag gab es eine Extra-Trainingseinheit für den Meisterschaftsschlager gegen Hypo am Samstag.