Erstellt am 09. Januar 2018, 02:13

von Claus Stumpfer

Viktor Szilagyi: „Übers Kollektiv kommen“. Viktor Szilagyi über seine erste Woche als Sportdirektor beim THW Kiel und die Chancen des österreichischen Nationalteams bei der kommenden Europameisterschaft.

Viktor Szilagyi freut sich auf die Euro 2018 und traut dem Team viel zu.  |  NOEN, APA

Vergangene Saison noch hatte Österreichs langjähriger Teamkapitän Viktor Szilagyi mit Max und Alex Hermann in seiner Position als Sportdirektor des Bergischen HC zwei Austro-Legionäre unter seinen Fittichen. Seit Jänner ist der St. Pöltner Sportdirektor beim THW Kiel und arbeitet dort mit Nikola Bilyk und Raul Santos zusammen, die das Nationalteam bei der am Freitag beginnenden Euro verstärken.

Der 203-fache Internationale sieht unsere Deutschland-Legionäre „gut in Saft“ und baut wie zu seiner Zeit auf den Teamgeist des Nationalteams. „Auch wenn erstmals keiner mehr von unserer alten St. Pöltner Garde am Feld steht“, bedauert er.

Viel erwartet er sich von Alex Hermann, der sich in Wetzlar gut eingelebt hat. „Er entwickelt sich zu einer festen Größe in der deutschen Bundesliga!“ Weniger Glück hatte Zwillingsbruder Max, der aufgrund seiner Schulterprobleme noch kein Spiel für seinen neuen Verein Gummersbach bestreiten konnte.

Dass grundsätzlich Österreicher in Deutschland hoch gehandelt werden, liegt sicher an Szilagyi. „Man hat sich viel erarbeiten müssen“, freut er sich, dass die Jungen seine Vorlage zu verwerten in der Lage sind. „Seit der Heim-EM 2010 haben wir uns regelmäßig für internationale Bewerbe qualifizieren können, da wird man auch für Spitzenklubs in Europa interessant.“

Zu seiner Zeit als Aktiver wurde Teamgeist groß geschrieben. „Der war Grundvoraussetzung für den Erfolg, wir wollten immer übers Kollektiv kommen.“ Und so sieht Szilagyi bei allen individuellen Fähigkeiten der Nationalteamspieler eine Chance nur dann, wenn alle zusammenstehen — wie beim Qualispiel gegen Bosnien, von dem sich Szilagyi begeistert zeigt. „Es hatte Höhen und Tiefen, Torhüterwechsel, taktische Wechsel in der Abwehr, Dramatik. Alle Fans in der Halle waren begeistert, wie die Mannschaft immer an den Sieg geglaubt hat“, ist Szilagyi überzeugt, dass Österreichverdient zur EM fährt.

„Österreicher müssen sofort voll da sein“

Bei der EURO 2018 erwischte man mit Weltmeister Frankreich, Vize-Weltmeister Norwegen und Weißrussland eine äußerst schwere Gruppe. Auch für Szilagyi ist das erste Spiel gegen Weißrussland das Schicksalspiel. „Man hat keine Zeit ins Turnier hineinzukommen, man muss gleich voll da sein. Da steht jeder Einzelne in der Verantwortung.“ Aber ist es ein Vorteil oder Nachteil, dass man dieses Spiel zu Beginn bestreitet? Szilagyi: „Bei der EM 2014 in Dänemark haben wir im ersten Spiel gegen Tschechien unser bestes Spiel rausgehaut und sind in die Hauptrunde gekommen. Bei einem Erfolg über Weißrussland gilt es, die restlichen Spiele bestmöglich zu nutzen, um sich auf die Hauptrunde vorzubereiten. Das wünsch ich mir!“ Ob er vor Ort die Mannschaft anfeuern kann, weiß Szilagyi noch nicht. „Wegen meines neuen Jobs in Kiel bin ich am Übersiedeln!“

Stichwort neuer Job: Seit wenigen Tagen ist Szilagyi Sportdirektor beim THW. Der Rekordmeister hatte einen holprigen Start, zuletzt aber fünf Siege in Folge. Szilagyi glaubt daher noch an die Titelchancen. Und er freut sich auf die Herausforderung. Als Erstes will er Kiels früheren Rückraumstar Filip Jicha als Assistent für Trainer Gislason gewinnen. „Der Plan ist, dass Filip ab Sommer als Co zu uns stößt.“ 2010 wurde der Tscheche zum Welthandballer des Jahres gekürt. Mit Kiel holte er 14 nationale und internationale Titel, darunter zweimal die Champions League …

Eigentlich ist Kiel als Favorit in die Saison gegangen, doch der Start ging komplett daneben. „Gerade die jungen Spieler haben in solchen Phasen im Kopf, dass jetzt alles klappen muss. Dabei wird der taktische Plan teilweise vergessen. Dazu erschwerten Verletzungsprobleme die Situation. Kapitän Duvnjak hat fast die gesamte Hinrunde verpasst.“

Szilagyi glaubt an die Kieler Chancen

Beim Heimspiel gegen Hüttenberg kehrte Duvnjak zurück, wurde er sofort wieder zum Dreh- und Angelpunkt. „Dule hat einfach eine unglaubliche Handball-Intelligenz. Seit seiner Rückkehr wurden alle Ligaspiele gewonnen.“

Kiel hat fünf Minuspunkte auf Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen, drei auf Berlin. Einen dieser beiden Plätze müsste Kiel erobern, um wieder in der Champions League vertreten zu sein. Szilagyi: „Nicht zuletzt weil die Duelle gegen diese beiden Mannschaften in der Rückrunde vor heimischen Publikum zu bestreiten sind, rechne ich mir gute Chancen aus.“Seine Aufgabe? „Ich soll die Kaderplanung vorantreiben, damit Stolperstarts nicht mehr vorkommen.“