Erstellt am 11. Januar 2017, 08:40

von Birgit Kindler und Maria Prchal

Die Euro-Einführung brachte Vorteile . Ältere Menschen waren wegen Währungsumstellung skeptisch. Positiv war die Einführung für die Unternehmen.

Shutterstock.com/andriano.cz  |  NOEN, Shutterstock.com/andriano.cz

Seit 15 Jahren wird in Österreich mit dem Euro bezahlt. Doch die neue Währung sorgte bei der Einführung am 1. Jänner 2002 nicht bei allen für Begeisterung. „Vor allem ältere Personen zeigten Skepsis und rechneten die Euro-Beträge sehr lange in die Schilling-Währung um“, weiß Helge Wöll von der Raiffeisenbank Region St. Pölten.

An Euro-Skeptiker kann sich auch Peter Digruber von der Volksbank erinnern: „Sie beschworen die Angst vor Preissteigerungen herauf. Deshalb setzte die Regierung eine ‚Euro-Preis-Kommission‘ ein, die ungerechtfertigte Preissteigerungen im Keim erstickte.“

Der Begriff "Teuro" machte die Runde

Dass die Menschen damals besorgt wegen einer starken Teuerungswelle waren, weiß auch Markus Teuber, Filialleiter der Bank Austria in St. Pölten. „Der Begriff ‚Teuro‘ machte die Runde.“ Rückblickend betrachtet könne man aber heute sagen, dass die Preise in den Jahren vor der Euro-Einführung stärker angestiegen seien als seither.

Skepsis bestand auch hinsichtlich der Kaufkraftentwicklung des Euro im Gegensatz zu den anderen großen Währungen wie Dollar, Franken und Pfund, weiß Franz Frosch von der Oberbank: „Es war aber grundsätzlich eine Zeit der Aufbruchstimmung. Die Wirtschaft florierte, die Bevölkerung war Neuem gegenüber positiv eingestellt.“ Dafür aber galt es älteren Menschen, die in den 30er Jahren eine Entwertung ihrer Währung miterleben mussten, die Angst vor der Umstellung zu nehmen, sagt Digruber.

Diese stellte nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Banken vor große Herausforderungen. „Es gab keine Erfahrungswerte. Besonders wichtig war die rechtzeitige und ausreichende Versorgung aller Banken mit neuen Euro-Münzen und Noten. Auch mussten alle Automaten vorbereitet werden“, so Frosch.

Franz Kerndl von der Sparkasse berichtet auch, dass die Buchungssysteme, Automaten und Kontoauszugdrucker über Nacht von Schilling auf Euro geändert werden mussten. „Logistische Herausforderungen gab es beim Verkauf der Euro-Startpakete sowie beim Tausch“, sagt Wöll.

96% der Schillinge wurden umgetauscht

96 Prozent aller Schillinge wurden in der Zeit um die Währungsumstellung umgetauscht. Bis jetzt wurde dieser Prozentanteil auf gerade einmal 97,6 erhöht, 8,55 Milliarden Schilling sind noch im Umlauf. Mit Schilling kommen die Banken aber nur selten in Berührung: „Lediglich wenn Kunden Schilling finden und fragen, ob diese noch gültig sind“, so Kerndl. Dass es aber noch viel von der alten Währung gibt, beweist der Eurobus der Nationalbank, bei dem Schillinge in Euro gewechselt werden können. In St. Pölten wurden seit 2002 34,8 Millionen Schilling bei der Eurobus-Tour gewechselt. „Ein wichtiges Thema wird heuer die Präklusion der 500 und 1.000 ATS-Noten sein, beide laufen im April 2018 aus“, erklärt Judith Feyer von der Nationalbank. Alle Restbestände würden aber sowieso nie zurückkommen: „Als Richtwert könnte man sagen, ein Drittel ist im Ausland, eines für immer verloren und das restliche Drittel wird noch umgetauscht.“

Unternehmen sind wettbewerbsfähiger

Die Euro-Einführung bewerten alle positiv. „Sie hat zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum geführt und war und ist Voraussetzung für einen freien Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehr in Europa“, sagt Kerndl. Teuber betont, dass für die österreichischen Unternehmen das Wechselkursrisiko weggefallen sei und sie deswegen wettbewerbsfähiger sind.