St. Pölten

Über 12.000 neue Einwohner. Bezirks-Gemeinden wuchsen seit 2003 durchschnittlich um neun Prozent, Stadt um elf Prozent.

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Der Bezirk wächst. Zu Beginn des Jahres lebten 130.612 Menschen in den insgesamt 45 St. Pölten-Land-Gemeinden. Das sind um 511 Einwohner mehr als am selben Tag des Vorjahres. Bestätigt wird dieser Trend auch, wenn man einen Blick auf die Zahlen der Bevölkerungsentwicklung der vergangenen 15 Jahre wirft: 12.164 Einwohner haben die Gemeinden im – mittlerweile auch um sechs Gemeinden erweiterten – Bezirk seit 2003 dazugewonnen. Das durchschnittliche Wachstum beträgt 8,83 Prozent.

Pressbaum hat am meisten zugelegt

Das größte Plus erreichten in diesem Zeitraum die Gemeinden des Wiener Speckgürtels. Verloren haben hingegen die infrastrukturell weniger gesegneten Orte – vor allem im Oberen Pielachtal. Ansonsten mussten Ober-Grafendorf, Wilhelmsburg, Michelbach und Herzogenburg geringfügige Rückgänge hinnehmen.

Bischof

Spitzenreiter bei der Bevölkerungsentwicklung ist Pressbaum. Die Gemeinde erreichte zwischen 2003 und 2018 eine Steigerung von 28,97 Prozent und damit 1.699 Einwohnern. Für VP-Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner ist das keine große Überraschung: „Pressbaum hat eine ausgezeichnete Infrastruktur.“ Auch die Verkehrsanbindungen seien ein Grund, warum die Stadtgemeinde so beliebt ist: „Im Speckgürtel rund um Wien haben wir gute Anbindungen an Wien und St. Pölten.

In der Wienerwald Initiativ Region haben die Gemeinden Asperhofen, Eichgraben und Kirchstetten das größte Wachstum. Um 25 Prozent und damit 441 Einwohner hat Asperhofen zugelegt. VP-Bürgermeisterin Katharina Wolk hat dafür folgende Erklärung: „Die Nachfrage nach Bauland ist bei uns groß, das liegt an der Nähe zum Bahnhof Tullnerfeld. Außerdem dürfte die Lebensqualität stimmen, wir haben eine schöne Gegend zum Wohnen.“

Über ein Plus von 21 Prozent seit 2002 freut sich Eichgrabens Ortschef Martin Michalitsch. Das liege zweifelsfrei an der guten Lebensqualität im Ort. Natur, kulturelles Angebot, das Miteinander im Ort und die gute Verkehrsanbindung vor allem durch die Westbahn würden sehr geschätzt. Das höre er auch oft bei den Neubürger-Empfängen. Der Kirchstettener Bürgermeister Paul Horsak freut sich über einen Zuwachs von 19 Prozent seit 2002.

Herausforderungen für das Obere Pielachtal

Weniger erfreulich ist der Blick auf die Karte der Bevölkerungsentwicklung für die Gemeinden im Oberen Pielachtal. Schwarzenbach, Frankenfels und Loich mussten in den vergangenen 15 Jahren Bevölkerungsrückgänge verkraften. Ein Grund den Kopf in den Sand zu stecken ist das für Schwarzenbachs VP-Bürgermeister Ernst Kulovits nicht. „Ich beobachte, dass einige – vor allem ältere – Leute zunehmend Ruhe, Natur und gute Luft suchen.

In den vergangenen Monaten sind zwei Ehepaare zu uns gezogen, eines davon arbeitet sogar im Wiener Raum. Das stimmt mich optimistisch, dieser Trend könnte uns in die Karten spielen.“ Vor einer großen Herausforderung sieht auch Franz Größbacher, VP-Bürgermeister in Frankenfels, den ländlichen Raum. Gerade die Gemeinden am Ende des Pielachtales hätten es schwer. „Wir versuchen das auszugleichen und der Generation von morgen eine gute Ausbildung anzubieten. Außerdem schauen wir, dass die Lebensqualität stimmt. Aber die ländlichen Gemeinden alleine werden das nicht stemmen können.“ Gefordert seien hier auch Land und Bund.

„Wir versuchen das auszugleichen und schauen, vor allem dass die Lebensqualität bei uns stimmt.“Franz Größbacher , Frankenfels

Direkt neben der Landeshauptstadt gelegen, aber dennoch nicht mit einem Bevölkerungswachstum gesegnet, sind Ober-Grafendorf und Herzogenburg. SP-Vizebürgermeister Christoph Artner führt den Einwohnerverlust in der Stiftsstadt hauptsächlich auf die Schließung des Geriatriezentrums in der Katastralgemeinde St. Andrä 2015 zurück.

Warum Ober-Grafendorf Einwohner verloren hat, kann sich Vizebürgermeister Andrea Kotmiller nicht erklären. „Wir haben alles, was man braucht – Kleinkindbetreuung, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und ein umfassendes Freizeitangebot“, wundert sich die SP-Politikerin, die seit Jahren beobachtet, dass die Ober-Grafendorfer zwar in der Gemeinde bleiben, der Zuzug von außen aber gering sei.

Die Stadt St. Pölten ist nicht nur Zugpferd der positiven Bevölkerungsentwicklung im Bezirk, sondern kann auch selbst mit einem Plus aufwarten: Die Einwohnerzahl ist seit dem Jahr 2002 von 49.000 auf über 54.500 angewachsen.