St. Pölten

Erstellt am 04. Januar 2018, 05:43

von Max Steiner

Die Lücke schließt sich langsam in St. Pölten . Nicht alle Züge nutzen die GZU, kristisiert ein Bahnanrainer. Der Betrieb werde hochgefahren, erklären die ÖBB.

Die NÖN hat erste Bilder von der fertigen Güterzugumfahrung (mehr Fotos und einen Kurzfilm gibt es auf NÖN.at).  |  NOEN

Stillere Zeiten hätte sich ein St. Pöltner nach der Eröffnung der Güterzugumfahrung erhofft . „Vollmundig wurde uns erklärt, dass nun die Anrainer vom Güterzugslärm entbunden sind, da alle Güterzüge, ausgenommen Quellverkehr, über die GZU fahren werden. Eine große Anzahl fährt aber weiterhin über die alte Westbahnstrecke mitten durch St. Pölten“, beklagt er in einer E-Mail.

Den Grund dafür weiß er allerdings. Für die GZU sei das Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) zwingend vorgeschrieben, Signale nicht installiert. Somit können Lokomotiven ohne oder mit untauglichem ETCS die GZU nicht verwenden. Das seien alle Güterzüge, die über die Altbaustrecke Neulengbach kämen – vor allem private Anbieter, die das System sonst nirgends brauchen und die Investitionen nicht machen. Die ÖBB seien somit einziger Nutznießer der GZU. „Die Hälfte der Güterzüge fährt weiterhin durch das Stadtgebiet und den Bahnhof – vom Kesselwagenzug, über Containerzüge, Autotransportzüge aus Ungarn und der Slowakei bis zu gemischtem Güterverkehr.“

Betrieb der GZU wird langsam hochgefahren

Eine deutliche Entlastung vom Güter- und Durchgangsverkehr für den Bahnhof St. Pölten, der als Knotenbahnhof ein beachtliches Verkehrsaufkommen bewältigen müsse, sehen die ÖBB nach Inbetriebnahme des Lückenschlusses. Der Betrieb werde langsam hochgefahren, erklärt ÖBB-Sprecher Karl Leitner. Nach der Inbetriebnahme der Neubaustrecke seien bereits 50 Prozent weniger Güterzüge auf der Bestandsstrecke durch das Stadtgebiet unterwegs, 2018 würden dann noch mehr Güterzüge über die Neubaustrecke geführt. „Ziel ist es natürlich, so viele Züge wie möglich über die neue Strecke zu führen“, betont Karl Leitner. Das schaffe auch Kapazitäten für zusätzlichen Personenverkehr.

Dass die Umsetzung des ECTS ein komplexer und jahrzehntelanger Prozess ist, weiß Otfried Knoll, Leiter des Departments für Bahntechnologie und Mobilität an der Fachhochschule St. Pölten. Grundsätzlich sei sie sinnvoll, weil man zum Beispiel keine ortsfesten Signale mehr an der Strecke aufstellen müsse und die Zugabstände optimieren könne.

Neben den auf dem transeuropäischen Korridor vorgeschriebenen Einrichtungen auf der Strecke müssen auch die Lokomotiven ausgerüstet werden, um die ETCS-Befehle zu verarbeiten. Das seien insgesamt Investitionen in Milliardenhöhe. Solange sie die Wahl hätten, würden viele Betreiber die teure Nachrüstung der Loks sparen. „Das ist wie bei der Lkw-Maut, da weichen auch viele auf die Bundesstraße aus, wenn sie die Möglichkeit haben“, so Knoll.