St. Pölten

Erstellt am 09. Januar 2018, 04:48

Konrad Kogler: „Niveau schwer zu heben“. Landespolizeidirektor Konrad Kogler spricht im NÖN-Interview über steigendes Sicherheitsgefühl, die Situation am Bahnhof und über den Stand beim Polizei-Zentrum.

LPD NÖ/E. Knabb  |  NOEN

Seit September steht Konrad Kogler als Landespolizeidirektor an der Spitze der Polizei in Niederösterreich. Mit der NÖN hat er über die aktuelle Lage in St. Pölten gesprochen.

NÖN: Herr Kogler, ist St. Pölten eine sichere Stadt?
Konrad Kogler: Wir haben hier ein Sicherheitsniveau erreicht, welches schwer anzuheben ist. Die Kriminalität ist rückläufig.

Und dennoch geht die Entwicklung nicht mit dem subjektiven Sicherheitsgefühl einher.
Seit 2011 stellen wir ein Auseinandergehen der objektiven und subjektiven Sicherheit fest, im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 war hier der Höhepunkt erreicht. Seit Mitte 2016 steigt aber das subjektive Sicherheitsgefühl wieder. Unerlässlich ist es, wieder zu einer Gesellschaft des Hinsehens zu werden.

Wie meinen Sie das konkret?
In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle, in denen Menschen Verbrechen beobachtet, aber uns nicht gemeldet haben. Für die Polizei ist eine rasche Meldung aber sehr wichtig.

„Es dauert mindestens fünf Jahre, bis erste Einrichtungen dorthin übersiedeln werden.“ Landespolizeidirektor Konrad Kogler über den Status des Sicherheitszentrums

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Zeugen nicht die Polizei alarmieren?
Es ist häufig die Sorge vor einem Gerichtsverfahren, wo sie den Tätern gegenüberstehen könnten. Dadurch fürchten sie, selbst Opfer werden zu können. Wir weisen daher ständig daraufhin, dass uns auch anonym Informationen vermittelt werden können. Hauptsache, wir werden informiert.

Zurück zu St. Pölten. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Polizei-Inspektion am Bahnhof bewährt?
Sehr gut. Wir haben dort einen Rückgang um etwa ein Drittel bei Sachbeschädigung, Vandalismus und Körperverletzung festgestellt. Die Präsenz zeigt Wirkung.

"Polizei-Inspektion am Bahnhof hat sich bewährt"

Führt diese Präsenz zu Prävention oder eher zu einer Verlagerung der Kriminalität?
Wir beobachten das natürlich ganz genau. Derzeit sehen wir allerdings keine Verlagerung, man kann daher von Prävention sprechen.

Sie sprechen auch von einem sehr guten Sicherheitsniveau in St. Pölten. Braucht es dann in der Landeshauptstadt dennoch mehr Polizisten?
Ja. Wir brauchen 1.150 neue Polizisten bis 2020 in Niederösterreich, davon 700 neue Planstellen. Aber eine konkrete Zahl für St. Pölten kann ich nicht nennen. Ohnehin ist nämlich wichtig, in größeren Regionen zu denken. Wir brauchen Spezialisten rund um die Uhr, die dann aber nicht nur für St. Pölten, sondern beispielsweise auch bis nach Lilienfeld oder Krems im Einsatz sind.

Sie sind ein großer Befürworter eines Sicherheitszentrums, in dem in St. Pölten viele Einrichtungen der Polizei gebündelt werden sollen. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Wir sind nach wie vor in der Phase der Grundstücksfindung. Es wird sicher mehr als fünf Millionen Euro kosten und daher eine internationale Ausschreibung geben. Das Verfahren wird sehr komplex. Realistisch betrachtet dauert es mindestens fünf Jahre, bis dorthin erste Einrichtungen übersiedeln werden.

Es soll also modular aufgebaut werden?
Genau. Manche Einrichtungen wie die Landesverkehrsabteilung sollen schneller übersiedeln, bei anderen wie der Polizeischule, bei der wir einen Zehn-Jahres-Vertrag abgeschlossen haben, bleibt mehr Zeit.

Body-Cams ab März in St. Pölten im Einsatz

Wann werden Body-Cams in St. Pölten eingesetzt?
Das Pilotprojekt ist abgeschlossen, 150 Kameras wurden für ganz Österreich besorgt. Zwei bis drei Stück werden nach St. Pölten gehen und dort voraussichtlich ab März verwendet werden können.

Was erwarten Sie sich von diesen Kameras?
Das Pilotprojekt hat eindeutig gezeigt, dass es deeskalierend wirkt, wenn an einem Polizisten eine Kamera montiert ist, die das Geschehen aufzeichnet.